Zeit zu zweit
Entschleunigung auf Anordnung des kleinen Emil

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Der erste «Papitag» mit Sohn Emil läuft nicht gerade nach Plan. (Bild: pli)

Anziehen, Schoppen geben, einkaufen: Der erste «Papitag» war für unseren Elternblogger Peter Limacher anstrengend. Aber auch das «Nichtstun» hatte für den durchgeplanten Vater seine Tücken.

Dass es anders sein würde, davon ging ich aus. Die Art der Herausforderung war mir aber dann doch ziemlich fremd. Warum? Vielleicht muss ich damit anfangen, wie mein Leben oder zumindest mein Alltag bisher ausgesehen hat: Ich arbeite seit Längerem zwischen 60 und 80 Prozent und gehe nebenbei kleineren Projekten nach. Ich unterrichte ab und an, besuche Weiterbildungen und mache kleinere Beratungen und Coachings.

Normale Tage bis anhin

Ein typischer Tag ist voll mit Terminen und Aufgaben, die nach Priorität und auch mal nach Lust und Laune abgearbeitet werden. Langeweile oder nichts zu tun? Das kenne ich nicht. Und habe ich zwischendrin Bewegungsdrang, geh ich kurz Joggen, Bouldern, Einkaufen oder hol mir sonst irgendwie die Bewegung, die ich brauche.

Als frischgebackener Vater und Ehemann ist es mir aber wichtig, dass ich auch während der Woche Zeit mit meinem Sohn verbringen kann und meine Frau zugleich nach dem Mutterschaftsurlaub ihrem Job weiter nachgehen kann. So kam es zu meinem ersten Papitag, der meinen gewohnten Tagesablauf wirklich auf den Kopf stellte.

Emils Unplanbarkeit fängt am Morgen an

Alles stand bereit und wir haben nichts dem Zufall überlassen. Dinkel- und Pastinakenbrei, Schoppen und dazu ungefähre Zeitangaben. Zudem sollte eingekauft werden – Einkaufsliste ebenfalls vorhanden. Und wenn ich dazu kommen würde, könnte ich ja noch kurz in den Comicladen oder neue Joggingsocken kaufen. So ungefähr war es geplant.

Aber bereits das Aufstehen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Kurz nach sieben – Emils Augen waren zu – stand ich auf, suchte meine Klamotten zusammen, schlich ins Bad, setzte den ersten Fuss unter die Dusche und hörte ein leises Wimmern. Okay: Boxershorts wieder angezogen und aufs Bett. Wortlos und trotzdem deutlich machte mein Junge mir klar, dass er spielen will, und zwar das preisgekrönte Spiel «Nuschi über den Kopf und dann runterziehen».

Lachen und die Zeit vergessen

Lustig war das allemal und wir lachten, änderten unseren Plan und machten dann Emils Morgentoilette. Dazu gehörte auch «am Boden rumrollen» und «die komischen Menschen im grossen Spiegel anlachen». Die Zeit hatte ich längst vergessen, also höchste Eisenbahn fürs Frühstück. Ganze zwei Löffel und Monsieur schlief.

Also ging es nochmal ins Bett. Weil sich Emils Augen immer öffneten, sobald ich wegging, war ich irgendwie gezwungen, danebenzusitzen und? Ja, was nun? Eigentlich hätte Emil im Wagen schlafen und ich mit ihm im Bruchquartier am Posten sein sollen. So schaute ich meinem Kind einfach nur beim Schlafen zu, was sich irgendwie unproduktiv, komisch, aber auch gut anfühlte.

Aufbruch braucht Zeit

Kaum aufgewacht, machte Emil mir unmissverständlich klar, dass die zwei Löffel Brei vor dem kleinen Schläfchen noch nicht das ganze Frühstück waren. Ein weiterer Happen musste her und landete nicht nur im Magen, sondern auch auf dem Boden, dem Tisch, dem Body und den Hosen aller Beteiligten. Direkt nach dem Essen aufbrechen, bedeutet mit Baby – so musste ich lernen – nochmals umziehen, alles herrichten, dann nochmals Windeln wechseln, um dann über eine Stunde nach der Mahlzeit so langsam aufbrechen zu können.

Einkaufen klappte dann erstaunlich schlecht, da Emil im Laden doch lieber schrie als schlief. Draussen hingegen funktionierte das mit dem Schlafen besser und so liefen wir danach geschlagene zwei Stunden in der kalten Stadt herum. Erledigt haben wir dabei nichts, aber Zeit zum Denken hatte ich mehr, als ich es mir gewohnt war.

Erkenntnis im Bad

Der Mittagsbrei um drei Uhr motivierte uns dann, die restliche Zeit zu zweit in der Badewanne zu verbringen. Perfekt – denn die Absenz meiner morgendlichen Dusche hatte ich schon ganz vergessen. Beim Plantschen im Wasser legte ich dann die restlichen Pläne definitiv zur Seite, fürs Abendessen kann man ja auch Pizza bestellen.

Inzwischen verbringe ich jede Woche einen Tag allein mit Emil. Das geht gut und macht uns beiden richtig Spass – auch wenn es immer brutal anstrengend ist. Manchmal sind wir auch etwas produktiver als am ersten Tag. Trotzdem gibt es viel Zeit, die sich manchmal noch wie Leerlauf anfühlt, aber immer mehr zur Qualitätszeit wird. Eine Art der Qualität, die ich bisher nicht kannte: Ohne Worte und einfach so, «nur» zusammen da zu sein.

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