Restauranttest «Nix» Luzern: Das Erlebnis für Experimentierfreudige

02.10.2021, 10:54 Uhr 5 min Lesezeit
Klein, aber fein: Das Nix in der Laterne am Luzerner Reusssteg.
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Klein, aber fein: Das Nix in der Laterne am Luzerner Reusssteg.

Ein Lokal, das auch bei wiederholten Besuchen jedes Mal ein überraschendes Erlebnis bietet: So ergeht es uns beim «Nix in der Laterne» an der Luzerner Reuss. Auch bei unserem neulichen Testbesuch liess es die Küche nicht an Kreativität fehlen und glänzte mit saisonalen Produkten aus der Region.

Zugegeben, ich bin bekennender«Nix»-Fan. Es mag zwar ein Fehler sein, seinen Geheimtipp zu offenbaren, will man beim nächsten Besuch noch einen freien Tisch erhalten. Doch das Konzept des Lokals, von einem Tier alles zu verwerten und ganz auf saisonale Zutaten zu setzen, führt mich immer wieder in das kleine Luzerner Lokal. Etwas Experimentierfreude vorausgesetzt, findet man in den Räumen aus dem 16. Jahrhundert an der Reuss täglich andere Gerichte, die aufwendig und ohne Convenience-Produkte zubereitet werden.

Nicht jedermanns Sache: Innereien vom Lamm

Unvergessen bleibt mir etwa eine Vorspeise aus drei verschiedenen Innereien eines Entlebucher Lamms, die sich nach etwas Annäherung als ein Geschmackserlebnis erster Güte entpuppten. Wer in der Küche eines im mittleren Preissegment angesiedelten Restaurants so etwas wagt, agiert entweder völlig vermessen oder empfiehlt sich für höhere Weihen. Zweites Standbein des Lokals sind Flammkuchen, die selbst zusammengestellt werden können.

Für unseren Test wählen wir diesmal ein Mittagessen. Der sommerliche Herbsttag erlaubt es gerade noch so knapp, einen Tisch auf der Terrasse an der Reuss zu wählen; trotz Reservation haben wir freie Wahl. Auf der Schiefertafel, die für den Gast an den Tisch gerollt wird, finden sich vier Tagesmenüs sowie ein Tages-Special. Das Angebot für den Abend steht auf der Rückseite derselben Tafel. An diesem Herbsttag sind es jeweils fünf Vorspeisen und Hauptgänge.

Beeindruckend: wildes Zmittag in Variationen

Ich entscheide mich für den Wildteller: konfierte Romooser Gamsbrust und Entlebucher Hirschhacktätschli an Rotweinsauce. So viel Kreativität als Mittagsmenü findet sich sonst kaum. Serviert wird das Fleisch mit Bratkartoffeln und Federkohl. Das geplante Abendessen wird heute wohl ausfallen … Verlockend hätten auch die Wirsingtaschen oder Pastetli mit Kalbsbrätchügeli geklungen.

Den Anfang macht eine Kürbiscremsuppe, gefolgt von einem Menüsalat. Beides ist im Menüpreis von 22.80 Franken enthalten. Während Bekannte kaum genug von der herbstlichen Suppe bekommen können, fehlt mir dabei in aller Regel etwas die Spannung. Das Kürbisaroma hält sich oft stark im Hintergrund, so auch hier. Die Suppe ist schön cremig und dezent gewürzt, um dem Kürbis möglichst viel Raum zu geben … aber eben. Optisch ist sie sehr schön gelungen, wir tippen auf etwas Rüebli zur farblichen Unterstützung.

Der folgende Menüsalat ist leicht und knackig, die unterschiedlichen Blätter sind teilweise aber etwas gar gross geschnitten. Ich selbst schätze es, dass mit dem Balsamicodressing eher etwas sparsam umgegangen wird, andere wünschten sich allenfalls etwas mehr Sauce. Die Begeisterung von Küchenchef Philipp Wantz für Frühlingszwiebeln und Radieschen wirkt sich auf den Salat aus, die beiden etwas intensiveren Zutaten machen daraus einen typischen «Nix»-Blattsalat.

