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Restaurant-Test

Schützenhaus Luzern: Noch nicht in der Super League

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Schweizerisch
  • Ambiente Traditionell
Das Schützenhaus in der Allmend Luzern. (Bild: ber)

Mit der Übernahme durch den FC Luzern hat das Schützenhaus auf der Allmend nicht nur einen neuen Pächter, sondern auch ein neues Konzept: ein Lokal für Fans und Geniesser. So richtig warm wurden wir bei unserem Besuch drei Wochen nach der Eröffnung aber noch nicht – und das nicht nur wegen der eher frischen Raumtemperaturen.

Nach über einem Jahr konkursbedingter Pause nahm das «Schützenhaus» auf der Luzerner Allmend vor kurzem den Betrieb wieder auf, neu unter der Verantwortung der Stadion Luzern Gastro AG (zentralplus berichtete). Wo der FCL dahintersteht, soll natürlich auch FCL drin sein. Doch ebenso will man auch Besucher von Grossanlässen auf der Allmend ansprechen sowie Geniesser guter und traditioneller Küche. Ein breites Publikum also.

Wie sich bei unserem Testbesuch zeigte, kommen die Fussballfans tatsächlich auf ihre Kosten – sei es durch die Dekoration oder all die FCL-Funktionäre, die hier ein und aus gehen. Und auch sonst war das eher spärliche Publikum erfreulich gemischt: Von Handwerkern bis zu Geschäftsleuten war alles vertreten.

Gemüse- oder Pilzsuppe?

In der Küche gibt es drei Wochen nach der Eröffnung jedoch noch Luft nach oben. Angefangen bei der Suppe, laut Karte handelt es sich dabei um eine Gemüsecreme. Nach einigem Rätselraten einigten wir uns im Geschmackstest auf eine etwas dünn geratene Pilzsuppe. Das Prinzip, dass sie am Tisch selbst eingeschenkt wird, macht Spass und ist uns auch aus der «Felsenegg» bekannt (zentralplus berichtete).

Zusammen mit der eher lauwarmen Suppe erreichte uns eine grosszügige Schüssel Salat – klar die beste Leistung an diesem Mittag. Ein schöner Mix aus unterschiedlichen Blattsalaten, knackfrisch und mit einer genau richtigen Menge eines süsslichen Balsamicodressings angemacht.

Eine etwas bessere Note hätte sich der Service verdient, wenn er zu Suppe und Salat auch etwas Brot gereicht hätte – oder eine zweite Schale für den Salat. So landete mein Suppenrest halt wieder in der Kanne, damit das Grünzeugs überhaupt ein Essgeschirr fand.

Mittags je ein vegetarisches und ein Fleischgericht

Und der Hauptgang? Das Fleischmenu bestand aus gebratenen Spätzli mit einer Krienser Bratwurst. Eine Krienser Bratwurst kannten wir bereits aus einem Bratwurst-Test, wo die Schweinsbratwurst den sehr guten 2. Platz belegte (zentralplus berichtete). Laut Geschäftsführer Urs Berger soll es sich dabei jedoch um ein anderes Produkt handeln. Bei den etwas trockenen Spätzli und der Sauce handelte es sich wohl jeweils um Produkte für die schnelle Küche.

Meine Begleitung wählte aus den fünf Tagesangeboten den Fitnessteller. Wobei, das mit der Fitness ist so eine Sache, wenn gleich zwei Schweinsschnitzel vom Nierstück mit Kräuterbutter auf dem Teller thronen. Flankiert war das Fleisch von Gurken, Karotten, Sellerie, Randen und Blattsalat, den klassischen Salaten also. Und auch diese legten auf dem Weg vom Feld ins Restaurant wohl einen Zwischenstopp bei einem Verarbeiter ein. Doch vielleicht erwischten wir auch einfach ein Testessen mit Produkten aus dem nahen Grossverbraucher-Markt, dessen Chefs am Tisch nebenan tafelten.

Eine süsse Versöhnung erreichte uns dann in Form eines Brownies beim bestellten Kaffee. Dennoch: Für die Super League reicht es dem FCL mit dem «Schützenhaus» noch nicht.

Fazit: Küchenchef muss her

Drei Wochen nach der Eröffnung sind die Abläufe im Schützenhaus noch nicht eingespielt. In der Küche behilft man sich wohl mit Convenience-Produkten, bis der Küchenchef gefunden ist. Auch die Du-Kultur, die man im Lokal pflegen möchte, hat sich noch nicht ganz etabliert, die direkte Anrede wurde fast immer umschifft.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund von Hinweisen haben wir den Abschnitt mit der Krienser Bratwurst angepasst.

