Macht Geld eigentlich glücklich?
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Kinder erinnern uns daran, dass Glücklichsein nicht zwingend etwas kosten muss. (Bild: pexels)

Die besten Dinge im Leben sind umsonst Macht Geld eigentlich glücklich?

5 min Lesezeit 18.07.2021, 10:00 Uhr

«Geld macht nicht glücklich. Aber es ist besser, im Taxi zu weinen als in der Strassenbahn.» Das Zitat des Publizisten Marcel Reich-Ranicki gefällt mir sehr. Ich finde es irgendwie lustig und glaube, dass es wahr ist.

Mein Grundgedanke ist, dass Geld durchaus einigermassen glücklich machen kann. Einerseits sorgt es für eine Unruhe weniger. Wer sich dauernd Gedanken um das Haushaltsbudget machen und jede Ausgabe genauestens überlegen muss, ist oft mit diesem doch sehr negativ behafteten Gedankenspiel umsponnen und deshalb, so denke ich, unglücklicher als jemand, der seine laufenden Ausgaben ohne Sorge tätigen kann.

In der Folge ist die Gleichung einfach: weniger Geld = mehr Sorgen = weniger Glücksgefühl. Und im Umkehrschluss bedeutet dies, dass mehr Geld also glücklicher macht.

Darüber hinaus sind es für mich persönlich aber vor allem die vielen kleinen Dinge im Alltag, die für den Glücksfunken sorgen. Sie alle kosten jetzt kein Vermögen, aber ganz ohne Geld wären sie eben auch nicht möglich.

Ein bisschen Geld macht schon glücklich

Wenn man die Kinder an einem nasskalten Tag auf eine heisse Schokolade ins nächste Café einladen kann, beispielsweise. Oder wenn man abends keine Lust zum Kochen hat, das Essen auch einfach mal bestellen kann. Kleidungsstücke aus einem Fair-Fashion-Shop vermag mir ein bedeutend grösseres Glücksgefühl zu verleihen als vergleichbare Teile vom Kleiderschweden.

Natürlich gehören auch Ferien in diese Kategorie. Wegfahren – es muss keine Luxus-Sause sein – ist einfach schön und bereichernd. Ausserdem Besuche im Kindertheater und Eintritte in Museen. Erlebnisse eben. Sie erbringen eine freudige Episode und die vergangene Zeit schenkt zusätzlich immer wieder ein wunderbares Andenken in Form von Erinnerungen.

Ich könnte hundert solcher Kleinigkeiten im Alltag aufzählen, die mich zwar etwas kosten, mir dafür aber ein wirklich grosses Gefühl der Freude einbringen. Beispielsweise meine besondere Handcreme: Jedes einzelne Mal, wenn ich meine Hände eincreme und den wunderbar frisch-holzigen Kräuterduft einatme, bin ich glücklicher, als wenn ich eine Billigsalbe verwenden müsste. Das Joghurt aus dem Glas schmeckt mir wirklich besser als das aus dem Plastikbecher. Und da glaube ich wahrhaftig, dass man fürs Gefühl bezahlt. Die wunderbaren Bio-Einkäufe am Wochenmarkt und noch einen Blumenstrauss obendrauf… Das macht mich glücklich!

Glücksperlen des Alltags

Ich gehe davon aus, dass es genau diese klitzekleinen Momente sind, die das Leben hier etwas leichter und da etwas freundlicher und darum auch schöner machen. Natürlich sind die Glücksperlen des Alltags für jeden irgendwo anders verborgen. Aber übergeordnet ist es, glaube ich, so ein Gefühl von «eine Wahl haben». Auswählen können, was man wo kauft und nicht einfach immer das Preiswerteste nehmen zu müssen.

Kleinigkeiten eben, die aber durchaus nicht in jedem Familienbudget Platz haben. Wenn man sich schlicht nichts gönnen kann, im Alltag nicht ein einziges kleines Luxusgut ohne schlechtes Gewissen kaufen kann, dann ist man vermutlich und verständlicherweise schon minder gut gelaunt als im obigen Alltagsfilmchen.

Geld macht also glücklich, aber auch das ist nur die halbe Wahrheit

Denn die Forschung zeigt: Zwischen Jahreseinkommen und Glücksgefühl herrscht eine nicht lineare Beziehung. Das heisst im Klartext, dass zwar tatsächlich ein Zusammenhang besteht – sehr ähnlich, wie ich angenommen hatte – aber nur bis zu einem gewissen Einkommen.

Die Glückskurve flacht aber alsbald ab. Irgendwo bei einer magischen Schwelle von ca. 120’000 Franken Jahreseinkommen pendelt sich ein Glücksgefühl ein. Dieses korreliert jedoch nicht mehr mit einem noch höheren Einkommen. Der beschriebene Zusammenhang verliert sich ab dieser magischen Grenze geradezu. Zusammenfassend könnte man also sagen, dass der Grenznutzen abnimmt, sobald genügend Geld zur Verfügung steht, um einen gewissen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Diese und andere Erkenntnisse rund um die Beziehung von Glück und Einkommen hat der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin begründet. Mit dem Easterlin-Paradoxon bedeutet er, dass, profan ausgedrückt, Menschen nicht glücklicher sind, je mehr Geld sie haben. Sondern ein höheres Einkommen nur dann glücklicher macht, wenn wir von einem Leben am Existenzminimum ausgehen. Wenn Menschen also mit dem «Mehr» an Geld ihr Dasein sichern können, indem sie all ihre Grundbedürfnisse nach Essen, Kleidung und einem Dach über dem Kopf stillen können.

Wieso ist man denn nicht glücklicher, je mehr Geld man hat?

Der Mensch gewöhnt sich natürlich an alles. Mit mehr Geld gewöhnt man sich eben an einen noch geschmeidigeren Lifestyle. Die Ferien sind zwar noch feudaler, das Essen noch exklusiver und das Auto noch teurer. Aber am Ende des Tages ist das alles eben nichts Besonderes mehr.

Die Forschung hat für dieses menschliche Verhalten sogar einen Namen. Es nennt sich «hedonistische Anpassung». Es würde dann mit zunehmendem Reichtum quasi immer schwieriger, sich auch noch an kleinen Dingen zu erfreuen, so Easterlin.

Das nachhaltigste aller Glücksgefühle

Meine Kinder laden mich jeden Tag ein, mit ihnen im Moment zu sein. Gelingt es, stellt sich das Glücksgefühl wie durch Zauberhand ein. Das freie Spiel des Kindes ist das beste Beispiel. Von uns Erwachsenen wird es oft als sinnfrei und ziellos degradiert. Lassen wir uns aber darauf ein, entpuppt es sich letzten Endes als höchst sinnstiftend. Weil wir im Moment leben und mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen in Verbindung getreten sind.

Weitere klitzekleine, aber sehr nachhaltige Glücksgefühle sind für mich: Wenn ich die kühle frische Luft nach einem langen Sommergewitter rieche. Oder mein Seehüpf-Debüt in jedem Sommer. Oder wenn ich denke, ich täte es zum letzten Mal und es dann doch noch elf weitere Male tun kann, weil der Herbst so wunderbar warm ist. Oder wenn ich meinen Kindern eine Geschichte erzähle und sie mir jedes einzelne Wort glauben, egal wie erfunden sie alle sind. Oder. Oder. Es gibt Tausende Gründe, ein wahres Glücksgefühl zu verspüren.

Die besten Dinge im Leben sind umsonst. Ich denke, das ist wirklich wahr.

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