Geschwisterliebe – eine Woche im Schnelldurchlauf
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Geschwister, die händchenhaltend durch die Gegend laufen? Reine Utopie – oder? (Bild: pexels)

Wenn meine Kinder sich ständig streiten Geschwisterliebe – eine Woche im Schnelldurchlauf

5 min Lesezeit 11.07.2021, 11:01 Uhr

«Kind, zwei Jahre alt, süss und immer lieb zu allen anderen, gratis abzugeben. Grund: Fehlende Nerven …». Diesen Satz konnte man kürzlich in einer Mami-Onlinegruppe lesen und ich musste mir mit einem Schmunzeln eingestehen: Ich verstehe dieses Mami wirklich bestens. Manchmal rauben einem die Kleinen alle Energie. Vor allem, wenn man Kinder hat, die dauernd miteinander streiten!

Zwei Kinder laufen Hand in Hand die Strasse entlang. Sie plaudern und verstehen sich super, lachen und sind einfach glücklich. Kurze Zeit später spielen die gleichen Kinder zusammen im Kinderzimmer und alles scheint so richtig harmonisch. «Mami, sind das Geschwister, die da im Film miteinander spielen?», fragt mich der Kleine und deutet auf die beiden Kinder im Fernsehen. «Ja genau, das sind Geschwister, toll, wie lieb die miteinander sind, findest du nicht auch?», frage ich zurück.

Der Kleine schaut mich vielsagend an und schüttelt verschmitzt den Kopf. Ja, miteinander spielen und es gut zusammen haben, das ist für meine Kinder ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Woche in unserer Familie sieht in etwa so aus:

Montag: Die Kinder sind müde vom Wochenende

Natürlich leidet der Kleine nach dem längeren Wachbleiben am Samstag nun am Montagmorgen. Er kommt nicht aus den Federn und blickt mich schon beim Wecken grimmig an. Ich versuche ihn so lieb wie möglich zu wecken. Aber es hilft nicht. Weil er müde ist, kommt er nicht in die Gänge und sitzt dann erst nach langen Minuten am Tisch. Dort spielt er mit dem Löffel schlaftrunken mit der Milch. Plötzlich gibt es einen kleinen, dumpfen Knall und der Kleine schreit laut umher. «Hör auf, lass mich in Ruhe! Mami, mein Bruder nervt mich wieder.» Von da an geht es los, der Kleine schreit und der Grosse haut und ich merke, wie auch ich immer genervter werde.

Nach einem kurzen, aber intensiven Gezanke der beiden greife ich mit Worten ein, versuche die beiden zu beruhigen, abzulenken und zu trennen, helfen will es aber nicht. Dann braucht es eben ein Machtwort. Ich schaue den Grossen wutentbrannt an, hebe den Zeigefinger und sage nur noch: «Jetzt, dein Frühstück abräumen, Zähneputzen und dann in dein Zimmer!» Er weiss bestens, was sonst kommt, schon am Montagmorgen könnte die kostbare Wochen-Game-Zeit plötzlich weniger werden. Von da an ist dann Ruhe. Ich bleibe aber noch bis am Mittag genervt, was für ein Wochenbeginn!

Dienstag: «Er gibt mir meinen Stift nicht zurück»

Der heutige Tag ist überraschenderweise gut gestartet. Kein Streit beim Frühstück, ich bin gut gelaunt, alles scheint super. Bis ich höre, wie die Kinder von der Schule nach Hause laufen. Jawoll, ich höre sie schon von Weitem. Der Grosse kichert zusammen mit seinem Freund und der Kleine schreit sich seine Seele aus dem Hals. Was wohl jetzt wieder passiert ist, frage ich mich.

