Ignoranz + Kindererziehung
Liebe Eltern, ich muss Dampf ablassen

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Wie kommt das Kind zum «Schaukelrecht»? (Bild: pixabay)

Wir züchten hier eine Horde Ignoranten heran, meint unser Papa-Blogger. Nach einem Badi-Ausflug stellt er sich Fragen zur Kindererziehung und gesellschaftlichen Ignoranz.

Wohl zum letzten Mal in diesem Jahr entschied ich mich am wunderschönen Tag des 13. Septembers, mit meiner Kleinen nochmals baden zu gehen. Also fuhren wir in die Krienser Badi, die zu unserem Leidwesen aber leider geschlossen war – bei 27.5 Grad Celsius wohlgemerkt.

Einen kleinen Seitenhieb nach Kriens kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen. Stets wird über das schlechte Wetter gejammert und darüber, wie schwierig es für die Badeanstalten wäre, über die Runden zu kommen – und dann schliessen sie ihre Pforten bei hochsommerlichen Temperaturen. Selber schuld, dachte ich mir, dann fahren wir eben in die Tribschenbadi.

Kaltes Vergnügen

Dort angekommen warfen wir uns gleich zu Beginn nochmals in den doch schon ziemlich empfindlich kalten See. Der Spassfaktor war dadurch nicht minder, lediglich kälter. Im Anschluss wollte meine Tochter noch einen Sprung ins Kinderbecken wagen, um sich anschliessend auf dem Spielplatz zu vergnügen. Trotz überschaubarem Besucherauflauf waren die Spielgeräte alle besetzt und wir warteten geduldig, bis wir beim «Gigampfi-Töff» mit Schaukeln an der Reihe waren.

Wir warteten und warteten bis ich den kleinen Jungen, welcher das Spielgerät besetzte, fragte, ob meine Tochter auch mal ran dürfe. Seine Antwort fiel kurz und knapp aus. Sie lautete «Nein». Nach ein paar wenigen Minuten wiederholte ich meine Frage, worauf erneut ein schlichtes «Nein» aus dem Dreikäsehochmäulchen herausposaunte. Ich fragte mich, wo in solch einer Situation eigentlich die Mutter steckt. Müsste sie hier nicht einschreiten?

Lehrstunde an fremde Kinder

Nun gut, mit dem Zvieri-Argument konnte ich die Kleine ablenken und versprach ihr, später einen erneuten Anlauf im Projekt «Gigampfi-Töff» zu nehmen. Nach kurzer Zeit passiert dann aber das Unfassbare: Zwei Jungs besetzten den heissbegehrten Töff und der «Nein»-Junge stand daneben – zusammen mit seiner plötzlich aufgetauchten Mutter, welche alsgleich die ganz grosse Moralkeule auspackte: «Kennt ihr das Wort Teilen?», fragte sie die beiden Jungs, «Das ist nämlich etwas Gutes. Schliesslich sollen alle Kinder mal schaukeln dürfen und bla, bla, bla …» Ich verstand die Welt nicht mehr. Da gibt eine Mutter gerade fremden Kindern eine Lehrstunde, versagt aber bei ihrem eigenen vollends.

«Muss man seinem eigenen Kind etwa beibringen, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen?»

Mit Ignoranz zum «Schaukelrecht»?

Solche und ähnliche Situationen beobachte ich immer wieder. Ist es neu wirklich nötig, eine Ignoranz an den Tag zu legen, um zu seinem «Schaukelrecht» zu kommen? Muss man seinem eigenen Kind etwa beibringen, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen, damit es den Flegel von seinem hohen Pferd stürzt?

Meine Tochter spielt auch gerne endlos auf diesen Spielgeräten, wenn ich aber das Gefühl habe, dass jetzt mal andere Kinder ran dürfen, dann erkläre ich ihr das. Natürlich protestiert sie dann lauthals, aber nur so lernt sie es. Das nennt man Erziehung.

Es ist schrecklich, was da tagtäglich auf den Spielplätzen geschieht, liebe Eltern. Wir züchten hier eine Horde Ignoranten heran. Reisst euch zusammen und nehmt doch wenigstens in der Gesellschaft eure Verantwortung war.

