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Dank Corona und Winter vor Mitschülern verborgen

Ja, auch Jungs dürfen ihre Nägel lackieren!

Olivias Söhne mögen es, sich ihre Nägel zu lackieren. Kein Problem für die Elternbloggerin – ob aber die Gesellschaft schon so weit ist? (Bild: Symbolbild: Pexels)

Während Corona begann mein Sohn, sich die Nägel zu lackieren. Die Schulen waren geschlossen, angemalte Finger- und Zehennägel blieben Schulkameraden verborgen. Dass sich Jungs Zehennägel lackieren, führte bei meiner Patentochter nun zu Erstaunen. Doch der Skirennfahrer Lucas Braathen macht Hoffnung.

Ich bin stolzes Gotti von drei tollen Patenkindern, wovon zwei Mädchen sind. Ich gebe offen zu, dass ich es geniesse, ab und an den Mädels hübsche Frisuren zu machen oder über Mädelskram zu diskutieren. Ihren Weihnachts- oder Geburtstagswünschen nach Frozen-Artikeln oder Rosenquarzrollern bin ich stets gerne nachgekommen. Und ja, ich gebe es zu, hier bin ich auch ziemlich altmodisch und versuche, in den Familien der Patenkinder keine Gleichberechtigungsdiskussionen anzuzetteln.

Als kürzlich meine elfährige Patentochter bei uns zu Besuch war, fragte ich sie, ob sie ebenfalls Lust hätte, ihre Nägel zu lackieren. Sie schaute mich mit einem breiten Grinsen an und so schritten wir zur Tat.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Meine Auswahl an Nagellack ist nicht riesig. Während wir also vor dem Spiegelschrank standen, gesellte sich mein jüngster Sohn dazu und fragte, ob auch er sich seine Zehennägel anmalen dürfe.

Natürlich bejahte ich seine Frage und auch er suchte sich daraufhin seine Favoritenfarben aus, da er meistens verschiedene Farben gleichzeitig bevorzugt.

Plötzlich bemerkte ich, dass mich mein Göttimeitli mit grossen Augen ansah und schliesslich fragte, ob mein Sohn das überhaupt dürfe, er sei ja ein Junge und kein Mädchen. Schliesslich sind farbige Zehennägel ja nur etwas für Mädchen... würde man meinen.

Corona sei Dank

Dann erklärte ich ihr, dass wir damit während des ersten Coronalockdowns angefangen hatten. Die Schulen waren zu und somit konnten keine Schulgspändli die angemalten Finger- und Zehennägel der Jungs sehen. Und seither taucht der Wunsch zwar seltener, aber dennoch sporadisch auf – und ist für uns absolut keine Diskussion wert.

Buntes Happy End

So schritten wir zur Tat und alle drei lackierten wir uns entweder die Finger- oder die Zehennägel in den entsprechenden Wunschfarben. Mein Patenkind war happy, dass ich ihre kurzen Fingernägel chic mit beigem, matten Nagellack anmalen konnte.

Mein Sohn war überglücklich, dass Winter war und somit im Turnen niemand seine lackierten Nägel sehen würde und er trotzdem seinen Wünschen folgen konnte.

Und ich war stolz auf mich, dass ich meine alten Glaubenssätze hinter mir gelassen hatte und meinen Kindern beibrachte, dass sie für ihre Werte einstehen sollen.

Gleichberechtigung olé

Wie alle Eltern möchte auch ich nicht, dass meine Kinder in der Schule ausgelacht werden und trotzdem ermuntere ich sie, ihre Wünsche zu verfolgen und immer mal wieder das Genörgel oder Gegröle von Mitschülern zu ignorieren.

Ab und zu ärgere ich mich darüber, dass die gesellschaftlichen Normen auch beim Thema Nägel lackieren veraltet sind. Dies hindert Jungs daran, ihren Wünschen zu entsprechen, da sie in der Schule von den Mitschülerinnen schräg angeschaut oder allenfalls ausgelacht werden.

Lucas Braathen als Vorbild

Einige Zeit später sitze ich vor dem Fernseher und wir sehen uns ein Skirennen im TV an. Der Niorweger Lucas Braathen hat sich soeben den ersten Platz geholt und sitzt auf dem Sessel des Führenden. Die Kamera schwenkt auf ihn, er hebt seine Hände und siehe da… er hat lackierte Fingernägel und zeigt diese auch sehr provokant im TV. 

Und ich? Ich habe wieder Hoffnung, dass sich die gesellschaftlichen Normen verschieben und man nicht mehr dauernd schubladisiert wird.

Oder dürfen Jungs auch keine rosa Kleider tragen, keine langen Haare haben oder kein Yoga praktizieren?

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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