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Restaurant-Test

«Le Piaf» Luzern: Dieser Gockel hat es in sich

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Französisch
  • Ambiente Modern, Selbstbedienung
Im Jahr 2020 löste das Le piaf im Luzerner KKL das World Café ab. (Bild: hch)

Für eine moderne französische Küche mit und ohne Fleisch steht das «Le Piaf» im Luzerner KKL. Wir haben das Restaurant getestet und einen Coq au vin angetroffen, der es in sich hat. Und auch meine Begleitung bereute trotz einer Überraschung nichts.

Vor drei Jahren machte das einstige «World Café» im Luzerner KKL dem «Le Piaf» Platz, einer Cafébar. Nun sind Cafés nicht zwingend bekannt für ihr gastronomisches Angebot abseits von Kuchen (für die Älteren), Salaten oder Suppen (für die Anderen). Doch der Zusatz «Deli» lässt hoffen, dass sich im Angebot auch einige Leckerbissen finden lassen. Zumindest weckt man mit der aus dem Amerikanischen entlehnten Abkürzung für Delikatessen entsprechende Erwartungen.

Den Vogel auf der Türe – und im Teller

Urban ist nicht nur die Einrichtung, sondern auch das Konzept. Fast schon königlich gleitet selbst in der kalten Jahreszeit die grosse Glasfront mit einem überdimensionalen Spatz zur Seite und gibt den Blick auf die grosse Theke frei. Hier wird bestellt und das Bestellte abgeholt, «Deli Self Service» sozusagen. Die Karte thront gut lesbar über dem Tresen, findet sich aber auch in analoger Form auf den Tischen, was die Konzertbesucher im KKL freuen dürfte.

Ehrensache, gibt es den Vogel hier nicht nur im Namen, sondern auch im Teller. Den Spatz überlässt man als Gericht zwar dem Militär, zubereitet werden dafür verschiedenste «Cocottes». Damit dürften eher die Gusseisenbräter gemeint sein als das Hühnchen, nach dem die Töpfe benannt sind. Unter den Cocotte sind nämlich nicht nur Geflügelvarianten aufgeführt, sondern auch fleischlose Schmorgerichte.

Nach kurzer Wartezeit kündigt der uns mitgegebene Buzzer auf wenig diskrete Weise an, dass mein Coq au vin ausgekocht habe. Wobei der Hahn wohl nur noch Namensgeber ist, selbst in guten französischen Restaurants wurden die männlichen Güggel inzwischen durch Hühner ersetzt. Kein allzu grosser Verlust vermutlich, das Fleisch eines Hahns soll kräftiger, aber auch trockener schmecken. Sollte frau es dennoch auf männliches Geflügel abgesehen haben, sei an dieser Stelle das Restaurant Blasenberg in Zug empfohlen. Beim Capaun gibt es nicht nur die Gewissheit, einen Güggel zu verspeisen, sondern einen Kastrierten dazu.

Die Kombination macht es aus

Aber zurück nach Luzern. Der Coq au vin (28 Franken) wird im «Le Piaf» mit viel Gemüse, Gartenkräutern und Kartoffeln serviert. Tatsächlich frage ich mich erst, ob es eine Vegivariante an unseren Tisch geschafft hat. Zweifarbige Rüebli, Kefen und Brunnenkresse sorgen für einen ungewohnt bunten Anblick. Dass die Pflanzen hier mehr als nur Beilage sind, zeigt auch das Fehlen von Speckwürfeli und Champignons. Definitiv kein Coq au vin, der nach der Schritt-für-Schritt-Anleitung von Betty Bossi zubereitet worden ist. Aber schliesslich existieren in Frankreich wohl auch so viele regionale Variationen dieses Gerichts, wie es Weinbauregionen gibt.

Bin ich beim testmässigen Sezieren anfänglich leicht skeptisch und wundere mich über saure Trauben und etwas hart geratene Kartoffeln, dürfte sich meine Mimik bald einmal stark verändert haben. Das Fleisch taucht nun deutlich sichtbar auf und ist, wie das nur die Besten schaffen: So mürbe, dass es ohne weiteres Zutun vom Knochen gesprungen sein dürfte, nichts muss mühselig rausgesucht werden. Dazu ist es schön aromatisch und ausgesprochen saftig. Richtig spannend wurde es erst im Zusammenspiel mit den Beilagen, die ungewohnte Geschmackskombination mit sauren und knackigen Zutaten dürfte mit ihrer Kreativität selbst in Frankreich geadelt werden.

