Die Geburt
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Eine Hypnobirthing-Therapeutin verhalf zur Tiefenentspannung (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Hypnobirthing gegen Geburtsangst Die Geburt

5 min Lesezeit 3 Kommentare 12.07.2016, 07:59 Uhr

Unsere Mama-Bloggerin erzählt, wie sie es dank Hypnobirthing schaffte, sich von ihrer Geburtsangst zu lösen. Und wie dann doch alles ganz anders als geplant kam.

Unser Sohn kam am 17. März zur Welt. Einen Tag vor dem berechneten Geburtstermin. Zuvor genoss ich eine beschwerdefreie, glückliche Schwangerschaft. Die Geburt konnte ich dann letztlich kaum erwarten – wollte ich ihn doch endlich in den Armen halten, den kleinen Prinzen. So voller guten Dinge sah ich der Geburt jedoch nicht immer entgegen.

Zu Beginn meiner Schwangerschaft fürchtete ich mich vor dem Tag X. So hatte ich, wie viele andere wohl, schon tausend unschöne Geschichten über Geburten gehört. Daran wollte ich nicht denken. Und erst recht nichts lesen. Also verschloss ich mich vor jeglichen Informationen. Im Laufe meines wachsenden Umfangs dann, und ich denke, daran sind die Hormone nicht ganz unschuldig, wurde mir klar, dass Ignoranz wohl nicht das beste Mittel zum Erfolg war.

Schmerzbewältigung

Im Geburtsvorbereitungskurs der Klinik St. Anna, wo ich mich entschieden hatte zu entbinden, galt mein grösstes Interesse dann auch dem Thema «Schmerzbewältigung». Das Erlernen einer garantierten Erfolgsmethode blieb zwar aus, aber darüber reden half irgendwie.

Eines Kursabends kniete sich die leitende Hebamme von ihrem Gymnastikball zu uns auf den Boden und meinte ergriffen, dass wir (Frauen) dazu gemacht seien, dies (den Schmerz) auszuhalten. An jenem Abend fand ich mich dann heulend zu Hause auf dem Sofa wieder. Da war es ihr doch explizit darum gegangen, uns die Angst zu nehmen. Wie um Herrgottsnamen wollte sie uns denn auf diese Weise die Angst nehmen?

Genauso wenig nahm sie uns die Angst, als sie an einem weiteren Kursabend einem der Papis-to-be seine Frage, wie fest es denn genau weh tue, mit «Es tut wahnsinnig weh, das kannst du dir nicht vorstellen» beantwortete. Nun ja. Vielen Dank.

«Die Methode Hypnobirthing hat geholfen mich von meiner Geburtsangst zu lösen.»

Die Kraft des Regenbogens

Mehr oder weniger durch Zufall wurde ich auf Hypnobirthing aufmerksam. Ich hatte zuvor schon davon gehört gehabt, es jedoch ohne genauere Recherche als Hypnose-Gugus abgestempelt. Der Kommentar einer Leserin auf zentralplus.ch weckte mein Interesse. Darin schwärmte sie von ihrer Flow-Geburt, Heublumensitzbädern, dem EPI-NO Delphine und nicht zuletzt von der Regenbogenentspannungsmethode. Wo man Letztere erlernen konnte, wollte ich genauer wissen.

Die Antwort fand ich in Marie F. Mongans Bestseller «Hypnobirthing – Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt». Die Methode sollte 10’000-fach bewährt sein. Unter anderem bei Celebrities wie Kate Middelton, Gisele Bündchen oder Demi Moore. Dies war jedoch nicht der entscheidende Punkt, vielmehr überzeugte mich, wie Mongan in die Geschichte zurückblickt und erklärt, welche Assoziationen seit Jahrtausenden das Bild der Geburt negativ prägten.

Negative Bilder machen Angst und Angst verunmöglicht im entscheidenden Moment die optimale Funktionsfähigkeit der Gebärmutter, weil sich Frau zu sehr verspannt. Und genau darum sei das Atmen so wichtig. Atmen erleichtert Muskelarbeit. Wie bei jeder anderen Anstrengung auch. Klang simpel und sinnvoll. Täglich soll sich die Schwangere laut der Mongan-Methode positive Affirmationen zu Gemüte führen und üben, richtig zu atmen.

Bei einer komplikationsfreien Schwangerschaft und guter Gesundheit des Kindes stünde einer natürlichen Geburt ohne Hilfs- und Schmerzmittel dann auch nichts mehr im Weg. Die Methode hat, trotz ihres Namens, nichts mit Hypnose zu tun, wie wir sie aus TV-Shows kennen, sondern vielmehr mit Tiefenentspannung. Dies war es am Ende auch, was mir verhalf, mich von meiner Geburtsangst zu lösen.

Doch ein Kaiserschnitt?

