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So isst es sich nach dem Wechsel in der Felsenegg Luzern

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Mediterran, Schweizerisch
  • Ambiente Traditionell
Bei unserem Testbesuch im Dezember war das Restaurant Felsenegg weihnachtlich beleuchtet. (Bild: zvg)

Seit drei Monaten ist die «Felsenegg» Luzern unter neuer Führung. Die Küche zeigt sich überraschend bodenständig und mit Luft nach oben, wie unser Testbesuch zeigte. Dafür hielt Küchenchef Thomas Gassner ein paar kulinarische Überraschungen bereit.

Nach 14 Jahren haben Melanie und Franco Simioni die «Felsenegg» kürzlich an Christoph Aebersold und Agron Tunprenkaj übergeben (zentralplus berichtete). Nach unserem Testessen vor einem Jahr wollen wir der «Felsenegg» daher erneut auf den Zahn fühlen. Als Küchenchef amtet neu Thomas Gassner, der Erfahrungen aus Gault-Millau-dotierten Restaurants in Luzern, Arosa und Ascona mitbringt.

Die Küche, so verkündet es die «Felsenegg»-Website, «ist inspiriert von den Ideen und Düften rund ums Mittelmeer». Wir sind gespannt und reservieren an einem Samstagabend im Dezember.

Netter Empfang ohne Spritz

Noch bevor wir das weihnachtlich beleuchtete Haus am Luzerner Schlossberg betreten können, wird uns von innen zuvorkommend die Tür geöffnet. Das ausgesprochen gastfreundliche und dabei authentisch-sympathische Handeln zieht sich fast durch den ganzen Abend und sei hier darum lobend erwähnt.

Wie der Service gefällt uns auch das Ambiente, das durch angenehme Beleuchtung, ein gediegenes Interieur und grosszügigen Platz besticht. Das Restaurant ist etwa zu drei Vierteln besetzt und nicht ausgebucht. Ein ungewöhnlicher Umstand für das samstagabendliche Luzern, den wir der Startphase des Restaurants zuschreiben.

Wir eröffnen den Abend mit einem obligaten Aperol Spritz, dem es ordentlich an «Spritz» fehlt. Der Prosecco hatte wohl seine besten Tage hinter sich.

Gutbürgerlich statt Mittelmeer

Die Karte ist erfreulich überschaubar bei vielfältigem Angebot. Die Wahl fällt uns nicht leicht, alles klingt ansprechend. Es sind mehrheitlich traditionelle, gutbürgerliche Klassiker wie Lamm, Zander und Rehrücken vertreten. Einzig die Ravioli und der inzwischen gereichte Serranoschinken erinnern an das Mittelmeer. Der Schinken fällt allerdings aus dem üblichen Rahmen – gereicht mit frischem Brot und süssem Senf statt Butter mundet uns dieser Anfang sehr.

Auffallend ist die Anzahl an Gerichten, die erst ab zwei Personen serviert werden: Sie nehmen fast die Hälfte des Angebots an Hauptgängen ein.

Während wir uns noch am Brot laben, wird das Amuse Bouche gereicht, und das ist wortwörtlich wie auch geschmacklich ein Kracher: ein Knäckebrot serviert mit fein-cremiger, milder Forellenmousse und alternativ mit Ratatouille für den Vegetarier. Beides ist ausgezeichnet und angenehm temperiert statt kühlschrankkalt. Unsere Vorfreude auf das Kommende wächst.

Kampf mit dem Mimolette

Wir entscheiden uns für einen Blattsalat mit Kürbis, Zwiebel und Mimolette und für den Ziegenfrischkäse mit Rande und Pistazien als Vorspeise. Der Salat ist etwas zu grosszügig bemessen, in der Menge an Grünem wie auch beim Dressing. Der Kürbis fällt dagegen mit vier Würfeln eher bescheiden aus. Interessant ist der Mimolette, der mir bis dato unbekannt war. Ein leuchtend oranger, gepresster Schnittkäse aus Frankreich. Die gehobelten Scheiben sind leider zäh und lassen sich nur schwer verzehren. Meine Begleitung kämpft bei den Randen mit Ziegenkäse mit einem ähnlichen Problem.

