Restauranttest Lindenhof Unterägeri: Mit hohen Erwartungen angereist

16.08.2021, 10:52 Uhr 5 min Lesezeit 7 Kommentare
Lindenhof Unterägeri: Mit hohen Erwartungen angereist
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Das Hotel-Restaurant Lindenhof im Dorfzentrum von Unterägeri. (Bild: hch)

Die Tage, an denen man diesen Sommer abends draussen tafeln kann, sind rar gesät. Auf der Suche nach einer lauschigen Gartenterrasse machten wir Halt in Unterägeri, beim mit 14 Gault-Millau-Punkten prämierten «Lindenhof». Ob das Restaurant mit seiner Kombination aus kreativen und klassischen Gerichten die Erwartungen erfüllen konnte?

Wer regelmässig Gaststätten besucht, hat diesen Funken, der überspringt, sicher auch schon erlebt. Es scheint jeweils alles zu stimmen, man fühlt sich geborgen und die servierten Gerichte lassen relevante Zweifel an den eigenen Kochfähigkeiten aufkommen. Noch Wochen und Monate später erinnert man sich gerne an den Abend und die Details zurück. Dann gibt es aber auch den Klassiker, und zu denen zählen wohl die Mehrheit der Erlebnisse. Eigentlich stimmt vieles, es sind Einzelheiten, die auffallen. Und dennoch reicht es nicht zu einem bleibenden Erlebnis.

Ein solches hatten wir im Lindenhof Unterägeri. Wir freuten uns, kurzfristig noch einen Platz auf der Gartenterrasse zu erhalten. Trotz zentraler Lage im Dorf ist es auch draussen verkehrsruhig, der Ausblick bleibt aber auf Mauern und die umliegenden Gebäude beschränkt. Die grosszügigen Tischabstände hinterlassen nicht nur bei Corona-Ängstlichen ein gutes Gefühl, sie sorgen für viel Privatsphäre.

Kreative Gerichte neben Klassikern

Die mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küche erscheint uns genau richtig für ein gutes Essen zum Wochenausklang, und auch die Karte mit einigen kreativen und traditionellen Rezepten macht neugierig. Wie es sich für ein Mitglied des «Goldenen Fisch» gehört, nehmen die Wassertiere auf der Karte viel Raum ein. Wir kombinierten uns munter durch.

Den Start machte ein Tafelspitz-Carpaccio mit Meerrettich-Vinaigrette. Tafelspitz oder eben Huftdeckel gehört für mich zu einem der meistunterschätzten Stücke, zumindest in Europa. Nicht ohne Grund zählt dieses Stück vom Rind in Südamerika zu den beliebtesten überhaupt; am Stück gegrillt, zaubert ein saftiges Picanha jedem Gaucho ein Strahlen ins Gesicht. Serviert wurden zwei Tranchen, wie hierzulande üblich etwas lange im Wasser gekocht, überzogen mit sehr viel ganz fein gehacktem Gemüse. Ein leichtes Sommergericht, das noch dazu toll farbig präsentiert wurde. Den Meerrettich konnten wir in der recht öligen Vinaigrette nicht herausspüren.

Wiener Schnitzel enttäuschte

Die «Schweizer Illustrierte» führte den Lindenhof letzten September unter den zehn besten Wiener-Schnitzel-Restaurants: «Hauchdünn, aber superknusprig kommt das Wiener Schnitzel vom Kalb auf den Tisch.» Die Erwartungen waren entsprechend hoch.

Knusprig war das Fleisch auch bei unserem Besuch, was sich vor allem durch den hohen Anteil an Panade erklären lässt. Denn serviert wurde nicht ein Schnitzel, sondern vier unterschiedlich grosse Teile, teilweise mit der Fläche eines Chicken Nuggets. Dazu kamen etwa 20 Pommes frites und etwas Grillgemüse. Auf der Karte wäre auch noch eine kleine Portion bestellbar gewesen, allenfalls kam es hier in der Küche zu einer Verwechslung.

Fisch aus dem Zugersee

Visuell sehr ansprechend fiel dafür der zweite Hauptgang aus, gedämpfte Zugersee-Felchen an einer Safran-Sauce. Vor allem das intensive Gelb mit einzelnen Safran-Fäden war zusammen mit dem Reis und jungem Blattspinat ein Gedicht fürs Auge. Allerdings wollte der Funke von der Gabel nicht ganz überspringen. Die liebliche Sauce war schön harmonisch, den Fisch würde man sich jedoch etwas saftiger wünschen und den sehr zarten Spinat weniger bitter.

