Kinderfreie Zone in Luzerner Restaurants – Ohne Kinder? Ohne mich!
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Hier sind Kinder nicht willkommen – im Luzerner Restaurant Weisses Kreuz. (Bild: mbe.)

Kinderfreie Zone in Luzerner Restaurants – Ohne Kinder? Ohne mich!

3 min Lesezeit 4 Kommentare 27.12.2015, 08:56 Uhr

Breaking News in meinem kleinen Universum: Das Restaurant Zum Weissen Kreuz, eine Gaststätte mit italienischer Küche mitten in der Luzerner Altstadt, führt eine kinderfreie Zone ein.

Breaking News in meinem kleinen Universum: Das Restaurant Zum Weissen Kreuz, eine Gaststätte mit italienischer Küche mitten in der Luzerner Altstadt, führt eine kinderfreie Zone ein. Und zwar, weil sich Gäste immer wieder über den Lärm beschwert und die vielen Kinderwägen die Gänge für die Kellner verstellt hätten. Man habe aber generell nichts gegen Kinder, denn diese seien im unteren Teil des Restaurants herzlich willkommen. Laut Geschäftsführer Thomas Hornung wolle man damit aber keine Gäste mit Kindern brüskieren. Aktion gescheitert, lieber Herr Hornung, denn ich fühle mich gerade ziemlich brüskiert!

Ich fühle mich brüskiert, dass ich als Familie meinen Platz in Ihrem Lokal nicht mehr frei aussuchen kann. Und ich fühle mich brüskiert, dass Sie mir als Mutter nicht zutrauen, meine Kinder ruhig und meinen Kinderwagen aus dem Weg zu halten.

Mit Verlaub: Ich bin keine Kampf-Hippie-Mutter. Ich bin nicht der Meinung, dass Kinder zu jeder Tageszeit überall hin gehören und sich dort auch noch benehmen können, als gäbe es kein Morgen. Au contraire: Ich lege Wert darauf, dass sich meine Kinder im Restaurant den Umständen entsprechend benehmen. Und wenn sie dies aus irgendeinem Grund nicht tun – zum Beispiel weil sie krank sind, Zähne bekommen, vor drei Tagen Vollmond war oder es voraussichtlich in zwei Wochen schneien wird – haben wir auch schon mal das Restaurant verlassen. Und zwar bevor sich irgendein anderer Gast gross gestört fühlte. Das nenne ich gesunden Menschenverstand. Und wenn wir essen gehen und mich ein Kellner drauf aufmerksam macht, dass ihm der Kinderwagen meines Einjährigen im Weg steht, stelle ich ihn (also den Wagen, nicht das Kind) zügig weg. Das nenne ich Verständnis für die Anliegen anderer.

Ich fühle mich brüskiert, dass Sie mir als Mutter nicht zutrauen, meine Kinder ruhig und meinen Kinderwagen aus dem Weg zu halten.

Natürlich gibt es Eltern, denen im Umgang mit ihren Kindern noch viel mehr als nur gesunder Menschenverstand und Verständnis für ihre Mitmenschen zu fehlen scheint. Und natürlich hat jeder Vater und jede Mutter mal einen schlechten Tag, an dem Nervenkostüm von all den Sorgen und schlaflosen Nächten arg strapaziert ist und eine angemessene Reaktion schwierig macht. Aber schwarze Schafe gibt es überall und Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch deshalb gleich eine kinderfreie Zone einzuführen, statt weiterhin auf den gesunden Menschenverstand und das Verständnis von uns Eltern zu vertrauen? Das brüskiert mich!

Deshalb werde ich nicht mehr zu Ihnen zum Essen kommen. Und meine drei Jungs werden so leider nie in den Genuss Ihrer feinen Pizzen kommen. Aber zum Glück gibt es nicht nur im Restaurant zum Weissen Kreuz köstliches italienisches Essen, sondern zum Beispiel auch im Ristorante Centro in Luzern. Und dort sind Familien mit Kindern überall und jederzeit herzlich willkommen. Denn dort, lieber Herr Hornung, ist man sich bewusst, dass die Kinder von heute die Gäste von morgen sind.

Liebe Leserinnen und Leser, was denkt ihr über kinderfreie Zone in Restaurants der Zentralschweiz?