Eine Pilzsuppe, die ihren Namen verdient

Die Suppe, eine Steinpilzsuppe, vermag uns dann wieder zu begeistern: Heiss serviert, sämig, mit eindeutiger Pilznote, Pilzen als Einlage und dem Aroma von Haselnüssen spricht uns insbesondere der leicht säuerliche Geschmack an. Die deklarierten Tannennadeln lassen sich gustatorisch nicht ausmachen, wobei wir nicht beurteilen können, wie diese schmecken müssten.

Zum Hauptgang entscheiden wir uns für das Hirschfilet mit Spätzli, Rotkohl und Maroni und für die vegetarische Herbstvariante: Mohn- und Quarkspätzli mit Maroni, Rosenkohl und Ziegenkäse.

Gepfefferter Hirsch

Der Hirsch ist auf den Punkt genau gebraten, aussen kross und innen butterweich. Fantastisch, aber leider nur lauwarm. Der grosszügige Einsatz von Pfeffer hat erhöhten Wasserkonsum zur Folge. Apropos Getränke: Zum Essen erfreuen wir uns an einem Fläscher Pinot Noir. In gewohnt hoher Qualität und das sogar im Offenausschank. Das findet man – zumindest im Luzerner Raum – eher selten.

Der Rotkohl ist frisch und nicht, wie oft anderswo serviert, verkocht. Maroni und Spätzli sind etwas gar trocken und haben wenig Eigengeschmack.

Der vegetarische Hauptgang, als Potpourri angerichtet, sieht appetitlich und frisch aus. Er ist geschmacklich gut, aber die einzelnen Zutaten lassen sich am Gaumen nur wenig differenzieren.

Dessertklassiker meets Asia

Obwohl alle Portionen reichlich bemessen sind, entscheiden wir uns noch für einen süssen Abschluss. Mir hat es die Apfel-Frühlingsrolle mit Vanillesauce angetan, meine Begleitung entscheidet sich für eine Mango-Crème-Brûlée. Letztere kommt in bekannter Rezeptur daher und ist gelungen, die Mangos übernehmen eher die Funktion eines dekorativen Toppings.

Mangos kommen auch auf dem Teller mit der Frühlingsrolle zum Einsatz: Die kleinen Würfel sind mariniert und überraschen geschmacklich ausserordentlich, während die dicke und recht klumpige Vanillesauce nicht punkten kann. Die Apfel-Frühlingsrolle wird heiss in einem Brickblatt serviert und ist mit frischen, leicht säuerlichen Äpfeln gefüllt.

Alles in allem hatten wir einen netten Abend mit bodenständiger und moderater Küche, die ein paar kulinarische Überraschungen bereithielt und noch Luft nach oben hat.

Bewertung

Preis-Leistung
Die Preise für die Hauptgänge liegen am Abend zwischen 22 und 45 Franken. Im Luzerner Vergleich empfanden wir das Preisniveau eher im unteren Durchschnitt. Dagegen fallen die Preise bei den Gerichten ab zwei Personen eher aus dem Rahmen: 34 Franken pro Person für Blumenkohl mit Beilagen oder 64 Franken pro Person für das Kalbskotelette sind doch recht hochpreisig. Die Küche ist frisch und saisonal, die Portionen sind sehr grosszügig.
*** von *****

Service
Eine sympathische Männerwirtschaft: Zum Zeitpunkt unseres Besuches im Restaurant Felsenegg waren Küche und Service fest in Männerhand. Der Service war ausgesprochen aufmerksam, ohne aufgesetzt zu wirken. Gegen Ende liess die Aufmerksamkeit etwas nach, vielleicht der späteren Stunde geschuldet.
**** von *****

Ambiente
Das gediegene und gepflegte Ambiente lädt zum Verweilen ein. Sehr positiv fällt das grosszügige Raumverhältnis auf – zwischen den Tischen ist viel Platz.
***** von *****

Online-Faktor
Abgesehen vom fehlenden mediterranen Einfluss hält das Restaurant, was seine Website verspricht. Karten und Fotos sind mehrheitlich aktuell, die Seite ist überschaubar und der User wird schnell fündig. Die Option, einen Tisch online zu reservieren, empfinden wir als sehr angenehm.
**** von *****

Felsenegg Garten-Restaurant

Adresse:
Maihofstrasse 4
6004 Luzern

Telefon:
+41 (0)41 420 10 13

E-Mail-Adresse:
[email protected]Webseite:
www.felsenegg-luzern.ch

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag, 11.30 – 14 Uhr und 18 – 23 Uhr
Samstagabend, 18 – 23 Uhr Sonntag und Montag Ruhetag
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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