«Ich hoffe einfach nicht, dass …»
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Welchen Weg werden sie gehen? Eine Frage, die Eltern beschäftigt. (Bild: ©ZCS/AURA)

Das Basisstufen-Modell der Primarschule «Ich hoffe einfach nicht, dass …»

4 min Lesezeit 12.06.2016, 09:45 Uhr

Das noch nicht weit verbreitete Schul-Modell der Basisstufe verbindet den zweijährigen Kindergarten mit dem ersten und zweiten Schuljahr der Primarstufe. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: In welche Fähigkeitsgruppe wird mein Kind eingeteilt? Wohin wird sein Weg führen?

Wohin gehst du, mein Basisstüfeler?

… und da war er endlich. Der Brief. Schon seit Wochen haben wir darauf gewartet und verschiedene Szenarien im Kopf durchgespielt. «Wäre es nicht schön, wenn …», meinte oft mein Mann. «Ich hoffe einfach nicht, dass …», entgegnete ich meistens.

Und jetzt liegt das unscheinbare Couvert aus gräulichem Recycling-Papier also endlich vor uns! Sein Inhalt? Elementar! Gar zukunftsweisend! Der Brief ist nämlich von den Volksschulen der Stadt Luzern, in unserem Falle von der Basisstufe des Schulhauses Unterlöchli, und enthält die Gruppeneinteilung unseres ältesten Sohnes.

Doktor-Studium oder snowboardener Barkeeper?

Wieso ist diese Einteilung für mich von solcher Bedeutung? Weil ich der Meinung bin, dass ein Kind enorm durch seine Umgebung und den sozialen Umgang geprägt wird. Weil ich denke, dass die besten Freunde der Schulzeit einen grossen Einfluss auf die Entwicklung meines Sohnes haben werden.

Gut möglich, dass sich dadurch jetzt schon entscheidet, ob er seine ersten Ferien ohne mich saufend in Lloret de Mar, campend in Agno oder bikend auf der Rigi verbringt.

Gut möglich, dass mein Sohn, von fussballbegeisterten Klassen-Gespändli angesteckt, in einen Verein eintritt. Und dann die Schweiz an der EM 2028 mit einem Hattrick zum Europameister schiesst.

«Mit Ach und Krach die obligaten Schuljahre hinter sich bringen.»

Gut möglich, dass er in der Basisstufe neben einem Kind mit einer ebensolchen Freude an Musik sitzt. Und nach einigen Jahren Proben im Sedel füllen die Hologramme ihrer Band 2035 alle grossen Stadien der Welt gleichzeitig.

Gut möglich, dass mein Sohn an der Basisstufe tolle Lehrer hat, die seinen fast nie endenden Redefluss clever zu stoppen vermögen und ihm beibringen, dass Lernen Spass macht. So dass er 2045 seinen Doktor in Sozialphilosophie an der Hochschule Luzern macht.

Gut möglich aber auch, dass die Lehrpersonen sein Haar zu lang und seine aufgestellte Art als zu laut und zappelig empfinden. So dass ihm schon früh der Spass an der Schule genommen wird und er mit Ach und Krach die obligaten Schuljahre hinter sich bringt. Und dann 2026 mit noch längeren Haaren je nach Saison als snowboardender Barkeeper oder barkeepender Snowboarder auf der Melchsee-Frutt anzutreffen ist.

«Gut möglich, dass sich hier bereits seine grossen Leidenschaften und Vorlieben entwickeln werden.»

Kein Lou, dafür Tim, Elias und Sofia

Darum ist die Einteilung für mich von solcher Bedeutung! Wir erfahren: Mein Sohn kommt in die Basisstufen-Klasse Grün. Seine Lieblingsfarbe. Ein gutes Omen?

Bei den Grünen ist auch Elias von oben. Da wäre der Schulweg schon mal geritzt. Meines Sohnes bester Kumpel aus der Spielgruppe, Lou, ist bei Orange. Dafür ist Lous älterer Bruder Tim grün. Sowie Sofia, auf deren Geburtstagsparty mein Mittlerer erst von kurzem war und deren Mutter Nicole ich auch sehr mag.

Das sieht doch gut aus! Gut möglich, dass mein Sohn hier gute Freunde findet. Vielleicht ist es Tim, Sofia oder Elias. Oder jemand ganz anderes. Gut möglich, dass sich hier bereits seine grossen Leidenschaften und Vorlieben entwickeln werden. Ich hoffe, es kommt gut, mein Grosser! Wie auch immer du dich entscheidest, ich hoffe du wirst glücklich damit! Denn Grün ist ja nicht umsonst die Farbe der Hoffnung.

Das Modell der Basisstufe
Das Schul-Modell der Basisstufe verbindet den zweijährigen Kindergarten mit dem ersten und zweiten Schuljahr der Primarstufe. In den verschiedenen Gruppen von 16 bis 24 Kindern werden so also 4- bis 8-Jährige gemeinsam unterrichtet. Die Kinder verbringen je nach Alter, Fähigkeiten und Reife drei bis fünf Jahre in der Basisstufe und kommen danach in die 3. Klasse. Jede Basisstufen-Gruppe wird jeweils von zwei Lehrpersonen gleichzeitig unterrichtet. Der Unterreicht findet oftmals in lernstandsähnlichen, altersdurchmischten Gruppen statt. So soll erstes schulisches Lernen je nach Entwicklungsstand auch schon im Kindergarten-Alter ermöglicht werden, und der generelle Übergang vom spielerischen zum systematischen Lernen erfolgt fliessend. Mehrere Deutschschweizer Kantone proben derzeit dieses Projekt zur Neugestaltung der Schuleingangsstufe. Im Kanton Luzern erfolgt dies in verschiedenen Gemeinden, aber immer nur in einzelnen Schulhäusern. In der Stadt Luzern gibt es dieses Modell derzeit in den Schulhäusern Büttenen, Steinhof und Unterlöchli/Utenberg.

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