Kaum gedacht, steht der Kleine schon schreiend vor mir. «Ich habe ihm meinen neuen Stift gezeigt, den ich bei der letzten Geburtstagsparty bekommen habe und nun gibt er ihn mir nicht zurück, Mami!» Ich schaue den Grossen vorwurfsvoll an. «Was, er hat mir vorher die Zunge rausgestreckt und Schimpfwörter gesagt, da sagst du wieder nichts, Mami!» Ich komme gar nicht dazu, etwas zu sagen, schon raufen sich die beiden. Ich versuche sie zu trennen, aber danach stampfen beide wütend in ihre Zimmer. Toll, wieder ein fantastischer Tag.

Mittwoch: «Fussballspielen mit dem Bruder ist sooo blöd»

Heute schaffen wir es mit Ausnahmen von ein paar kleinen Reibereien bis zum Nachmittag fast ohne Streit. Dann aber kommt eine geballte Ladung auf mich zu: Die beiden versuchen es wieder einmal mit Fussball spielen. Spätestens als der Kleine aber zum wiederholten mal ins Tor stehen muss und der Grosse wirklich scharfe Bälle auf ihn schiesst, will er nicht mehr mitmachen. Der Grosse versucht die Situation zu retten, der Kleine hat aber genug und stampft davon. Der Grosse springt hinterher und schon wieder endet es in einer kleinen Schlägerei. Natürlich erfahre ich davon nur vom Hörensagen, als beide schreiend in der Wohnung stehen. Wunderbar, wirklich.

Donnerstag: «Ich bin zuerst beim Auto»

Heute ist Fussballtraining angesagt. An diesem Tag sind die Jungs entsprechend versöhnlich unterwegs. Beide freuen sich auf das Training und auf die Fussballfreunde. Alles bestens, könnte man meinen. Bis die beiden mich nach dem Eingang beim Auto entdecken. Jeder will als Erster bei mir sein.

Sie ziehen und stossen einander und auch dieses Wettrennen artet schliesslich in einen handfesten Streit aus. Wie immer versuche ich zu schlichten und ende auch dieses Mal mit deutlichen Worten in beide Richtungen. Genervt fahren wir nach Hause

Freitag: «Heute dürfen wir endlich wieder gamen»

Die Kinder haben noch restliche Gamezeit. Daher dürfen sie noch vor dem Abendessen kurz ein wenig gamen. Aber weil der Kleine sein Aufladekabel sucht und daher ein paar Minuten später sein Gerät einschaltet, fühlt er sich benachteiligt. «Er darf immer länger gamen, Mami, das ist unfair!» – «Du hättest dein Gerät halt aufladen sollen», antwortet ihm der Grosse. Und schon beginnt der Streit wieder von vorne. Dieses Mal kann ich diesen aber schnell schlichten, schliesslich geht ja sonst die so wichtige Gamzeit einfach vorbei.

Samstag und Sonntag: «Wir spielen, bis es kracht»

Am Wochenende spielen die Kinder am Morgen in ihren Zimmern. Herrlich, denke ich mir und will mich nochmals umdrehen. Dann höre ich, wie der Grosse aus seinem Zimmer raus und ins Zimmer des Kleinen hineingeht. Wunderbar, das geht sicher nicht lange gut. Ich versuche dennoch nochmals zu dösen. Nach ein paar Minuten wird es laut und es knallt immer wieder. Ach nein, jetzt spielen sie wieder ihr Lieblingsspiel, und das am Wochenende. Die Nachbarn werden sich freuen …

Ich öffne die Türe und erblicke zwei rangelnde Kinder. Als sie mich entdecken, schauen sie mich verschwitzt und mit einem breiten Grinsen an. «Was ist?», fragen sie fast gleichzeitig und ohne meine Antwort abzuwarten, reden sie gleich weiter. «Du willst ja immer, dass wir miteinander spielen. Jetzt machen wir das, so wie andere Geschwister und es macht so richtig Spass», sagt der Grosse und nimmt den Kleinen in den Arm. Dieser erwidert die Geste und beide fallen lachend zu Boden …

Was will man da noch sagen? Geschwisterliebe, die gibt es wirklich, auch bei meinen beiden, einfach anders …

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