Warum streiten sich unsere Kinder immer?
Die schwierigsten Momente unserer Familienferien

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Selbst beim Baden im Meer können sich die Brüder nicht vertragen. (Bild: Symbolbild: pexels)

Kennst du diese perfekte , bei der alles immer harmonisch verläuft? Deren anständig, gesittet und lieb miteinander umgehen? Auch wenn wir uns immer wieder darum bemühen: Diesem Bild werden wir wohl nie genügen können. Doch warum eigentlich? Eine Analyse eines typischen Ferientags in Italien.

Blenden wir zurück zum Start unserer Sommerferien. Die ganze freut sich auf ein paar Tage im schönen Italien. Die Wunschvorstellung von uns Eltern: Zuerst erkunden wir das Meer, baden im Salzwasser, bauen danach Sandburgen und essen zum Abschluss am Strand feine Gelati. Danach verschieben wir uns an den Hotelpool und lassen dort noch die letzte Energie bis am Abend raus.

Während die anderen Hotelgäste dann schon zum Abendessen aufbrechen, ziehen wir uns erst einmal in unser Zimmer zurück, duschen und machen uns für das Essen im Dorfzentrum chic. In einem Restaurant unserer Wahl geniessen wir dann ein typisch italienisches Essen. So der Plan – sofern die Kids natürlich auch mitmachen.

Die erste Geduldsprobe: das Frühstück

Unsere Wunschvorstellung wird jedoch schon morgens begraben. Geht es nämlich um das Aufstehen, dann haben wir zwei grundverschiedene . Während der Grosse schon frühmorgens topfit ist, könnte der Kleine noch lange schlafen. Sind mal beide geweckt, dauert es gefühlt eine Stunde, bis der Kleine angezogen ist respektive überhaupt aus seinen Augen sieht. Der Grosse wird dann schon das erste Mal nervös, weil der Hunger ruft.

Was passiert? Klar, der Grosse nervt den Kleinen, dieser macht nicht vorwärts und die Situation artet aus, sodass am Schluss vier genervte Gesichter am Frühstückstisch sitzen. Super, denke ich mir. Wieder einmal ein Start nach Mass. Zum Glück essen beide einigermassen anständig ihr Brot und lassen das Frühstücksgezanke für einmal sein. Den «Wer ist schneller beim Saftholenwettbewerb» können sie sich dann doch nicht verkneifen. Toll, schon am ersten Tag fallen wir mit unseren Jungs auf.

Die zweite Challenge: die Vorbereitung

Nach einem verhältnismässig kurzen Intermezzo beim Eincremen im Zimmer und beim Einpacken der Badeutensilien haben wir es dann doch noch zeitnah an den Strand geschafft. Wer jetzt meint, unsere Kids freuen sich auf das Planschen im Meer, der liegt falsch.

Zuerst streiten sich die beiden um die bessere Strandliege. Danach bewerfen sie sich mit Sand, mit dem Ergebnis, dass beide mit tränenden Augen vor uns stehen. Zum Schluss prügeln sie sich noch darum, wer zuerst mit der Luftmatratze in die Wellen reiten darf. Wir Eltern sehen uns ratlos an – was soll man da noch sagen?

Die dritte Herausforderung: das Meer

Dann endlich schwimmen und planschen wir im Meer. Die Stimmung ist aufgeheitert, ich glaube schon fast daran, dass wir es nun geschafft haben, ein paar Minuten ohne Gezanke zu verweilen. Aber weit gefehlt. Kaum springen wir über die Wellen, spritzt der Kleine aus Versehen dem Grossen Wasser ins Gesicht. Natürlich spritzt dieser zurück und es endet in einer riesigen Wasserschlacht mit Fäusten und Krallen und zwei genervten Eltern, welche die beiden Streithähne zu trennen versuchen.

In einem Comic würde es über unseren Köpfen rauchen und es würden Dutzende Schimpfwörter aufleuchten. Wir versuchen zu schlichten und entfernen uns je mit einem Kind beladen in eine sichere Distanz. Ein kurzes Durchatmen. Während wir innerlich noch immer kochen, haben die beiden ihren Streit bereits wieder vergessen und steuern mit lautem Lachen aufeinander zu. Wie schaffen die das bloss immer wieder? Kurz explodieren, um danach wieder «als wäre nichts gewesen», zusammen zu spielen …

Die vierte Sache: Mir ist langweilig!

