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Kinder haben den Blick für die kleinen Dinge
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Hektik im Alltag ist für Kinder oft ein Fremdwort. (Bild: Nadja Stadelmann Limacher)

Was wir in der täglichen Hektik verpassen Kinder haben den Blick für die kleinen Dinge

3 min Lesezeit 30.06.2019, 11:23 Uhr

Wir schreiben den 15. Juni. Die erste Mama postet in einer Facebook-Gruppe ihre perfekt inszenierte Schultüte für den kommenden Schulanfang. Ich hingegen weiss noch nicht mal, was ich morgen zum Zmittag kochen werde. Dieses immer besser und immer schneller kann ganz schön stressen. Fährt ein Velo ohne Elektromotor den Hügel hoch, habe ich Angst, es rolle demnächst wieder rückwärts hinunter. Mein Auge ist sich nur noch blitzschnelle Velofahrer gewohnt.

Wie können wir den Kindern vermitteln, dass es okay ist, sein eigenes Tempo zu gehen, wenn wir ständig auf Zack sind? Wir wollen immer mehr, und zwar sofort. Spricht ein Kind in einem gewissen Altersstadium nicht seine 20 Wörter, werden bereits die ersten Abklärungen eingeläutet. Ist ein Kind nicht mit drei Jahren trocken, heben sich die ersten Augenbrauen. Liest der Erstklässler nicht bis zu den Weihnachtsferien ganze Sätze, wird Druck aufgebaut.

Früher vertrauten Eltern auf die Gewissheit, dass alles mit seiner Zeit kommt. Heute gibt’s das Internet und viele ach so nützliche Tipps, am liebsten ungefragt im Dorfladen, auf dem Spielplatz oder im Kollegenkreis.

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Ansprüche für Erziehung werden grösser

In der Schwangerschaft hatte ich eine App, die mir sagte, was sich bei meinem Baby gerade entwickelt. Dies fand ich praktisch, wir sahen uns ja noch nicht. Nach der Geburt stresste mich dieses App jedoch recht früh. Jede Woche sollte was gehen, und was wenn nicht? Es war ja unser erstes Baby. So löschte ich diese App kurzerhand und ging einmal zur Mütterberatung.

Diese fand mein Baby sei in die Perzentile (Position auf einer Wachstumskurve) verrutscht. Ich solle ihm gefälligst öfter die Brust geben. Bis dahin vertraute ich dem Gefühl, dass sich unser Baby recht zuverlässig meldet, wenn es Hunger hat. Bei jedem Entwicklungsschritt waren andere Kinder immer schon schneller, weiter, höher.

Vertrauen in uns Eltern

Geht es nicht darum, dass uns ständig das Vertrauen in uns als Eltern abgesprochen wird? Statt einer Mutter oder einem Vater zu sagen, «du machst einen wundervollen Job und genau so, wie du ihn machst, ist es perfekt!», raten wir noch zu diesem und «söttigem». Meist ungefragt. So sehen wir uns im Esoterik-Laden wieder und denken, was wollte ich eigentlich hier. Ach ja, die Tröpfli, welche mir die liebe Nachbarin so sehr ans Herz gelegt hat.

Einfach mal anhalten und staunen

Jedes Kind ist einzigartig. Hat seinen eigenen Rhythmus und ist ein perfekter kleiner Mensch. Punkt. Es sind unsere Kinder, welche uns lernen, innezuhalten. Stehen zu bleiben, um die besonders schöne Häuschenschnecke zu beobachten, wie sie sich vom Trottoir auf das Löwenzahnblatt schleicht. Es sind unsere Kinder, die uns lehren, dass jeder Moment kostbar ist (ja auch die «zächen», die wir uns in ein paar Jahren zurückwünschen werden).

Es sind unsere Kinder, die uns bitten, noch eine Weile länger an der Baustelle stehen zu bleiben, um zu sehen, was der Bagger heute tut. Es sind unsere Kinder, die uns bitten, uns zu ihnen zu legen zum Einschlafen. Wo wir dann gegen das Einschlafen kämpfen und dennoch diese Nähe ganz besonders geniessen. Nochmal zurückschauen auf den vergangenen Tag und über besondere Details staunen, welche sich meine Kinder gemerkt haben, die ich vor lauter Gjufel kaum oder gar nicht wahrgenommen habe.

Einfach mal durch den Nachmittag tanzen.

Einfach mal durch den Nachmittag tanzen.

(Bild: Nadja Stadelmann Limacher)

Der Blick für die kleinen Dinge

Ich habe nicht hingeschaut, war nicht achtsam genug, war in Gedanken bereits beim Nachhauseweg, beim Nachtessen, beim Telefonat, welches ich unbedingt noch tätigen wollte, und auch bei allem, was ich noch erledigen wollte, wenn die Kinder dann schlafen. Wie schade, so denke ich, habe ich doch viel verpasst.

Nicht so meine Kinder. Statt aufzuspicken wie eine gespannte Feder, bleibe ich diesmal liegen. Lausche gespannt den Erzählungen des kleinen Fröleins über die Ameisen im Garten und dass diese sogar die grossen Brösmeli vom Zmittag tragen mögen. Geniesse den Moment im Hier und Jetzt.

Auch dann noch, als ihre Stimme immer leiser wird und dann einem gleichmässigen Atmen weicht. Diese tiefen Atemzüge, ihren Arm fest um meinen Hals gelegt. Dies tut mir gut und entschleunigt mich. Genug getan für heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Und sonst sicher übermorgen.

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