Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
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Wie die Mutter, so der Sohn. (Bild: pexels)

Diese Worte meiner Kinder könnten von mir sein Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

4 min Lesezeit 06.06.2021, 10:10 Uhr

Woran man erkennt, dass es sich bei den lieben Kleinen wirklich um die eigenen Kinder handelt? Ganz klar am Verhalten, findet Elternbloggerin Carmen Zettel und erzählt in ihrem Blogpost, wie sie damit umgeht.

Flashback … vor über 30 Jahren in einem Luzerner Stadtteil in einer Wohnung. Es ist Mittwochabend, kurz nach 18 Uhr. Die Kinder spielen im Zimmer, die Mutter bereitet das Abendessen vor und der Vater kommt gerade von der Arbeit nach Hause. Auf den ersten Blick eine romantische Idylle. Kaum setzt der Vater seinen Fuss in die Küche, beginnt aber schon der tägliche «Wahnsinn». Aus dem Kinderzimmer klingen laute dumpfe Geräusche, welche von Minute zu Minute immer lauter werden. «Nicht schon wieder, die Kinder spielen ihr selbsterfundenes Spiel.»

Ein kleines Spiel und die ganze Familie ist genervt

Ein kleines Bällchen, zwei dicke Donald-Duck-Comicbücher und eine imaginäre Linie in der Mitte des Zimmers, schon ist das selbsterfundene Spiel im Gang. Das Mädchen und der Junge spielen ihr Lieblingsspiel und merken gar nicht, wie laut sie sind. Die Mutter kommt genervt in das Zimmer und erklärt, dass sie doch bitte aufhören sollen. Die Ermahnung wirkt, dies jedoch nur ein paar Minuten lang. Kaum ist die Mutter in der Küche, geht es mit dem Lärm wieder von vorne los.

Diese Szene wiederholt sich den ganzen Abend mehrere Male, bis es der Mutter schliesslich reicht. Sie stampft wütend in das Zimmer, reisst den beiden Kindern die Bücher aus den Händen und weist die beiden lautstark darauf hin, dass dieses Getrampel nun ein Ende hat und beide keine Gutenachtgeschichte mehr hören dürfen. Das hat gesessen: Beide Kinder weinen und sind wütend aufeinander, schimpfen und beginnen zu streiten. Auch die beiden Eltern sind nun so richtig sauer und reden den ganzen Abend fast kein Wort mehr.

Und wieder die gleiche Frage

Szenenwechsel – der Kleine ist draussen und spielt Fussball. Wie immer. Wie immer kommt er auch viel zu spät nach Hause, kann sich aber gar nicht entschuldigen, sondern fängt gleich mit einem Redeschwall an, er müsse gleich wieder gehen … Die Diskussionen beginnen. «Mami, ich muss unbedingt wieder raus, die anderen warten auf mich. Sowieso, die anderen dürfen noch viel länger bleiben, darf ich auch?» – «Nein, du bleibst hier und das war’s, ich will keine Diskussion mehr», sage ich leicht genervt. Aber der Kleine hört mir gar nicht zu. Er beginnt zu weinen und erklärt, dass ich so unfair sei und sowieso einfach gemein.

Nach über Zehn Minuten lautstarken Diskutierens reicht es mir. Ich schicke den Kleinen ins Zimmer und stampfe genervt in die Küche. Dort schnauze ich meinen Mann an und bin den ganzen Abend genervt. Warum muss er immer wieder nachfragen, warum kann er nicht einfach mal dann nach Hause kommen, wenn ich es sage und warum müssen wir immer und immer die gleichen Diskussionen führen. Hunderte Fragen schwirren mir durch den Kopf, helfen tun sie aber nicht. Denn ich weiss, es wird nicht das letzte Wort sein, dass darüber gesprochen werden wird.

Die grosse Erkenntnis

Wenige Tage später, wieder das gleiche Spiel. Der Kleine kommt wieder nicht pünktlich nach Hause. Dieses Mal ruft er von seinem Freund aus an. «Mami, ich bleibe noch ein wenig länger, ok?» Da lupft es mir den Hut: «Nein, du kommst sofort nach Hause, keine Minute später!» Dieses Mal hat die klare Ansage geholfen. Zehn Minuten später steht er vor der Eingangstür mit einem wutverzerrten Gesicht. «Mami, du bist so unfair! Weisst du, wir haben so schön gespielt. Es wäre ja nur ein wenig später gewesen. Du weisst gar nicht, wie es ist, immer so früh nach Hause kommen zu müssen.»

Wenn der wüsste: Diese Worte, sie könnten von mir sein. Diese Fragen: ja, sie kamen auch von mir und ja, auch diese Haltung, das bin oder das war ich. Auch ich war immer diejenige, die zu Hause anrief und das Mami darum bat, länger bleiben zu dürfen. Ich war diese, die immer zu spät nach Hause kam und ja, auch ich verstand es nicht, warum ich nicht länger bleiben konnte. Aber heute verstehe ich es … und wie!

Einmal lieb sein!

Aus diesem Grund war ich heute nicht verärgert, als der Kleine wieder mal eine halbe Stunde später zu Hause eintrudelte und mich mit seinen Hundeaugen anblickte. Und was meint Ihr, wie habe ich reagiert, als unsere Kinder ein neues Spiel entdeckt haben? Ihre Lieblingsbeschäftigung ist nämlich Zimmerfussball. Das besteht aus einem kleinen rundlichen Plüschtier einer imaginären Linie und vor allem aus ganz viel Lärm.

Ok, ich verstehe, dass es saumässig toll ist, dieses Spiel zu spielen, aber die Nachbarn haben sicherlich keine Freude an diesem Lärm. Darum lasse ich sie kurz ein wenig spielen, schreite dann aber immer und immer wieder ein. Bis es mir dann wirklich reicht und ich in das Zimmer stampfe, ihnen das Plüschtier wegnehme und mit dem Ausfall der Gutenachtgeschichte drohe, sollten sie noch einmal so laut sein. Jaja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

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