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Mamasté – die Kunst, nichts zu denken
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Kinder können das in der Regel besser als ihre Eltern: einfach im Hier und Jetzt sein. (Bild: Nadja Stadelmann)

Das Kopfkino einer Mutter läuft permanent Mamasté – die Kunst, nichts zu denken

4 min Lesezeit 06.08.2017, 11:02 Uhr

Als Mama ist man nie alleine. Nicht im Bett und schon gar nicht auf dem WC. Viele Momente zum Zu-sich-Zurückkehren gibt’s da nicht. In ihrem ersten Beitrag erzählt unsere Eltern-Bloggerin Nadja Stadelmann von ihrer Yoga-Praxis und vom Achtsamsein als Mami.

Als Mama mittelgrosser Kinder kennt man das Gefühl, kein Privatleben mehr zu haben. Man ist immer für alle anderen da. Das ist einer der Gründe, warum ich ins Yoga gehe. 1½ Stunden alleine auf dem Mättli und niemand will was von mir. Okay, das stimmt so nicht ganz. Natürlich verlangt die Yoga-Trainerin einiges von mir, einfachere und schwierigere Dinge. Hinters Herz atmen und nichts denken zum Beispiel gestaltet sich komplexer als gedacht. Auch die echt komplizierten Asanas (sprich Yoga-Übungen), in denen ich mich total verrenke und nicht mehr weiss, wohin mit allen Gliedmassen und dabei auch noch tief atmen (nein, nicht hecheln, atmen) sollte, sind nicht ohne.

Sich aufs Wesentliche konzentrieren

Nach solchen spüre ich den Tag darauf, spätestens gegen Abend, Muskeln an Orten, an denen ich nicht mal ahnte, dass ich welche habe. Manchmal sitzen wir aber auch in unserer Meditationshaltung und starren auf einen Stein. Wir sollen uns dabei nur auf das Ein- und Ausatmen konzentrieren und alle Gedanken weiterschicken. In dieser Übung geht es darum, unsere eigenen Gedanken zu steuern sowie unnötige und störende Denkspiralen auszuschalten. So würden wir uns selbst und unsere Umwelt (sprich Kinder, Arbeit, Partner, Freunde, Haus, Verein … Jesses, es geht schon wieder los) besser wahrnehmen und könnten uns leichter auf das Wesentliche konzentrieren (et voilà, geht doch).

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Wem das schwer fällt, sagt leise für sich Stein. Das hört sich dann in meinem Inneren etwa so an: Stein – ein – was koche ich morgen zum Zmittag – aus. Stein – ein – das grosse Frölein braucht dringend eine neue Regenjacke – aus. Stein – ein – wie organisiere ich die Mittagsbetreuung am Donnerstag – aus. Ganz schön schwer, nichts zu denken, wenn das Kopfkino einer Mutter permanent läuft.

Natürlich gibt es im Yoga auch Dinge, die mir auf Anhieb gelingen. Mich tot stellen zum Beispiel oder den Bauch einfach mal hängen lassen. Nichts einfacher als das!

Sportarten für Mütter

Es gibt Sportarten, die für mich überhaupt nicht in Frage kommen. Joggen zum Beispiel. Nichts-Nachrennen. Ich renne den ganzen Tag meinen Kindern, den Kindergartenzetteln oder der Zeit hinterher. Schwimmen kommt auch nicht in die engere Wahl. Ich ziehe mich tagsüber schon x-mal um und mein permanentes Schlafmanko würde mich wohl sinken lassen wie ein Stein.

Alle Sportarten mit erhöhtem Unfallrisiko sind für eine Mutter auch nicht sonderlich gäbig. Nicht auszudenken, wenn ich als Mama für Monate ausfalle. Was heisst da Monate. Wenn eine Mutter sich einen Fieber- oder Magen-Darm-Grippe-Tag gönnt im Jahr, bricht meist schon das Chaos über einem ein und die eigene Mutter muss her und am liebsten gleich sofort. Also fällt schon alles Wilde weg. Nicht, dass ich sonderlich traurig darüber wäre. Seit ich Mutter bin, habe ich Ängste und Befürchtungen … jesses – ich sehe überall Gefahren!

Aber zurück zum Sport. Es gibt ja auch ein breites Angebot an Mama-Kind-Sportkursen. Babyschwimmen oder Yoga mit Speckmockenbaby zum Beispiel. Letzteres habe ich ausprobiert. Dabei war ich vollends damit beschäftigt, mein Kind zu trösten und die gegorene Muttermilch wieder vom Yogamättli wegzuputzen. Aber wenn sie älter sind, wird das Sportangebot schon kleiner. Eltern-Kind-Turnen mag ich nicht und ich glaube auch nicht, dass man da sonderlich ins Schwitzen kommt. Auf jeden Fall bin ich einmal eingesprungen als Tanti. Dort traf ich auf Mütter und einen Vater, welche in Jeanshose ihre Kinder auf der Ringschaukel anschubsten.

Egal, ich möchte ja einfach mal was alleine machen. Für mich, ohne Kinder und ohne Vereinsverpflichtung, denn für Lotto im Sääli organisieren habe ich weder förige Zeit noch Lust dazu. So kam ich dann zum Yoga.

Im Moment sein

Wir Mütter sind ja mit unseren Gedanken ständig irgendwo. Meist voraus oder im Vergangenen, dann wieder in der Luft, aber selten wirklich im Hier und Jetzt. Einfach den Moment geniessen. Einfach im Hier und Jetzt sein. Einfach da sein. Das ist eine Fähigkeit, die ich an meinen Kindern abschaue und ganz fest von ihnen lernen kann. Sie geniessen, was immer sie tun, und sind voller Begeisterung und Hingabe bei der Sache. Sie denken nicht an morgen oder gestern. Sie tun dies in einer Gemächlichkeit, welche einen als Mutter einerseits total freut (endlich ein paar Minuten für mich!) oder andererseits auch mal in den Wahnsinn treibt. Dann nämlich, wenn sie auf dem Kindergartenweg jeden Regenwurm retten müssen oder noch das allerfeinste Löwenzahn für unseren Hasen pflücken müssen. Egal, was das Zifferblatt auf der Uhr sagt.

Einatmen. Stein. Ausatmen. Stein. Wie ein Söttiger schlafe ich jeweils nach der abendlichen Yogastunde. Na ja, jedenfalls solange, bis wieder irgendwer etwas von mir will.

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