Nicht ganz perfekt, fast schon wie zu Hause

Der Menüteller ist die erwartete Geschmacksexplosion. Beim Fleisch zeigt sich ganz besonders, welche nicht alltäglichen Aromen sich durch die Verwertung des ganzen Tiers ergeben können. Der herbe Geschmack der Gämse wird durch die dicke Rotweinsauce etwas abgemildert, die gerollte Kalbsbrust hat einen perfekten Biss. Wie ehrlich im Nix gekocht wird, zeigt sich bei den Fettaugen in der Sauce, wie man sie bei Schmorgerichten auch von zu Hause kennt.

Ebenso intensiv und trotz des fettarmen Fleischs wenig trocken war das Hacktätschli vom Hirsch. Das Fleischaroma hätte genügt, ohne dass die Küche so intensiv zum Salzsteuer gegriffen hätte. Die jungen Bratkartoffeln stellten die klassische Beilage, dazu kam ein Wintergemüse. Der Federkohl wurde mit etwas Speck geschmort und hat das Aroma wunderbar integriert, im Biss sind die krausen Blätter noch spürbar. So wird das Trendgemüse der letzten Jahre einem breiteren Kreis zugänglich.

Alles in allem eine spannende Kombination, die dem Restaurant vollauf gerecht wird und eine glanzvolle Abwechslung zu klassischen Mittagsmenüs bietet. Ganz alles schaffte ich dennoch nicht, mit Suppe und Salat werden auch grosse Zmittagsesser satt. Mag man es nicht ganz so experimentell, finden sich auf der Karte auch eingängigere Menüs.

Preis/Leistung
***** von *****
Wer Gastronomie abseits von Cordon bleu und Edelstücken sucht, findet im «Nix» ein in der Region wohl einmaliges Angebot, das mit hausgemachten Produkten und Saisonalität Nachhaltigkeit lebt, ohne dies speziell betonen zu müssen. Slowfood zu erschwinglichen Preisen und ohne jeden Dünkel. Da darf auch mal etwas nicht ganz perfekt sein.

Die Mittagsmenüs liegen zwischen etwa 20 und 23 Franken (inklusive Suppe und Salat), abends sind die Hauptgänge etwa doppelt so teuer. Auf der Weinkarte finden sich vor allem Produkte aus der Schweiz und den Nachbarländern, auch Spanien und Portugal fehlen nicht. Viele Weine aus einheimischen Rebsorten.

Service
**** von *****
Auch die Bedienung ist alles andere als alltäglich: Wirt Nikki Schwethelm glänzt mit trockenem österreichischem Humor und frechen Sprüchen. Das Personal gibt sich eher burschikos und direkt. Die Wartezeit ist angemessen. Die Decke auf der Terrasse wird uns nach dem Essen angeboten.

Ambiente
***** von *****
Das Lokal befindet sich im Erdgeschoss eines alten Gebäudes. Elegante, intime Gestaltung mit viel Weiss, Holzboden und Lederstühlen. Im Innern sind noch Mauerreste aus dem frühen 15. Jahrhundert zu sehen. Die Speisekarte wird an den Tisch gerollt, offene Weine sind auf einer Wandtafel aufgeführt. Die Terrasse direkt an der Reuss ist mit rotweissen Tischtüchern gedeckt, drinnen weisse mit Stoffservietten. An der Flusslinie kann es so direkt nach dem Reusswehr manchmal etwas laut sein – unser Geheimtipp für Kommunikationsfaule oder zerstrittene Paare.

Onlineauftritt
*** von *****
Die Menütafeln sind fotografiert und finden sich aktualisiert auf der Webseite, ebenso die Weinkarte. Keine Online-Reservation möglich, E-Mail-Reservationen werden rasch bestätigt. Zahlreiche Impressionen auch aus der Küche und vom Team, einzelne Inhalte sind nicht ganz aktuell.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 11.30 – 24 Uhr
Samstag 9 bis 24 Uhr
Sonntag 11.30 bis 24 Uhr

Adresse:
NIX – In der Laterne
Reusssteg 9
6003 Luzern
Tel. 041 240 25 43

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