Dann, beim Untersuch in der 34. Woche, befand sich der Kleine immer noch in Steisslage. Die Ärztin meinte, dass wir beim nächsten Mal dann gleich einen Termin zum Kaiserschnitt abmachen würden, sollte er sich bis zur 37. Woche nicht gedreht haben. Am besten eine Woche vor dem berechneten Termin. Sonst gäbe es noch einen Notfall. Ich war verunsichert. Einen Kaiserschnitt wollte ich mir nicht im Entferntesten vorstellen.

Aufgewühlt ging ich nach Hause und begann nach Methoden zu recherchieren, die dem Baby helfen sollen, sich zu drehen. Nebst gut zureden und der indischen Brücke (Yoga-Übung), sollte auch hier wieder Hypnobirthing weiterhelfen können. So stiess ich auf eine Therapeutin in Kriens, die diese Methode in Geburtsvorbereitungskursen wie auch Einzelsitzungen praktizierte. Ich vereinbarte einen Termin bei Frau Regli-Freivogel.

«Die Rosa-Regenbogen-Vorstellung einer natürlichen Geburt ohne künstliche Hilfsmittel zerbrach.»

Totale Tiefenentspannung

Die Sitzung verlief wie folgt: Erst prüfte sie mein Unterbewusstsein nach versteckten Ängsten. Danach verhalf sie mir zu totaler Tiefenentspannung. An diesem Punkt wendete sie sich dann an den Kleinen und redete ihm zu, dass er sich drehen soll. Abgefahren. Tatsächlich fühlte ich in diesem Moment starke Bewegungen. Und Fakt war, dass er sich beim nächsten Untersuch in der 37. Woche tatsächlich gedreht hatte. Ob nun wegen Frau Regli oder ganz von alleine. Sei es dahingestellt. Jedenfalls sah ich meiner natürlichen Geburt nun komplett stressfrei entgegen.

Beim Untersuch am Tag vor dem berechneten Termin wurden mit dem CTG die Herztöne des Kleinen überprüft. Erst klang alles, wie es sein sollte, doch plötzlich folgte ein Aussetzer. Die Ärztin meinte, dies sei kein Grund zur Panik, doch müsse man es sehr ernst nehmen und ich solle sofort ins Spital, um die Geburt künstlich einzuleiten. Da zerbrach sie, meine Rosa-Regenbogen-Vorstellung einer natürlichen Geburt ohne künstliche Hilfsmittel. Noch war eine Spontangeburt aber nicht ausgeschlossen. Und selbstverständlich wollte ich für den Kleinen nur das Beste.

Es kommt immer anders

So war es also an der Zeit für den lang ersehnten Moment. Mein Freund eilte zu mir ins Spital. Nach der Einleitung musste ich immer wieder ans CTG zur Überprüfung der Herztöne. Ich verspürte keine einzige Wehe, da gab es plötzlich wieder einen Aussetzer. Sofort in den OPS, hiess es gleich. Selbst kurz vor diesem Moment hatte ich nicht mit einem Kaiserschnitt gerechnet gehabt. Und dann folgte er doch. Notfallmässig.

Der Schock war gross, doch die Überwältigung, den vollkommen gesunden kleinen Prinzen dann einen Moment später in den Armen zu halten, noch viel grösser. Das Wohl von Kind und Mutter ist am Ende das Hauptsächliche. Es musste wohl geschehen, was ich mir nicht hatte vorstellen wollen. Dem Kleinen ging es von Anfang an prächtig. Und ich hatte mich schnell erholt. Nun ist er bald vier Monate alt und die Geburt scheint bereits unglaublich lange zurück. Kleinere und grössere Überraschungen gehören nun zu unserem Alltag – was uns als Eltern herausfordert wie bereichert. Geniessen tue ich sie allemal in vollen Zügen, diese einzigartige Zeit.

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3 Kommentare
  1. Patric Bürge, 29.07.2016, 10:29 Uhr

    Sehr geehrte Frau Weitzel. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung zum Geburtsvorbereitungskurs in der Klinik St. Anna. Wir nehmen die Rückmeldungen unserer Anspruchsgruppen ernst und sind stets bemüht, uns zu verbessern. Die leitende Hebamme der Klinik St. Anna wird die im Artikel geäusserte Rückmeldung mit der Kursleiterin besprechen, die den Geburtsvorbereitungskurs an diesem Abend geleitet hat.
    Freundliche Grüsse, Klinik St. Anna

  2. Nicole Regli, 12.07.2016, 12:01 Uhr

    Liebe Lara, danke dir vielmals für deinen Bericht:-) und viele schöne zauberhafte Momente mit deinem Prinzen.

  3. Anita Schmid, 12.07.2016, 11:28 Uhr

    Grüezi Frau Weitzel, danke für den super Bericht und viel Glück und Geduld mit Ihrem Sohn. Hoffen wir, dass das St. Anna aus Ihrer Rückmeldung etwas lernt und dass viele Frauen Ihren Bericht lesen.

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