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6 Kommentare
  1. Laura Barchi, 19.09.2016, 08:47 Uhr

    Spricht mir aus dem Herz. Finde es auch äusserst bedenklich, wenn ich sehe wie vielerorts arrogante Ignoranten grossgezogen werden. Die Kinder können ja nichts dafür, es sind die Eltern, die sie zu dem machen. Und sich dann wundern, wenn es schwierig wird, sobald sie eingeschult werden und nicht mehr der Mittelpunkt des Universums sind.

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  2. Heinz Gadient, 18.09.2016, 21:58 Uhr

    Mir fällt schon lange auf, dass eine Horde von arroganten und selbstsüchtigen Schnöseln herangezüchtet wird. Die Kinder können einem leid tun.

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  3. Lena Morger, 18.09.2016, 21:17 Uhr

    Warum machst du die Faust im Sack? Wenn andere Kinder unbeaufsichtigt sind, erlaube ich mir, in solchen Fällen einzugreifen. Zuerst bitte ich, abzuwechseln, und wenn das nicht fruchtet, bestimme ich es freundlich, aber verbindlich. Ich hatte noch nie Probleme mit anderen Eltern deswegen, auch wenn diese alles mitbekommen haben. Auch die «fremden» Kinder akzeptieren es gut, wenn auch nicht erfreut. Natürlich schaue ich auch, dass meine Kinder abwechseln, nur dass ihr jetzt nicht sagt, ich ziehe Ignoranten gross.
    Es ist doch ganz natürlich, als Erwachsene für die «Schwächeren» einzustehen. Schade, dass so viele Erwachsene nicht den Mut dazu haben. Kinder lernen nicht nur von den eigenen Eltern. Wenn wir starke Persönlichkeiten sind und auch so HANDELN, wie wir fühlen (statt die Faust im Sack zu machen und im Blog die anderen Eltern anzuklagen), können sie uns zum Vorbild nehmen. Kinder ahmen ihre Vorbilder nach. Und sie spüren, ob wir authentisch und integer zu ihnen sind oder unsicher (dann funktionierts natürlich nicht so..).
    Auch zum Überlegen: Was lernt Dein Kind in diesem Moment von dir? Jedenfalls nicht, für sich selbst einzustehen.

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  4. Hans Peter Roth, 18.09.2016, 17:53 Uhr

    Die Mutter war vermutlich auf Pokemon-Jagd oder sonst irgendwie mit ihrem Plauderkästchen beschäftigt, was ich in letzter Zeit vermehrt bemerken durfte.

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  5. Regula Aeppli, 18.09.2016, 15:25 Uhr

    Das kenne ich. Vor 10 Jahren war es nicht anders. War es jemals anders? 😉 Ich habe mich so oft über abwesende Eltern an Spielplätzen aufgeregt. Da gab es zum Bsp. ein Kind, welches unserem die Sandkastenschüfeli wegnahm und wenn ich mit Worten versuchte, das einzige Schüfeli meinem Kind wieder zurückholen zu können und dabei nichts erreichte – und es dann dem fremden Kind einfach wegnahm, dieses dann schrie – und die Mutter plötzlich dann doch da war und mich eine Egoistin schalt – dann war es in etwa dasselbe wie oben beschrieben. Ich erlebte x fach solch Ähnliches. Und manchmal staunte ich, in welchen Situationen Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt liessen, z.Bsp. am Kinderpool. Der Bademeister schaut ja schon…. Ich glaube aber leider, solche Eltern lesen hier nicht mit.

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  6. _stuckithomas, 18.09.2016, 13:25 Uhr

    Kenne ich auch – letztens im Technorama erlebt, wo vier ca. 13-Jährige einen Stand besetzten ohne jegliche Aussicht auf Freigabe. Nachdem ich einige Minuten mit meinen Jungs vergeblich wartete, schickte ich die Besatzer weg. Zugegeben, so räumte ich einfach das Feld für meine Leute, aber mich hatte das Ignorieren der Vorpubertären genervt. Und es ist ja nicht nur der Entscheid der Eltern, welches Verhalten ihrer Sprösslinge denn genehm zu sein hat. Manches ist schlicht eine Frage des Anstands und grundlegender Regeln, die meiner Meinung nach immer noch gelten.

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