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Abenteuer Supermarkt

Eine Einkaufstour durch die Augen eines Kleinkindes

Einkaufen mit einem Kleinkind eröffnet neue Perspektiven. PS: Das auf dem Bild ist nicht Tenno. (Bild: Adobe Stock)

Samstag ist Wocheneinkaufstag. Was für manche Leute Routine ist, verwandelt sich für Familien in ein generationenübergreifendes Erlebnis. Vor allem aber für unseren Sohn Tenno, der die Einkaufswelt mit seiner Neugierde erkundet, ist dies jedes Mal ein grosses Abenteuer.

Es ist früh am Morgen. Wir machen uns noch lange nicht auf den Weg zum orangen Riesen. Die Luft ist frisch, und die Strassen sind ruhig, denn viele schlafen noch. Doch etliche Familien mit kleinen Kindern sind jetzt wach. Hellwach. So auch wir.

Stunden später, um 8.30 Uhr, werden wir abgeholt, denn wir haben selbst kein Auto. Im Laden angekommen, gehen ich und Tenno hoch in den zweiten Stock, wo man die Plastiksammelsäcke entsorgen kann. Toll, wie der in den grossen Container fliegt, wenn man Tennos Reaktion Glauben schenkt.

Faszination Rollband

Das Rollband der Rolltreppe ist seine zweite Attraktion. Eine wahrhaftige Herausforderung ist das Betreten des immerwährend fahrenden Metallbandes. Irritierend sind die im Halbsekundentakt erscheinenden waagrechten Unterteilungen, denn an ihnen kann man sich kaum visuell festhalten. Das schwarze Band ist auch kein Freund, denn dieses läuft im selben Tempo mit. Das Glas, das die Seitenwand bildet, ist glatt und kühl. Hier handelt es sich eindeutig nicht um ein Kinderspielzeug.

Das ist Tenno egal, denn auf dieses Band will er treten, auch wenn alles dafür spricht, dass es sich nicht um eine kinderfreundliche Attraktion handelt. Da steht er also, knapp vor dem Kamm, der den sanften Übergang von festem Kachelboden zum fahrenden Metall sicherstellt, und schaut konzentriert nach unten.

Alle andern können es, ich also auch

An ihm gehen Leute vorbei, die nach unten wollen. Bald schaut er ihnen zu, wie sie es vom Kachelboden auf die gerillte Oberfläche schaffen, schliesslich schaut er ihnen nach, wie sie auf dem Weg nach unten langsam kleiner werden. Jetzt ist er bereit, er streckt die Hand nach mir aus, um einen festen Anker an seiner Seite zu haben. Ich gebe sie ihm. Dann macht er mit dem rechten Bein einen entschiedenen Schritt nach vorn.

Das linke Bein wird ungelenk hinterhergezogen, er macht fast einen Spagat und fällt nur deshalb nicht hin, weil ich ihn an der einen Hand festhalte. Scheitern, hinstehen, sich fassen. Wir fahren ruhig nach unten und haben Zeit für eine Verschnaufpause. Kurz vor dem Verlassen des Rollbandes nehme ich Tenno an die Hand, und wir gehen ereignislos vom Band. Das ist einiges einfacher.

Entdeckungstour durch die Obst- und Gemüseabteilung

Unser nächster Stopp ist die Obst- und Gemüseabteilung. So viele Bananen gibt es hier, das ist ja das reinste Schlaraffenland, denke ich mir für ihn, aber die vielen Bananen interessieren ihn genauso wenig wie einen feuchten Novembertag. Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr ihn die Vielfalt der Früchte und Gemüsesorten ganz und gar nicht begeistert, nachdem er zu Hause so gut isst. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Reizüberflutung. Na gut, oft greift er vom Wagen aus zu den Peperoni oder zu den Rüebli, aber heute nicht.

Nächste Station: die Bäckerei

Weiter geht es denn in die Brotabteilung. Die Schaubäckerei ist eine andere Angelegenheit. Hinter der Glastheke mit den frischen Broten beobachten wir die Bäcker bei ihrer Arbeit. Tenno ist gebannt. Er sieht zu, wie Teig geknetet und Brotlaibe geformt werden. Geschwind wuseln sie umher, um weiteren Teig zu holen, um ihn dann geschickt durch die Luft zu werfen und auf die grosse Metallplatte zu klatschen.

Die Bäcker lächeln ihm zu und einer von ihnen holt ein Körbchen mit Brötchen hervor. Mit grossen Augen nimmt Tenno das Brotmäuschen entgegen, das ihm geschenkt wird. Merci? Danke? Fehlanzeige. Ein schüchternes Lächeln, begleitet von einem gebannten Blick, lässt sich ihm entlocken.

Dieser Steg muss begangen werden

Nach der Brotabteilung bewegen wir uns weiter in Richtung Käse und Fleischwaren. Das Highlight in dieser Abteilung ist der Metallsteg, der entlang des Wandkühlschranks führt. Inzwischen ist er ein festes Element des von der Verkaufsindustrie sogenannten Einkaufserlebnisses. Anfangs war es noch schwer, das Gleichgewicht darauf zu halten, aber mittlerweile geht es flott, und da kann man auch mal spielerisch einen Doppelpack Cervelat zum Hackfleisch tragen. Papa kümmert sich dann um die geordnete Rückführung.

Zum Ritual am Eingang der Käseabteilung gehört auch die Glocke mit den Käsewürfeln. Heute wird der Holzmichlkäse dargeboten. Eine feine Sache, aber nicht überzeugend genug, um ein Stück davon zu kaufen.

Die Magie der einfachen Dinge

Es ist eindrucksvoll zu beobachten, wie Tenno die Welt sieht. Für ihn ist alles neu und spannend. Ein einfacher Gang durch den Supermarkt wird zum Abenteuer. Während wir uns oft in den alltäglichen Aufgaben verlieren, zeigt er uns, wie man die kleinen Dinge im Leben schätzt. Durch seine Augen sehen wir die Welt in einem neuen Licht.

Jede Generation, auch die jüngste, bringt ihre eigene Perspektive und Erfahrung ein. Der Wocheneinkauf mag wie eine gewöhnliche Aufgabe erscheinen, doch in Wirklichkeit bietet er uns die Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen, zu lernen, zu lachen und neue Erinnerungen zu schaffen. Es sind diese einfachen, alltäglichen Erlebnisse, die unser Leben bereichern und uns ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit geben.

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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