Viel Mühe gab sich die Lindenhof-Küche mit den Extras abseits der Speisekarte. Als Amuse-Bouche wurde eine Mini-Focaccia mit Olivenpaste und Landjägertranchen gereicht, der Gruss aus der Küche war ein Crevettenküchlein auf Wakame-Salat. Und da wir wie so oft auf ein Dessert verzichteten, wurde zum Kaffee eine exotische Schnitte serviert. Ein versöhnlicher Abschluss eines nicht ganz perfekten Abends.

Preis/Leistung
Die Preise sind für 14 Punkte zwar angemessen – die Gerichte konnten diesem Niveau an diesem Abend aber nicht gerecht werden. Wir hätten gerne noch ein Stroganoff probiert, doch die 54 Franken dafür erschienen uns dann doch gar hoch. Das servierte Wiener Schnitzel kostete 44 Franken, das Tafelspitz-Carpaccio 25 Franken. Beim Rotwein fanden wir im Offenausschank fast nur Italiener, so dass wir auf eine perfekt temperierte Halbliterflasche Leutschner aus Schwyz ausgewichen sind. Halbe Flaschen sind keine erhältlich. Ein Halbliter Mineral kostet 6.50, ein Espresso 5.20 Franken. Einen Bonus-Punkt gibt es für die servierten kleinen Extras.
** von *****

Service
Distanziert höflich und aufmerksam. Ein Gespräch will aber nicht aufkommen, dafür reicht wohl die Zeit nicht. Koch und Wirtin haben wir an diesem Abend nicht am Tisch gesehen. Die Wartezeiten sind angemessen. Unter der Rechnung befand sich der Hinweis, dass man eine Bezahlung mit Debitkarte oder Bargeld bevorzuge – wir haben diese auf der dunklen Terrasse jedoch zu spät gesehen. Kreditkarte wurde anstandslos akzeptiert.
*** von *****

Ambiente
Innen funktional mit viel Holz, aussen viel Stein und einige Pflanzen, kaum Tischdekoration und Papiersets auf den Tischen, weisse Teller: Schlichtheit ist Trumpf. Unerwartet: Toiletten mit edlen Handtüchern aus Frottee und Handcreme.
** von *****

Online-Auftritt
Ausreichende Informationen, ein paar Impressionen von Lokal und Gerichten, die Speisekarte ist vorhanden. Die Online-Reservation (mit Mail-Bestätigung innerhalb von 24 Stunden) hat funktioniert. Auf Facebook ging die Aktualisierung vermutlich vergessen (letzter Post ein Wettbericht vom 18. Mai).
*** von *****

Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Montag: 9–14 Uhr und 17–23 Uhr
Sonntag: 10–22 Uhr

Adresse:
Hotel-Restaurant Lindenhof
Höfnerstrasse 13
6314 Unterägeri
Telefon: 041 750 11 88

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7 Kommentare
  1. Peti, 23.08.2021, 07:00 Uhr

    Kann die Kritik nicht ganz ernst nehmen. Im Lindenhof Unterägeri hat es NIE Papiersets auf den Tischen. Eventuell hat Herr Hug diese selber mitgenommen oder er war an diesem Abend selber nicht ganz auf der Höhe seiner Aufgabe.
    Hatte diesen Samstag ein Schnitzel im Lindenhof. Hervorragend, gehört zu den besten Schnitzel die es in der Innerschweiz gibt. Ob ich ein grosses Schnitzel oder vier kleinere erhalte, spielt mir absolut keine Rolle, die Qualität muss stimmen. Ein grosses Schnitzel muss ich ja eh auch in kleinere Stücke schneiden um es geniessen zu können, vielleicht ist dies bei einem sogenannten «Gastro-Kritiker» anders und er bringt dies in einem Stück runter.

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    1. Gastro nom, 23.08.2021, 14:44 Uhr

      Ich gehöre auch zu jenen, die ein Schnitzel in einem Stück möchten. Immerhin ist es das, was ich mir gemeinhin unter einem Wiener Schnitzel vorstelle, und nicht ein Teller McNuggets. Wichtiger ist aber der Qualitätsunterschied: Ein kleines Stück Schnitzel besteht logischerweise zu einem grossem Teil aus billigem Paniermehl und einem viel kleineren Fleischanteil. Wer’s mag…

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  2. Daniela Übersax, 21.08.2021, 08:56 Uhr

    Ich finde es sehr mutig, dass ein regionales Medium ehrliche, auch mal kritische Bewertungen schreibt. Das gibt es soinst aus Angst vor Repressalien kaum mehr. Hut ab!
    Mehrmaliges testen bringt wenig. Eine gute Beiz ist auch beim zweiten Besuch eine gute, eine schlechte bleibt wohl auch eine schlechte, so zumindest ist meine Erfahrung. Und dann müsste man ja auch neu testen, wenn der Koch wechselt etc.