Preis/Leistung
Jeden Tag gibt es mittags ein vegetarisches Menü für 20.50 und ein Fleischgericht für 24.50 Franken. Ausserdem stehen drei Wochenmenüs zur Auswahl, alle Mittagsgerichte werden mit Suppe und Salat serviert. Bei Frischprodukten wäre dies wohl Luzerner Durchschnitt.
Am Abend werden verschiedene Tatarvarianten und Fleischklassiker sowie zwei vegetarische Gerichte angeboten. Kreativer zeigt man sich bei den Vorspeisen. Die sehr umfassende Weinkarte führt regionale und europäische Gewächse, darunter auch zahlreiche hochpreisige Vertreter.
** von *****

Service
Bestellung und Service erfolgte bei unserer Ankunft rasch, auf die Rechnung warteten wir trotz ausreichend Personal recht lange. Schon früh leere Getränkegläser wurden nicht bemerkt, Brot hat uns nie erreicht. Die Bedienung an unserem Tisch wechselte ständig, so dass wir bis zuletzt nicht wussten, wer für uns zuständig ist. Die offene Cola wurde mit mehr Eiswürfeln als Kohlensäure serviert. Positiv: Der Chef kam zu einer kurzen Begrüssung an den Mittagstisch.
** von *****

Ambiente
Im letzten Jahr hat sich wenig verändert. Holz und Keramikboden zeugen von einer praktischen Einrichtung mit langer Lebensdauer, Bierdeckel halten die Tische vom Wackeln ab. Frische Blumen und Sitzkissen auf den Bänken erzeugen bei recht kühler Raumtemperatur etwas Behaglichkeit.
** von *****

Online-Faktor
Die Tischreservation über einen eingebundenen Anbieter klappte zwei Stunden vor dem Besuch gut. Übersichtliche Website mit Impressionen und allen wichtigen Punkten wie Getränke- und Speisekarte, Lageplan.
**** von *****

Auch im Schützenhaus Luzern gilt: Die Rechnung gibt's zuletzt.
Auch im Schützenhaus Luzern gilt: Die Rechnung gibt's zuletzt.

Schützenhaus

Adresse:
Horwerstrasse 93
6005 Luzern

Telefon:
041 310 20 00

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 08:30 – 24:00 Uhr
Karte
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8 Kommentare
  • Profilfoto von Dolfino
    Dolfino, 17.05.2022, 10:17 Uhr

    Aber jetzt mal ehrlich. Die Gäste sind heute sowas von verwöhnt und haben selber keine Ahnung von kochen. Aber Hauptsache mal immer reklamieren. Zum andern haben viele Gäste keine Ahnung wie sich sich der Preis eines Menues zusammenstellt. Heisst Kalkulation und da sollten Gastronomen die heute noch ein Essen für Fr. 18.- verkaufen eine richtige Kalkulation anstellen. Dabei müssten halt alle Faktoren einbezogen werden. Anständige Löhne, Materialkosten, Strom , Miete etc. . Dann würden einige merken, dass sie bei diesem Preis eigentlich drauflegen. Aber dafür dann jammern wenn es nicht rentiert.
    Und die Gäste sollen sich mal bewusst werden, im Supermarkt da bezahlen sie ohne murren immer mehr, aber der Wirt sollte nie mehr verlangen dürfen.

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  • Profilfoto von Baumann
    Baumann, 17.05.2022, 08:12 Uhr

    Würde ich dort kochen wäre der Laden sowas von voll. Viele der heutigen Köche verstehen das Handwerk nicht, wissen nicht was eine Gutbürgerliche gepflegte Küche heisst. Schon an den Bildern kann man erkennen, dass das nicht überzeugend war.

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    • Profilfoto von Martin Gerber
      Martin Gerber, 17.05.2022, 09:14 Uhr

      Die suchen noch Chefkoch und Köche. Daher wohl auch die aktuellen Probleme. Ihre Bewerbung wird sicher gerne genommen 😉

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  • Profilfoto von Gonso W,
    Gonso W,, 17.05.2022, 06:24 Uhr

    Da ist aber die Gastro AG tief in den Keller Gerutscht, war auch bei anderen Lokalen so,

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  • Profilfoto von Thomas Aeberhart
    Thomas Aeberhart, 16.05.2022, 23:43 Uhr

    Hattet ihr nicht eben erst einen Test im Reussbad. Mittagsmenu im 15-Punkte-Restaurant ist günstiger als die Bratwurst beim FCL Sagt ja wohl alles…

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  • Profilfoto von Goeggeler
    Goeggeler, 16.05.2022, 22:27 Uhr

    Ja, die Preise im Schützenhaus haben es in sich. Bratwurst mit Spätzle mit Blattsalat und Suppe als Mittagmenü für 24.50 ist doch sehr hoch. Ebenfalls ein offenes Cola 3 dl für 4.60 oder ein Kaffee crème für 4.80. Das kostet zusammen Fr. 33.90.
    Ich esse jeden Tag in einem Restaurant, da kostet das Mittagmenü mit Fleisch mit Blattsalat und Suppe 18.00 Franken. Cola 3 dl 3.90 und ein Kaffee Crème, macht Total 26.10. Da kannst Du also einmal pro Woche gratis essen. Und es gibt erst bei jedem Gang Geschirr.
    Ja ich weiss, es gibt auch gut betuchte Fans, aber für den einfachen Fan ist das zu teuer! Schade, sehr, sehr schade…….

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  • Profilfoto von Viola
    Viola, 16.05.2022, 15:11 Uhr

    Dass der Rest aus dem Suppenteller wieder zurück in den Krug geleert wurde, zeugt nicht gerade von Anstand. Vielleicht wird diese Suppe dann wieder verwertet und daher wäre dies sehr unhygienisch. Der Gast kann doch jederzeit einen frischen Teller für den Salat oder sonstwas verlangen! Ist doch kein Problem.

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    • Profilfoto von Christian Hug
      Christian Hug, 16.05.2022, 15:29 Uhr

      Eine solche «Zweitverwendung» einer bereits servierten Suppe wäre tatsächlich ein Verstoss gegen Hygieneverordnungen. Was aber nicht zutrifft, um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen.

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