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Babygebärden – das Kind verstehen, bevor es sprechen kann
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Babies sprechen durch Gebärden. (Bild: Pixabay)

Was ein Kurs in der Zwergensprache brachte Babygebärden – das Kind verstehen, bevor es sprechen kann

3 min Lesezeit 1 Kommentar 04.08.2019, 11:02 Uhr

Babygebärden oder, wie die Gebärdensprache für Babys im deutschsprachigen Raum genannt wird, Zwergensprache, kommt aus den USA und verbreitet sich auch in der Schweiz. Unser Elternblogger besuchte dazu einen Workshop. An sich eine wunderbare Sache, wenn auch mit ein paar unschönen Haken, meint er.

Neulich spülte es mich in einen Workshop für Zwergensprache, basierend auf der deutschen Gebärdensprache. Ziel davon ist, eine Babyzeichensprache zu lernen, durch welche man mit dem kleinen Kind die Monate überbrückt, in welchen es noch nicht sprechen kann.

Parallel zu der verbalen Sprache verwenden Eltern die Babyzeichen, die das Baby mit der Zeit nachzuahmen und anzuwenden beginnt. Denn die Motorik der Hände ist rascher entwickelt als die Zungenmotorik. Weil das Kind so seine Bedürfnisse und Wahrnehmung präzise mitteilen kann, sollen Beiss- und Tobsuchtanfälle verhindert werden. Zudem spreche das Kind eher und auch die kognitive Entwicklung profitiere. In Schweizer Krippen hält die Babyzeichensprache vermehrt Einzug. In den USA, England und Australien ist sie sehr verbreitet.

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Kommunikation mit Kindern als Franchising-System

Die Kurse dazu werden jeweils von selbständigen Franchisenehmern geleitet, die Gründerin dieses Franchise-Systems im deutschsprachigen Raum ist Vivian König, Autorin verschiedener Bücher zu Babygebärden. Es gibt Tassen und T-Shirts mit königlichem «Zwergensprache»-Logo. Alleine diese Marken-Mentalität schreckte mich zu Beginn ab.

Der schlechte Ruf als Instrument von Eltern im Förderungswahn

Weiter schreckte mich auch der Ruf der Babygebärden als «Frühförderungsinstrument» ab. In den USA wurde dieses Bild bereits in Hollywood abgehandelt: In «Meet the Fockers» verkörpert Robert de Niro Jack, einen furchtbaren Schwiegervater mit noch furchtbareren Erziehungsansätzen. Um diese zu verbildlichen, bringt Jack dem Enkel im Säuglingsalter dozierend mit Bildkarten die Babygebärden bei.

Aber Babygebärde ist nicht Frühförderung, lernte ich im Kurs. Dass sich ein Kind sprachlich oder sonstwie besser entwickle durch die Babyzeichen, ist wissenschaftlich nicht bewiesen und vermutlich Humbug. Was aber klar ist: Wendet man Babyzeichen an, schenkt man dem Kind Aufmerksamkeit und wendet Kommunikation bewusst an. Dass diese beiden Faktoren dem Kind zugute kommen, das wiederum leuchtet mir selbstverständlich ein.

Weniger beissen dank Gebärden?

Aber warum dem Ganzen nicht eine Chance geben? Unser Erstgeborener hatte eine mühsame Phase, in der er immer mal wieder zubiss. Erst nachdem er sich sprachlich besser mitteilen und auch verbal streiten konnte, hat er das Beissen bleiben lassen. Meine Hoffnung: Kann sich die Zweitgeborene mit Gebärden mitteilen, beisst sie vielleicht weniger. Ich besuchte gespannt den Kurs.

Der Workshop schliesslich war super geführt und motivierte ungemein. Es braucht jedoch grosse Ausdauer, um die Gebärdensprache im Familienalltag zu etablieren. Aber wir bleiben dran. Denn es ist eine schöne Vorstellung, dass die Kleine sich bald selber mitteilen kann – und wir erfahren, wenn sie etwas spannendes wahrnimmt, Lust auf etwas bestimmtes hat, an eine abwesende Person denkt oder durch irgend etwas verängstigt ist. Babygebärden sind beeindruckend, wenn man kleine Kinder beobachtet, die so kommunizieren.

Das Kind hört einen Vogel im Park – neben tausend anderen Geräuschen – und kann sich mitteilen. Das Kind hat Angst vor einem Geräusch – und kann dieses benennen. Das Kind will von einem vollen Buffet ein Brombeeri – und kann seinen Wunsch äussern. Das stelle ich mir sehr erleichternd für uns Eltern vor und auch wunderschön für das Kind, es wird gehört und auch verstanden, bevor es spricht. Mal schauen, ob wir so weit kommen und wie ausdauernd wir Eltern sind. Denn momentan gilt: Vormachen, vormachen, vormachen – Input ist alles, Output noch keiner da.

Erste Erfolgserlebnisse und gelungenes Familienprojekt

Jedoch stellen sich auch bei uns erste Erfolgserlebnisse ein: Die Kleine reagiert auf «trinken», «wickeln» und «essen». Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung und stellen es uns hilfreich vor, sollte sie von sich aus die Zeichen anwenden und wir nicht raten müssen, was ihr Anliegen sein könnte.

Die zweite grosse Stärke der Babysprache ist meiner Meinung nach, dass wir als Eltern dem zweitgeborenen Kind bewusst Aufmerksamkeit schenken und auch das ältere Geschwister hat grosse Freude, die Zeichen anzuwenden oder uns Eltern an die Zeichen zu erinnern. Die Babygebärden sind bereits jetzt lustvolles Kommunizieren. Also ist die Zwergensprache, trotz dahinterliegendem fragwürdigem Franchising-System, für uns als Familie ein gelungenes Unterfangen – die Praxis überzeugt.

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1 Kommentare
  1. Rebecca, 05.08.2019, 15:06 Uhr

    Meines Erachtens kann man sein Baby auch ohne diesen „Workshop „ lesen, indem man das Kind beobachtet und sich vorallem Zeit nimmt das eigene oder zu betreuende Kind wirklich kennen zu lernen. Viel wichtiger finde ich dass man das Kind im Kinderwagen nicht von sich weg stosst und sonit auch draußen im Blickkontakt ist und reagieren kann wenn es mit Mimik und Gestik seine aktuelles Befinden zwigt