Grenzen überschreiten
Baby watching – aber bitte mit Anstand

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Ein Tuch vor dem Kinderwagen signalisiert, dass man für das Baby etwas Privatsphäre wünscht. (Bild: Myriam Tran)

Grundsätzlich erfüllt es mich als Mutter immer mit Stolz, wenn sich auch fremde Leute an meinem kleinen Sohn entzücken. Aber einfach ohne zu fragen den Kopf in den Kinderwagen strecken? Muss man sowas tolerieren?

Heute war ich wieder mal mit meinem kleinen Mann in Zug unterwegs –  Ach, wie doch die Zeit vergeht. Nun ist unser Zwerg schon zwei Monate bei uns und doch ist er noch so klein und schutzbedürftig. Deswegen hänge ich ihm jeweils ein «Noschi» an den Kinderwagen, wenn ich durch grössere Menschenmengen gehe – wie beispielsweise durch Bahnhöfe oder Shoppingcentren.  Ich bin da vielleicht etwas paranoid, aber wenn ich an die vielen Grippeviren und die hustenden Menschen in dieser Jahreszeit denke… Gut, das «Noschi» hilft hier vielleicht nicht vollumfänglich, aber immerhin gibt es ein bisschen Schutz. Und in erster Linie geht es darum, dem Kleinen etwas Privatsphäre zu gewähren – vor allem wenn er schläft.

Nach einem gemütlichen Spaziergang an der Lorze ging es nun Richtung Bahnhof. Ich habe schliesslich um 12 Uhr mit meinen Arbeitskollegen zum Essen bei meinem Lieblingsjapaner abgemacht. Dort ist es auch mit grossem Kinderwagen kein Problem einen Platz zu kriegen (jedoch mit Vorreservation, da der Laden oft sehr ausgebucht ist). Mein Kleiner schläft da jeweils tief und fest, während dem ich leckeres Sushi schlemme. Mmmh, tut das gut! Ich bin absolute Sushi-Liebhaberin und nach neun Monaten Enthaltsamkeit von rohem Fisch ist das ein wahrer Genuss! Ich also mit schlafendem Baby im Wagen unterwegs durch den Zuger Bahnhof.

Hinter mir ein stolzer Opa, der seinem Enkel wohl jeden Wunsch erfüllen möchte. Dass sein Enkel mal eben schnell Baby angucken möchte, schien kein Problem für ihn zu sein – auch wenn sich das Baby schlafend im fahrenden Wagen mit Noschi montiert befindet. Schnell hinter mir her gerannt und noch bevor ich überhaupt realisieren konnte, was genau vor sich geht, steckten schon Opas und Enkels Köpfe in meinem Kinderwagen. Das Tuch, das ich vorne montiert habe, wurde eben mal schnell zur Seite geschoben. Ich war baff! Und brachte zu meinem Entsetzen nur ein: «Er schläft eigentlich» über die Lippen.

Ist so was zu glauben? Mit dem Tuch davor wird doch ganz offensichtlich eine gewisse Privatsphäre signalisiert. Und dieses einfach wegzuschieben, finde ich alles andere als anständig. Ich dachte mir, es wird wohl eine Ausnahme gewesen sein, so was passiert bestimmt kein zweites Mal. Falsch gedacht: Eine Woche später schon wieder. Ich am Postschalter beschäftigt mit Päckli bezahlen, Kinderwagen neben mir. Und da geschah es erneut: Die ältere Dame stand eben noch in der Reihe hinter mir. Nun war sie da, schob das Tuch weg, dann ein Blick rein und ein «Jö, wie härzig, er schläft.» und dann war sie auch schon wieder weg.

Es ist mir völlig klar, diese Leute meinen es natürlich nie böse, sondern sie wollen eben mal ein herziges Baby anschauen. Und grundsätzlich erfüllt es mich als Mutter immer mit Stolz, wenn sich auch fremde Leute an meinem kleinen Sohn entzücken. Aber einfach ohne zu fragen das Tuch wegschieben und den Kopf reinstecken? Muss man so was tolerieren? Gut, ich hätte die Möglichkeit gehabt, den Leuten etwas zu sagen, jedoch fehlten mir in dem Moment echt die Worte. Ich glaube, mir werden in Zukunft wohl noch viele solche und ähnliche Abenteuer widerfahren.

Frage an andere Mütter: Kennt ihr solche Situationen auch und falls ja, wie reagiert ihr darauf?

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