Irgendwann klappt es dann doch, die Kids amüsieren sich im Meer und können für einmal kurz miteinander spielen ohne dass die Fetzen fliegen. Irgendwann ist aber auch da die Luft draussen. «Mami, mir ist langweilig», schreit der Kleine und auch der Grosse hat keine Lust mehr zum Wellenreiten. Auch Sandburgen bauen finden sie im Moment doof. Und auch der Vorschlag, zum Pool zu wechseln, hebt die Stimmung nicht wirklich.

«Können wir gamen?», fragt mich der Grosse mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er immer am Strand auf dem Liegestuhl stundenlang in einen kleinen Bildschirm starren. Ich brauche ihm aber keine Antwort zu geben, mein Blick spricht offenbar Bände. Zurück am Strandplatz, strecke ich ihm ein Buch entgegen und er blättert gelangweilt hin und her, um das Buch schon nach ein paar Sekunden auf die Seite zu legen. «Mir ist immer noch langweilig.» Eine Aussage, die er noch ein paar Mal wiederholt.

Währenddessen vertieft sich der Kleine in seinen Comic und kriegt nichts mehr von der Aussenwelt mit. Dies natürlich nur so lange, bis der Grosse den Kleinen mit Sand aus seiner Welt reisst. «Hör auf, lass mich in Ruhe!», kreischt der Kleine und schnell fliegen wieder die Fetzen. Mit dem Gang zur Gelateria wird die Situation wieder beruhigt. Obwohl eine Belohnung eigentlich das falsche Signal ist. Egal, Hauptsache, es kehrt wieder Ruhe in den ein.

Das grosse Finale: Die Suche nach dem richtigen Restaurant

Später am Abend, wir haben uns mittlerweile frisch gemacht, folgt der nervenaufreibendste Teil des Tages. Die Frage, wo wir essen und was wir essen. Man muss wissen, die Kindermägen knurren laut und das bedeutet, dass ihre Nerven schon zu Beginn blank liegen. Die Kids möchten am liebsten in das erstbeste Lokal, wir Eltern rümpfen über ihre Wahl aber die Nasen. Sobald wir ein schönes Lokal gefunden haben, müssen wir uns wegen des Ansturms noch kurz gedulden, der Tisch muss noch schnell geputzt werden.

Die Kinder halten es kaum aus, zupfen an meinem Rockzipfel und necken sich gegenseitig. Kaum am Tisch, beginnt das Hin und Her, wer was will oder eben nicht und was jetzt gut ist oder eben auch nicht. Die Diskussion endet damit, dass der Kleine wild herum gestikuliert und dabei das Besteck auf den Boden fällt. Unseren Blicken folgend verstummen die beiden Jungs und dies bleibt auch ein paar Minuten lang so. Bis der Kellner die Bestellung aufnimmt. Kaum bestellt, will der Kleine wissen, wie lange es nun dauert, bis er essen kann. «Es dauert sicher nicht mehr lange», antworte ich ihm und strecke ihm ein Grissino entgegen. Zufrieden schlingt er diesen runter.

Fazit: Alles halb so wild

Wie erhofft, wird das Essen schnell serviert und die Kids sind für ein paar Minuten glücklich. Zeit also für ein kurzes Resümee, denke ich mir und blicke in das volle Restaurant. Am Nebentisch sticht das eine Kind das andere mit der Gabel in den Arm, woraufhin dieses aufschreit. Weiter hinten streiten drei Kinder wegen eines letzten Pizzastücks und draussen höre ich, wie Eltern gerade mit einem Kind schimpfen, welches seine dreckigen Hände an den Kleidern abwischt.

Ohne zu einem wirklichen Resümee zu kommen, sagt der Kleine mit vollem Mund: «Mami und Papi, das war ein toller Tag. Er hat so Spass gemacht, machen wir morgen wieder das Gleiche?» – «Ja, aber bitte ohne Streitereien», antworte ich. Da blicken mich beide mit grossen Augen an und antworten beinahe gleichzeitig: «Wir haben doch gar nicht gestritten!» Na, was soll man dazu noch sagen …?

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