Tatar mit Belper Knolle

Ob meine Begleitung es bereuen wird, ein klassisches Tatar bestellt zu haben? Dass der Rindfleischklassiker auf der Karte steht, ist eine kleine Überraschung, ist doch das Menu offensichtlich ganz bewusst auf ganz bewusste Gerichte beschränkt. Und dazu gehört rohes Rindfleisch wohl eher weniger. 

Also ist es auch eine ganz bewusste Entscheidung, auf das Tatar zu setzen. Und siehe da: Das Tatar macht prima vista eine sehr gute Figur. Das liegt an vier Dingen. Erstens: Die Zwiebeln leuchten sanft rosa – ganz «la vie en rose» eben –, weil sie mit der Escabeche-Methode behandelt worden sind: Haltbar und sanft gemacht, indem sie vorgängig in Essig gekocht worden sind. Zweitens und drittens leuchten leicht gepickelte Kürbis- und Randenrosetten auf dem Teller. Und viertens an den weissen Flocken der Belper Knolle, dem wunderbar würzigen Berner Käse. 

Während Zwiebeln eine traditionelle Beilage sind zu einem Tatar, können Kürbis und Rande unter dem Punkt Dekomaterial abgehakt werden. Aber die Belper Knolle? Untrennbar mit dem frisch geschnittenen Rindfleisch verbunden, können die Käsesplitterchen nicht nur ästhetische Funktion haben. Um es gleich vorweg zu nehmen: Belper Knolle, weil es mit dem Fleisch zusammen ausgezeichnet schmeckt. Das Tatar ist so gewürzt, dass man das Rindfleischaroma wahrnehmen kann. Ein Tatar muss ja nach Fleisch schmecken und nicht etwa einfach nur scharf sein. Dazu gab es ein sehr gut passendes, geröstetes Sauerteigbrot.

Meine Begleitung fasst es mit Edith Piaf zusammen: «No, je ne regrette rien.» Er bereut nichts: Das Tatar im «Le Piaf» sei sehr zu empfehlen. 

Bewertung

Preis-Leistung
**** von *****
Es wird regional und weitgehend saisonal gekocht, das ist alles sehr stimmig. Der Coq au vin kostet faire 28, das Tatar 34 Franken. Das vegane Winter-Schmorgericht gibt es für 26 Franken, den Croque Monsieur mit Salat für 17.50 Franken. Die französische Zwiebelsuppe wird für 12 Franken angeboten, mit Trüffel für 19. Die getesteten Portionen sind ausreichend, um gut durch den Nachmittag zu kommen. Während der Woche wird ein Frühstück angeboten, an Sonntagen ein Brunch.

Nicht ganz warm werde ich mit dem Getränkeangebot. An die mitleidigen Blicke beim Bestellversuch eines zuckerfreien Getränks kann man sich gewöhnen und Limonaden oder Tees mag ich ebenso wenig wie Alkohol um die Mittagszeit – Orginalität hin oder her. Bleibt also nur der Halbliter Hahnenwasser für fünf Franken. Zum Trost hilft ein Stück der wunderschönen Kuchen.

Service
** von *****
Bei Selbstbedienung ist dieser Punkt nur bedingt aussagekräftig, müssten wir uns doch selbst mitbewerten. Am Tresen wurden wir freundlich nach unseren Wünschen gefragt. Eine Pluspunkt gibt es für die sehr schnelle Zubereitung der Bestellungen und die Präsentation der Gerichte. Neben den klassischen Essenszeiten besteht ein reduziertes Angebot.

Ambiente
***** von *****
Moderne und abwechslungsreiche Einrichtung mit abgetrennte Sitzecken, Stehtischen und ruhigeren Sitzecken für unterschiedliche Bedürfnisse. Helle und gut abgestimmte Einrichtung an zentraler Lage. Draussen warten unter dem KKL-Dach winterlich dekorierte Tische mit Fell und Wolldecken auf die Benutzung.

Onlinefaktor
***** von *****
Sehr professionelle, farbenfrohe Website mit anregenden Bildern. Informativ und mit allem Notwendigem wie Speise- und Getränkekarten ausgestattet, um sich vor dem Besuch ein Bild machen zu können oder online zu reservieren.

Die Rechnung gibt es auch im Le piaf, wenn auch schon bei der Bestellung.
Die Rechnung gibt es auch im «Le piaf», wenn auch schon bei der Bestellung.

Le piaf

Adresse:
Europaplatz 1
6005 Luzern

Telefon:


E-Mailadresse:


Öffnungszeiten:
Täglich 9 bis 21 Uhr. An Konzertabenden ist das Lokal länger geöffnet.
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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