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  3. Esti, 19.08.2021, 19:53 Uhr

    Wir sind seit Jahren Gäste im Lindenhof in Unterägeri. Ich denke eine Beurteilung nach einem einzigen Abend ist absolut nicht gerechtfertigt.
    Es ist persönliche Meinung, ob die Einrichtung gefällt oder die Dekoration. Wir finden diese immer sehr angemessen und schön. Aber eben, Geschmäcker sind verschieden.
    Mich stört, dass eine Beurteilung nach einem einzigen Abend gefällt werden kann. Viel wichtiger ist, dass ein Niveau wie im Lindenhof seit nunmehr 14 Jahren konstant gehalten wird.
    Ich nehme mal an, dass auch Sie (Schreiberling dieser Kritik) nicht jeden Tag und konstant gute Arbeit liefern. Das ist menschlich und normal.
    Fair wäre es, Kritik offen zu äussern und nicht hinterlistig und fies Tage später zu publizieren, ohne dass sich jemand dazu rechtfertigen kann.

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    1. Redaktion Christian Hug, 19.08.2021, 21:24 Uhr

      Es ist sympathisch, dass Sie für Ihr Lieblingsrestaurant einstehen und spricht meines Erachtens für ein Lokal, wenn es ein solch gutes Einvernehmen mit seinen Gästen pflegt.

      Da ich gerne annehme, dass es ansonsten nicht ihrer Art entspricht, Ihnen unbekannte Personen als fiese, hinterlistige Schreiberlinge zu bezeichnen, nehme ich ganz allgemein Stellung:
      zentralplus veröffentlicht die Kritiken anders als herkömmliche Gastroführer mit Name des Autors und der Möglichkeit, in den Kommentaren darauf zu reagieren. Lokale werden grundsätzlich immer nur einmal getestet. Dies handhabt zentralplus so, das gilt aber auch für die Tester von Gault Millau oder Guide Michelin. Die Tester tun dies in ihrer Freizeit gegen eine geringe Entschädigung, die häufig nicht mal die Spesen deckt. Sie tun dies aus Freude am Genuss und freuen sich über einen schönen Abend. Da wird auch gerne eine positive Bewertung verfasst. Sollte dies für einmal nicht der Fall sein, so wäre es unprofessionell, die Situation anders darzustellen, zumal Leserinnen und Leser eine faire, sachliche Kritik erwarten. Ein mehrmaliges Testen wäre finanziell und personell schlichtweg nicht machbar.

      Als Tester befindet man sich grundsätzlich in der selben Situation wie ein ganz normaler Gast: Für den verlangten Preis wird eine angemessene Leistung erwartet. Und auch wnen ich in der einen oder anderen Situation vor Ort durchaus kritisch nachfrage (wie dies auch hier der Fall war): Es liegt grundsätzlich nicht am Gast, den Gastgeber offen zu kritisieren. Dies entspricht weder der Schweizer Eigenart, noch lassen die Reaktionen seitens der Gastronomen mehrheitlich darauf schliessen, dass dies erwünscht wäre. Dieses Verhalten ist nicht hinterlistig, sondern schützt beide Seiten vor unangenehmen Situationen. Denn die Qualitätssicherung kann nicht an Gäste delegiert werden, sondern ist einzig und alleine Aufgabe der Küche und des Personals. Dass dies in diesem Fall leider nicht so funktionierte, wie man erwarten dürfte, ist ausreichend dokumentiert. Vielleicht trägt es ein ganz kleines bisschen dazu bei, dass Sie und andere Gäste davon profieren. Dann hätten beide Seiten, Gastgeber und Gast, gewonnen, und Ihr Lieblingslokal würde Sie noch mehr begeistern.

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  4. Thomas Inderbitzin, 16.08.2021, 22:42 Uhr

    Ich war auch schon mal da esen und war recht zufrieden, fand die Preise aber sehr hoch. Doch wenn ich die Bilder des Schnitzels hier sehe, erstaunt mich die Kritik nicht.

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  5. Bruno Steinmann, 16.08.2021, 19:45 Uhr

    Ich war schon dess Öfteren im Lindenhof zum Essen sei es am Mittag oder auch am Abend.
    All von diesen negativen Punkten kann ich nur sagen es war immer aber wirklich immer Toll der Service stimmte und vom Essen gar keine Rede einfach immer toll über alles.
    Bin ein Gourmet esser denn bei mir muss fast immer alles passen und es passte.

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