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4 Kommentare
  1. Andrea Mordasini, 11.07.2017, 18:35 Uhr

    Die kinderfreie Zone ist das eine. Das andere sind die vielen Kommentarschreiber auf diversen Onlineportalenn wie damals zB. auf http://www.20minuten.ch, die sich so herablassend und abschätzig über Kinder und deren Eltern äussern, die Kinder despektierlich und respektlos als Gofen, Bälger, Schreihälse betiteln und sie am liebsten aus dem öffentlichen Raum verbannen würden. Das macht mich, eine zweifache Mutter, sehr traurig. Kinder haben trotz fehlender Lebenserfahrung genauso respekt- und würdevolle Behandlung verdient wie Erwachsene auch. Da frage ich mich echt, wer wohl hier weniger Anstand hat… Von Kindern Anstand und gutes Benehmen verlangen, ihnen diese wichtigen Werte jedoch nicht entgegenbringen zu wollen, geht gar nicht! Kinder sind weder weniger wert noch Menschen zweiter Klasse noch ansteckende Aussätzige! Nicht jedes laute Kind ist per se schlecht erzogen und seine Eltern mit ihm und der Erziehung überfordert. Traurig und schade, dass Kinder so oft und vorschnell verurteilt und in einen Topf geworfen werden. Sie sind auch nicht einfach Lärm- und Störfaktoren, sondern können eine Bereicherung für alle sein. Sie sind wie alle anderen auch ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft, sie gehören in unser Leben, unseren Alltag, unsere Welt und nicht in ein Paralleluniversum. Sie sind und bleiben unsere Zukunft, die Gäste und Kunden von morgen. Wir gehen übrigens weder in überteuerte Schickimicki-Wellnesshotels noch in typische Familien-Kinder-Hotels, sondern bevorzugen Restaurants und Hotels, wo ALLE (Kinderlose, Eltern, Kinder, Singles, Paare, Junge, Alte,…) gleichermassen herzlich willkommen und erwünscht sind und niemand ausgeschlossen wird. Zum Glück gibts nach wie vor noch solche! Verbote sind meiner Meinung nach unnötig, da sie bloss Verdruss und Ärger verursachen und provozieren. Die Motzer sollen bitte bedenken, dass auch sie mal Kinder waren und nicht bereits als ruhige, stille, brave, lebenserfahrene und wohl erzogene Erwachsene auf die Welt gekommen sind. Mit etwas mehr Leben und leben lassen, mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, mehr gegenseitiger Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Rücksicht und gesundem Menschenverstand auf Seiten der Eltern wie Kinderlosen wird das Zusammenleben, der Urlaub, die Flugreise wie auch der Restaurantbesuch viel entspannter, gemütlicher, friedlicher und einfacher 🙂 !

  2. Mario Stübi, 27.12.2015, 20:23 Uhr

    In Luzerner Clubs werden seit Jahren Männer diskriminiert, insbesondere solche, die aus einem Land des Balkans stammen oder einen Namen von dort haben. Sie werden regelmässig nicht in Lokale des Nachtlebens gelassen, und wenn dann nur in Begleitung einer Frau. Oftmals zahlen sie dann noch mehr Eintritt als Frauen (Ladies Night) oder kriegen nicht die gleichen Sonderangebote auf Getränke (eben: Ladies Night). Wo sind die Gleichstellungsbeauftragten, regt sich niemand auf? Jedenfalls nicht so viele, wie wenn ein einziges (!) Restaurant eine Teil (!!) seines Lokals zur kinderfreien Zone erklärt.
    Und darf ich nocht etwas mehr povozieren? Wer betonen muss, dass man keine «Kampf-Hippie-Mutter» sei, erinnert mich an «Ich bin kein Rasist, aber…».

  3. Stefan Goldlücke, 27.12.2015, 12:17 Uhr

    …gäbe es solche Diskussionen wahrscheinlich nicht !

    Danke für den Artikel Frau Simmen.

    Als Vater von 2 mittlerweile grossen Töchtern gehöre ich doch eher zur Fraktion derer die auch mal ihre Ruhe haben möchten. Meine Beiden können sich sicher in jeder Umgebung bewegen. Darum ist mein Anspruch ähnlich wie Sie es schildern nämlich das Kinder sich dem Umfeld entsprechend benehmen können sollten. In der Beiz geht es auch bei den Erwachsenen drunter und drüber aber in gehobener Gastronomie muss man auch mal etwas länger still sitzen. Wenn ich das als Erwachsener nicht mag gehe ich nicht hin und wenn meine Kinde das nicht aushalten gehe ich auch nicht mit meinen Kindern hin.

    Das Problem haben Sie selber angesprochen. Viele Eltern sind nicht in der Lage oder gewillt zu erziehen ( sofern sie es selber überhaupt gelernt haben ). Erziehen ist unbequem, erfordert Konsequenz und Vorbild sein. Ich freue mich an Vielfalt und Gästen jeden Alters so gewisse Regeln eingehalten werden.

    Leider ist dies in vielen Fällen nicht mehr der Fall und dann wird es für die Anderen nervig. Genauso wie Mütter die ganze Strassen mit ihren Wagen verstellen und erwarten das alle Anderen ihrem Geschnatter ausweichen werden auch Restaurants blockiert und die Kinder sich selbst überlassen weil man lieber erzählt oder online ist.

    Solange dies nicht wieder zu einem für alle erträglichen Mass wird kann ich Gastronomen verstehen die kinderfreie Bereiche (!) einrichten. Immerhin gilt das auch für die 1st Class bei SWISS.

    Gruss
    StG

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