Erwartungen und Ansprüche an eine «gute» Mutter Die Einsamkeit einer jungen Mutter

14.11.2021, 10:57 Uhr 4 min Lesezeit
Als junge Mutter fühlt man sich manchmal ganz schön einsam.
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Als junge Mutter fühlt man sich manchmal ganz schön einsam. (Bild: Symbolbild: pexels)

Eine Freundin von mir ist diesen Sommer nach Norwegen ausgewandert. Sie erzählte mir, wie bedrückend die Einsamkeit in der Ferne sei. Wie schwer und lang ihr die Tage allein mit Kleinkind und Schwangerschaft vorkommen. Dies erinnerte mich an meine eigenen einsamsten Tage.

Als ich mit achtzehn den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, der mein ganzes Leben verändern sollte, hatte ich mir noch kaum Gedanken über das Muttersein gemacht. Das änderte sich in den darauffolgenden Monaten rasant. Plötzlich drehte sich fast alles in meinem Leben nur noch darum. Leider kannte ich keine andere Mutter, die auch nur annähernd in meinem Alter war.

Die Einzige im Freundeskreis

Ich fühlte mich sehr allein und einsam mit meinen Sorgen. Oft spazierte ich mit meiner Tochter im Tragetuch draussen umher, weil ich die Einsamkeit in der Wohnung nicht ertrug. Ich setze mich auf Parkbänke und hoffte, gesprächige Rentner zu treffen. Hauptsache, ein menschliches Wesen, das sich mit mir unterhielt. Zum Glück lernte ich mit der Zeit andere Mütter kennen und da erkannte ich, was mir so sehr gefehlt hatte.

Menschen um mich herum zu haben, die Ähnliches durchleben, sich dieselben Fragen stellten. Sich gegenseitig beistehen und Unterstützung bieten können. Welche Erleichterung zu hören, dass andere auch hin und wieder überfordert waren mit dem Babyalltag! Je mehr Zeit ich mit anderen Müttern verbrachte, desto mehr fand ich mich selbst in der Mutterrolle zurecht.

Falsche Bilder und Erwartungen

Auch wenn meine dritte Schwangerschaft physisch gesehen die anstrengendste ist, ging es mir noch nie so gut. Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass ich gewisse Dinge nicht mehr so dramatisch sehe und dass meine Ansprüche an mich als Mutter realistischer wurden. Bevor ich selbst Kinder hatte, war mein Rollenbild einer guten Mutter geprägt von Influencerinnen und Hollywoodfilmen. Auch wenn ich mir wünschte, diese oberflächlichen Dramedys und perfekten Feeds würden mich nicht beeinflussen – sie taten es eben doch.

Zu hören, dass bei anderen Mamas manchmal auch die frisch gewaschene Wäsche so lange im Waschkorb liegenbleibt, bis sie bereits wieder zur Hälfte aufgebraucht ist, war ein Segen. Aber solche Dinge erzählen dir flüchtige Bekanntschaften auf dem Spielplatz meist nicht, dafür braucht es Freundinnen. Solche, die dich einladen, auch wenn der Boden schmutzig, das Geschirr gestapelt und das Kind seit gefühlt drei Stunden am Schreien ist.

Die Weisheit alter Leute

Obwohl ich mich heute nur noch selten einsam fühle, nehme ich mir immer noch gerne Zeit für ein Gespräch mit Senioren, weil ich weiss, wie erdrückend Einsamkeit sein kann und weil ich ihr Bedürfnis nach Kontakt verstehe. Ich habe mit vielen älteren Damen über das Muttersein gesprochen und meist werden wir uns einig, dass die Erwartungen an Mütter noch nie so hoch waren wie heute. Zu jedem Thema gibt es mindestens 25 Bücher, die «eine gute Mutter» gelesen haben sollte. Zu Schwangerschaft, Geburt, Ernährung, Erziehung, Bildung und vielem mehr sollte Mama stets «up to date» sein und dabei auch noch sich und die Kids trendig, aber natürlich fair und nachhaltig kleiden.

Viele dieser älteren Damen bestätigten mir, dass das Leben früher hart, dafür aber intuitiver war. Eine Frau war geboren, um Kinder grosszuziehen, also musste sie dies nicht lernen. Im Übrigen lernte man das in Grossfamilien und Mehrgenerationenhaushalten sowieso schon im Kindesalter. Gekocht wurde, was verfügbar war und die Auswahl war nicht sonderlich gross. Ich will damit nicht sagen, dass früher alles besser war, sondern nur aufzeigen, dass die Bandbreite an Wissen und die Auswahl an Materialien auch sehr verwirrend und kräfteraubend sein kann.

Ich hoffe, dass den Müttern der Zukunft weniger erzählt wird, was sie alles machen müssen, sondern mehr zugehört wird. Und an dieser Stelle möchte ich mich bei all den wunderbaren Menschen bedanken, die mir schon zugehört haben und all den Mamas, denen ich zuhören und von ihnen lernen durfte, während sie mir ihre Sorgen anvertrauten.

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