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Restaurant-Test

Wildes Ausessen im «Rössli» Oberägeri

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Schweizerisch
  • Ambiente Rustikal
Das Rössli Oberägeri setzt voll und ganz auf Schweizer Zutaten und Weine. (Bild: hch)

Nach einigen Besuchen im Flachland zog es uns wieder in eine Zuger Berggemeinde. Bodenständig geht es im «Rössli» Oberägeri zu und her, wo es gerade noch zum Abschluss der Wildsaison reichte – dies dafür umso opulenter.

Das «Rössli» – oder «zum Rössli», wie es korrekt heisst – ist in Oberägeri schwer zu übersehen. Wäre da nicht die Hauptstrasse, würde es mit dem «Bären» fast schon einen Dorfplatz bilden. So aber landet unweigerlich in der «Rössli»-Fassade, wer nach der Morgartenfeier etwas zu rasant im Tal zurück sein will. Oder in der Raucher-Bar, die im Erdgeschoss untergebracht ist.

Seit über 25 Jahren wirten Barbara und Guido Schneider im denkmalgeschützten Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das spürt man beim Betreten, der Eingang führt über eine eher enge Treppe in das Obergeschoss zur Gaststube. Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie hier vor 100 Jahren glatzköpfige Männer mit Villiger Kiel und klobigen Bergschuhen dem sonntäglichen Frühschoppen frönten. Tempi passati, nun verirren sich längst nicht mehr nur Einheimische hierher, auch Expats oder Touristen locken das ganzjährig angebotene Fondue und andere Schweizer Gerichte.

Fasnächtler gegen Harmoniemusik

Die Verbundenheit mit der Geschichte passt gut zum Lokal. Schliesslich war das Gasthaus Schauplatz der Rösslischlacht im Jahr 1904, als die von Roman Ribary mitgegründete Harmoniemusik mit Fasnächtlern zusammenstiess. «Eine wilde Schlacht entbrannte, Blut floss, Rippen brachen. Der Saal wurde verwüstet», heisst es in Oberägeris Chronik zum damaligen Fasnachtsdienstag.

118 Jahre später ist davon glücklicherweise nichts mehr zu spüren. Für Roman Ribarys Sohn, Ländlerkönig und «Steiner Chilbi»-Komponist Jost, hat die Gemeinde in der Zwischenzeit unweit vom Gasthaus ein Denkmal erstellt. Und auch Blut spritzt im «Rössli» höchstens noch zur Metzgete aus den hochgelobten Blutwürsten – oder wenn in der Küche etwas gar unvorsichtig hantiert wird.

Eher für «meatlovers» als für Vegis

Während auf der anderen Platzseite noch mit Wildgerichten geworben wird, erinnert im Rössli nur noch der «Hit» an die Jagdsaison. Auf diesem Teller ist alles vertreten, was das wilde Herz höher schlagen lässt: Wildschweinsteak, Reh und Hirschfilet. Garniert mit den klassischen Beilagen und viel, sehr viel Steinpilzen. Ausessen mit Stil, denn «Wild gibt es bei uns eigentlich nur bis zur Morgartenfeier, das ist einfach noch übrig», erklärt die Chefin. Eine solche Resteküche gefällt, längst nicht nur zur Vermeidung von Food Waste.

Den Anfang macht jedoch der fleischlose Gruss aus der Küche, ein Gemüsepflanzerl an Weissweinsauce. Die Sauce bringt mit ordentlich Pfeffer etwas Pep auf den Teller. Davon abgesehen zählen Vegetarier im Rössli eher nicht zur Hauptzielgruppe, bei unserem Besuch figuriert neben den Fondues nur gerade ein Vegigericht auf der Karte.

Zürcher Geschnetzeltes wie auf der Karte

Fleisch gibt es dafür in allen Variationen, beliebt sind etwa das gerollte Cordon-bleu oder Munifilet vom heissen Stein. In der Ecke hat inzwischen ein Paar mit umgeschnallten Papierlatz Platz genommen, es lässt sich unschwer erraten, was den beiden serviert werden wird. Ein anderer Klassiker, das Zürcher Geschnetzelte, erreicht unseren Tisch genauso wie auf der Webseite gezeigt: Grosszügig mit Rahmsauce angerichtet, einigen Champignons und einer knusprigen Butterrösti. Überhaupt spart man im «Rössli» nicht, weder beim Einsatz von Butter noch bei der servierten Portion.

