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«Ein paar Bagger und Mama ist vergessen»
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Nun passen andere auf das eigene Kind auf.  

Der erste Tag in der Kita «Ein paar Bagger und Mama ist vergessen»

3 min Lesezeit 02.06.2019, 10:59 Uhr

Ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit für die Kinder bedeutet der Eintritt in eine Kita. Mit welchen Stolpersteinen dies verbunden ist, kann unsere Bloggerin Nadin Ragusa aus eigener Erfahrung berichten. Das Thema war für sie besonders emotional, da der erste Versuch gescheitert war.

Es ist so weit, unser Jüngster ist ein Jahr alt geworden und mein verlängerter Mutterschaftsurlaub läuft langsam ab. Auch weiss ich, dass es mir guttun wird, mich mal wieder mit anderen Dingen zu beschäftigen als den Kindern, da ich selbst bei mir klare Tendenzen zur Klammermama sehe. Die Kita ist ausgesucht und könnte perfekter nicht sein. Die Räumlichkeiten, der Umgangston mit den Kindern, das Team, alles passt. Sogar für die Eingewöhnung haben wir extra Zeit eingeplant, für die Kinder und – naja – auch Mama. Denn eine ganze liebe Tagesmama hat mich bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Mütter meist bei der Eingewöhnung vergessen werden. Dabei ist es ja auch für uns eine grosse Umstellung.

Als ich die Kita verliess, fühlte ich mich nackt

So wie wenn man das Gefühl hat, irgendwas vergessen zu haben, die Schlüssel, das Handy, das Portemonnaie? Irgendetwas fehlt. Nach ein paar Spielstunden in Begleitung fing der Kleine an, sich frei von uns im Raum zu bewegen und aktiv auf die Betreuerinnen zu zugehen, ich wusste der Moment war gekommen. Ich verabschiedete mich, lief die Treppe runter, blickte zurück zum Fenster, winkte, sah meine Grosse freudestrahlend winken und den kleinen sein Gesicht verziehen.

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Nur nicht zu lange stehenbleiben, dachte ich mir. Ich riss mich mit aller Selbstbeherrschung los und lief aus ihrem Blickfeld um die Ecke. Ich schaltete mein Handy auf laut und wartete. Starrte gebannt auf das Display. Die Abmachung ist, dass falls der kleine länger als 10 Minuten richtig fest schreit und sich nicht beruhigen lässt, sie mich anrufen, weil dann die Chance schwindend klein ist, dass er sich überhaupt noch beruhigen lässt von ihnen. Die Minuten verstrichen langsam und zäh wie Kaugummi. Nach 10, vielleicht 15 Minuten rief ich etwas beschämt auf das Kita-Telefon an.

Das grosse Loslassen

Ich hörte kein Babyschreien im Hintergrund und seine Bezugsperson selbst nahm ab. Alles gut. Kinder spielen fröhlich. Der Abschied war vergessen bei dem Blick aus dem Fenster auf die gegenüberliegende Baustelle. Ein paar Bagger und Mama ist vergessen. Ich verabschiede mich erleichtert und mache mich auf den Weg zum Einkaufen. Aber ist Erleichterung wirklich alles, was ich verspüre? Nein, es ist mir auch etwas mulmig zumute. Mulmig, weil jemand anderes auf mein Kind aufpasst als ich. Mulmig, weil mein Kind mich nicht mehr so sehr braucht wie noch vor einem Jahr. Mulmig, weil ich plötzlich eine neue Freiheit verspüre, die mir im letzten Jahr fremd war.

Ein Mittagessen ohne Unterbrechung, plötzlich möglich! Ich versuche alle meine Gefühle zu akzeptieren und gönne mir ein Erdbeertörtchen. Veränderungen sind anstrengend, aber gehören zum Leben. Ich freue mich für mich und meine neue Freiheit, für meine Tochter und ihre neuen Spielkameraden und für meinen Sohn, für seinen Ausblick auf die Bagger und natürlich darauf, dass meine Kinder von nun an eine ausgeglichenere Mutter haben, die ab und zu eine Mahlzeit ohne Unterbrechung zu sich nehmen kann.

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