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Alles nur eine Phase …?

«Mama, du bist gemein. Und du bist unfair!»

Manchmal ist man als Mutter ob der Wutausbrüche des Kindes ganz schön verzweifelt und hofft, dass diese Phase bald vorbei ist. (Bild: Symbolbild: Pexels)

Das Leben ist unfair, findet mein Sohn. Wer daran Schuld hat, ist in seinen Augen offensichtlich. Daraus folgende Wutausbrüche und lange Diskussionen sind ganz schön anstrengend – und hoffentlich bloss eine Phase …

«Du bist gemein. Und du bist unfair», hört man es durch das gesamte Haus schreien. Das Kind stapft wütend die Treppe hoch und schliesst seine Zimmertür mit einem lauten Knall.

Es ist Sonntag, 9 Uhr früh und dies ist nicht der erste Wutausbruch an diesem Tag. Die Auslöser dafür sind vielfältig. Die Schuldige aber immer die Gleiche: ich. Die Mutter des Kindes, die es sich wohl zur Aufgabe gemacht hat, ihm alles zu verderben und zu vermiesen, was Spass macht.

Ich bin unfair und gemein – und an allem schuld

In etwa so habe ich mir die Pubertät vorgestellt. Das Problem daran ist nur, dass wir davon noch etwa 10 Jahre entfernt sind.

Schon seit Tagen wirft mir mein Sohn vor, dass ich unfair und gemein sei. Meine Vergehen? Ich halte Eiscreme für kein adäquates Frühstück. Ich finde nicht, dass Den-ganzen-Tag-Tablet-Spielen eine sinnvolle Sonntagsbeschäftigung ist. Ausserdem ist er sauer wegen des falschen Wochentages, des Wetters oder weil die Grosseltern noch in den Ferien sind. An alledem bin ich schuld (eigentlich fast schon eine Ehre, wenn man bedenkt, welch grosse Macht mir mein Kind einräumt).

Mein Bedürfnis nach Harmonie

Mein Sohn hat viele Freiheiten und ich versuche, ihn in alltägliche Entscheidungen miteinzubeziehen. Doch ich bin die Erwachsene, ich trage die Verantwortung und gewisse Sachen sind einfach nicht diskutierbar. Punkt. Beziehungsweise, ich habe auf einige Dinge auch gar keinen Einfluss, so sehr ich mich anstrengen würde, ich könnte es nicht ändern.

Das alles sehr zum Ärger meines Sohnes. Und irgendwie auch zu meinem eigenen. Ich will nicht gemein sein. Ich will kein böses und unfaires Mami sein. Was ich möchte, ist ein Haus voller Harmonie, Frieden und Liebe. Ein Kind, das mich morgens anstrahlt und mir abends sagt, wie sehr es mich liebt. Stattdessen sitze ich hier mit meinem lauwarmen Kaffee und frage mich, wie wir den Sonntag einigermassen kampflos hinter uns bringen können.

Nur eine Phase

Ich weiss, es ist alles eine Phase. Morgen ist sie vielleicht schon wieder vorbei und das Kind findet in einen ausgeglicheneren Zustand zurück. An dieser Vorstellung halte ich mich fest und wir schaffen es einigermassen unbeschadet durch den Tag.

Am Abend beim Zubettgehen meint Kind: «Mami, heute war ein schwieriger Tag.» Ja, dem habe ich nichts hinzuzufügen. «Trotzdem war es schön. Ich mag es, den ganzen Tag mit dir zusammen zu sein. Ich liebe dich, Mami.» Mein Mutterherz geht auf. Alles nur eine Phase. Und vielleicht ist sie jetzt schon wieder vorbei.

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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