Das spüre ich vor allem bei meinem Wildgericht. Sehr gut gefallen dabei das Wildschwein und das butterzarte Reh. Pech habe ich beim Hirsch, der für meinen Geschmack zu säuerlich schmeckt. Laut einem befreundeten Jäger könne dies bei Wild vorkommen, wenn das Tier angeschossen worden sei. Auch die grosszügige Menge Steinpilze vermag dies nur zum Teil zu neutralisieren. Sehr gut gefallen uns die Beilagen, das Rotkraut mit einer leichten Liebstöckelnote und auch die (Butter-)Spätzli kommen wohl aus der eigenen Küche. Gleiches gilt für die beiden Birnenhälften, eine davon badete während längerer Zeit im Rotwein.

Ausschliesslich Schweizer Weine auf der Karte

Es ist davon auszugehen, dass die Frucht in Schweizer Wein eingelegt war. Die Betreiber des «Rössli» machen es sich zur Passion, ihren Gästen die einheimische Weinwelt näherzubringen und führen ausschliesslich Schweizer Weine auf der Karte. Rund 80 Flaschen von 5 Dezilitern bis zur Magnum sind im Angebot, einige im Offenausschank. Wir halten uns mit dem Terre 'Alleu an einen Biowein aus dem Genferseegebiet, einen feinen, nicht allzu leichten Roten.

Gut, habe ich auf die Chefin gehört und nicht noch eine Vorspeise bestellt. So gibt es für einmal ein schön garniertes Carmelköpfli zum Dessert.

Bewertung

Preis-Leistung
Das Lokal setzt auf einheimische Gerichte zu für Zug sehr günstigen Preisen. Alle angebotenen Fische stammen aus der Schweiz (Zucht-Egli aus Raron VS, Gotthard-Zander und Zugersee-Felchen), das Rindfleisch stammt aus dem Muotathal. Der Blattsalat kostet 7.50 Franken, das Zürcher Geschnetzelte 39 Franken und der Wildteller 44 Franken, während unser Wein für 7.50 je Deziliter angeboten wird. Fondues sind ab 23 Franken erhältlich. Mittags stehen Tagesmenüs von 20.50 bis 25.50 Franken auf der Karte. Wer bodenständige Schweizer Küche ohne viel Federlesens sucht, ist hier richtig.
****von*****

Service
Bedienung durch die Chefin, die bestens Bescheid weiss. Auf Sonderwünsche wird eingegangen. Das Lokal bei unserem Besuch nicht ausgebucht, die Gerichte kamen in angenehmer zeitlicher Abfolge ohne lange Wartezeiten. Der Gruss aus der Küche ist ein nettes und nicht erwartetes Extra.
****von*****

Ambiente
Ein historisches Bauernhaus mit tiefen Decken und Ecken und Kanten. Viel Holz und Grünpflanzen, weisse Tischtücher. Enormen Einsatz investieren die Betreiber jeweils in die saisonale Dekoration, sowohl in der Gaststube als auch an der Fassade.
***von*****

Online-Faktor
Umfassende Webseite. Zahlreiche Impressionen des Lokals, Speisekarten und Tagesmenüs sind vorhanden. Es werden ausserdem neue Weinempfehlungen aus der Schweiz vorgestellt. Events und saisonale Angebote werden auf Facebook gepostet. Reservationsanfragen sind über E-Mail möglich.
**** von *****

Verwendete Quellen

Gasthaus zum Rössli

Adresse:
Mitteldorfstrasse 1
6315 Oberägeri

Telefon:
041 750 12 36

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 08.45 bis 14 und 17.30 bis 24 Uhr
Samstag 9.30 bis 14 und 17.30 bis 24 Uhr
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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