«The Butcher» – mehr Schein als Sein
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«The Butcher» im Metalli in Zug. Verspricht gute Burger, wird das Fast-Food-Image aber nicht los. (Bild: pbu)

Restaurant-Test «The Butcher» – mehr Schein als Sein

4 min Lesezeit 06.07.2016, 11:00 Uhr

In Zug gibt es ein neues Burger-Lokal. «The Butcher» nennt sich die Restaurantkette, die Anfang Juni im Zuger Metalli den neusten Ableger eröffnete. Ein guter Zeitpunkt also, um dem Zuzüger aus Zürich einen Besuch abzustatten.

Gesund, aus regionalen Produkten, täglich frisch zubereitet. Mit diesen wohlklingenden Worten wirbt der Zürcher Gastronom Fredy Wiesner für seine Burgerkette «The Butcher – Burgers & Salads». Dort finde man kein Junk-Food, versicherte er im Interview mit zentralplus. Nun denn, wir wagen die Probe aufs Exempel und besuchen das Lokal einige Tage nach der Eröffnung an einem gewöhnlichen Donnerstagmittag.

12.15 Uhr, um genau zu sein. Da das Wetter nicht mitspielt, bleiben die Aussenplätze im Metalli-Einkaufszentrum leer. Was beim Betreten des Lokals als Erstes ins Auge sticht: Es ist rappelvoll. Ein vornehmlich junges Publikum mit einem hohen weiblichen Anteil sitzt an den Tischen und leibt sich die verschiedenen Burger-Varianten ein. Offenbar hat sich die neue Lokalität nicht nur rumgesprochen, sondern scheint auch den Geschmack der Zuger Bevölkerung zu treffen.

Das lässt natürlich Gutes verheissen. Wir setzen uns an den einzigen freien Tisch im Raum. Schon steht ein freundlicher Kellner an unserer Seite und nimmt die Bestellung auf. Die Entscheidung fällt auf das «Einsteiger-Modell», den Butcher Burger mit einer Portion Butcher Fries. Zum Trinken eine Cola.

Das Restaurant platzt aus allen Nähten. (Bild: pbu)

Das Restaurant platzt aus allen Nähten. (Bild: pbu)

Laut, hektisch, schnell

Obwohl es laut Eigenwerbung nicht so sein soll, wähnt man sich im Butcher trotzdem in einem Fast-Food-Restaurant. Es ist sehr laut und hektisch. Immer wieder rennt das Personal von Tisch zu Tisch. Eine hektische Grundstimmung erfüllt den Raum. Der Geruch von gebratenem Fleisch und frittierten Kartoffeln steigt einem in die Nase. Und es ist vergleichsweise kühl im Lokal – eine bewusste Strategie, um die wenigen Tische nicht zu lange besetzt zu halten?

Das Interior hingegen weiss zu gefallen – zumindest dem Pragmatiker. Die Holztische strahlen eine Rustikalität aus, die zum Essenskonzept passt. Hier findet sich kein unnötiger Firlefanz. Pragmatisch, praktisch, schnörkellos. Keine Einladung zum Verweilen. Alle Tische sind bereits mit Servietten, Handfeuchttüchern und Ketchup-Tuben ausgestattet. Eine klare Sprache: Wer hier isst, muss mit schmutzigen Fingern rechnen.

Die Cola (4.80 Franken) wird flugs gebracht. In der Dose. Mit Strohhalm. Nach gut 20 Minuten steht dann auch das Essen auf dem Tisch. Dieses wird auf dem «Silbertablett» serviert. Und wieder beschleicht einen das Gefühl, dass es vor allem darum geht, die Gäste möglichst schnell «abzuwickeln».

Da fehlt doch was

Jeder Burger im Butcher ist handgemacht. Damit möchte man sich von den Instant-Buletten etablierter Fast-Food-Ketten abheben. Das Resultat jedoch enttäuscht. Der Butcher Burger macht einen lieblosen Eindruck. Zwischen den Brotdeckeln finden sich ein halbes Salatblatt und zwei Scheiben Gurken. Die karamellisierten Zwiebeln sucht man vergebens. Dazu ein dünnes Stück Fleisch, dass zwar frisch zubereitet wurde, aber geschmacklich langweilig daherkommt. Es fehlt die Würze, offenbar wurde selbst auf das Salz verzichtet – Naturbelassenheit in Perfektion. Immerhin wissen die Brötchen zu überzeugen, die übrigens auch glutenfrei zu haben sind.

Der Butcher Burger und eine Portion Butcher Fries, serviert auf dem Silbertablett. (Bild: pbu)

Der Butcher Burger und eine Portion Butcher Fries, serviert auf dem Silbertablett. (Bild: pbu)

Die Butcher Fries – in bedrucktes Papier gerollt serviert – schmecken ausgezeichnet. Sowohl Konsistenz als auch Geschmack überzeugen vollends. Für 7.80 Franken hat die Portion allerdings einen stolzen Preis. Im Vergleich zum Preis-Leistungs-Verhältnis des Burgers machen die Fritten allerdings geradezu eine gute Falle: Einmal Butcher Burger, 11.80 Franken.

Alles in allem löst «The Butcher» sein Versprechen nicht ein. Das Lokal versucht, sich jenseits des schlechten Fast-Food-Images zu positionieren, ist aber letztlich einfach ein «mehr besseres» Fast-Food-Restaurant. Die Burger kommen lieblos daher und bedürfen eines würzigen Updates. Das Personal täte trotz kurz bemessener Mittagszeit gut daran, etwas Gelassenheit ins Lokal zu bringen. Fairerweise muss an dieser Stelle konstatiert werden, dass das Lokal zum Testzeitpunkt lediglich seit ein paar Tagen geöffnet hatte. Stimmt erst einmal die Koordination zwischen Küchen- und Servicepersonal, dann wird es vielleicht auch schon bald mit den Burgern klappen.

Preis und Leistung
Knapp 25 Franken für ein Mittagessen inklusive Getränk wären grundsätzlich fair. Ein etwas besserer Standard-Burger rechtfertigt den Preis allerdings nicht.
** von *****

Service
Der Service ist freundlich, aufmerksam und schnell. Rennende Kellner sind allerdings ein No-Go.
*** von *****

Ambiente
Das Interior ist pragmatisch – schlicht, rustikal, kein Firlefanz. Der Lärmpegel ist hoch und im Lokal ist es zu kühl. Lädt nicht zum Verweilen ein.
*** von *****

Online-Faktor
Eine gute, moderne Webseite. Viele Informationen und Bilder, übersichtlich gestaltet inklusive Speise- und Getränkekarten. Einziges Minus: Onlinereservationen sind nicht möglich.
**** von *****

Öffnungszeiten
Montag bis Samstag: 11 – 23 Uhr
Sonntag: 16 – 22 Uhr
(Die Küche schliesst jeweils eine Stunde vor Ladenschluss)

The Butcher – Burgers & Salads
Metalli Einkaufs-Allee
Gotthardstrasse 2
6300 Zug
E-Mail: [email protected]
Telefon: 041 555 10 00

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