«Krone Blatten»: Spitzenküche mit Ingwerfreuden
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Der Landgasthof Krone Blatten beim ersten Schnee. (Bild: hch)

Restaurant-Test «Krone Blatten»: Spitzenküche mit Ingwerfreuden

5 min Lesezeit 05.12.2020, 10:04 Uhr

Es gibt sie noch, die Restaurantbesuche, bei denen alles stimmt. Einen dieser raren Momente hatten wir bei unserer Einkehr in der «Krone Blatten». Was Küchenchef Raphael Tuor auf den Tisch gezaubert hat, weist genau den richtigen Mix aus Bodenständigkeit, Kreativität und Saisonalität auf. Noch dazu zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dass wir nach kurzer Fahrt aus Luzern auf dem Land angekommen sind, zeigt sich nicht nur am stattlichen Gasthaus der «Krone Blatten», sondern auch an den reichlich vorhandenen Parkplätzen und dem Miststock, neben dem wir den Wagen abstellen. Wir werden im Fries-Stübli platziert, bei nur gerade vier Tischen im offenen Raum bliebe hier ausreichend Platz für Yogaübungen. Beim Corona-Kontrolleur dürften solche Tischabstände jedenfalls helle Begeisterung auslösen.

Ingwer zum Ersten

Die Wildsaison fand in der Krone offenbar ein frühes Ende, so dass wir uns aus der Marktkarte und dem Menü bedienen. Als Gruss aus der Küche wird ein Rüebli-Ingwer-Mousse mit Crevettensalat serviert. Dies wird an diesem Abend nicht die einzige Begegnung mit der trendigen Knolle sein. In dieser Kombination brannte der geschmacklich sehr intensive Ingwer angenehm auf der Zunge, obwohl das Gericht insgesamt eher kühl serviert wurde.

Das dazu gereichte Brot stammt vom Eigenbrötler, nur einer von mehreren Lieferanten, die Raphael Tuor zweimal wöchentlich am Luzerner Markt aufsucht. Dieser Tradition blieb er auch treu, nachdem er vom Luzerner Reussbad nach Malters wechselte, wo er wiederum mit 16 Gault-Millau-Punkten bewertet ist.

Und das Lokal selbst? Bei der Übernahme im Sommer 2020 nahm das neue Team einige kleinere Anpassungen vor, sonst blieb im wunderschönen Landgasthof das meiste bestehen. Auch die stimmungsvollen Schwarzweiss-Bilder von Produzenten hängen weiterhin im Korridor, und auch die grossen Bordeaux im transparenten Weinschrank scheinen noch dieselben zu sein.

Warum gibt es dieses Hacktätschli nicht in gross?

Meine Vorspeise ist eine Sellerie-Apfelcreme-Suppe mit Hacktätschli. Die Suppe weist eine erfrischende Säure auf, der Verzicht auf süsse Äpfel wie Gala & Co. tut ihr nur gut. Ich habe diesen Gang ja vor allem wegen des Hacktätschli gewählt, das wie eine kleine Insel im Teller thront. Die alles andere als alltägliche Kombination gefällt mir gut, das gut gewürzte Fleisch des Luzerner Weidebeefs ist enorm saftig und zart. Und es wurde grosszügig dekoriert mit Apfel und Ingwer. Das nächste Mal wünschen wir uns das Fleisch dann in der grossen Ausführung.

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So nebenbei teilen wir uns noch eine herbstliche Salatschüssel. Wobei Salat hier fast schon etwas untertrieben ist, zu vielfältig ist das, was ganz diskret mit einer glücklicherweise sehr zurückhaltenden Sauce angemacht wurde: Nüsslisalat, Feigen, Ei, weisse Rande, hausgemachter Hirschrohschinken und Tardivo. Tardivo? Es spricht für den gut ausgebildeten Kellner, dass er uns die Erklärung dazu liefern kann – weder ich noch mein Rechtschreibprogramm haben zuvor je von dieser Radicchio-Sorte gehört. Der abwechslungsreiche Salat zeigt sich als wahre Geschmacksexplosion und reicht gut für zwei Personen.

Da die «Krone Blatten» mit dem öffentlichen Verkehr kaum zu erreichen ist, mussten wir die schönen Flaschen in der Vitrine belassen und uns auf offene Weine beschränken. Immerhin können wir dem Bordeaux treu bleiben und treffen mit dem Tour de Trois Lunes 2016 von Mövenpick eine Wahl mit überraschend viel Tiefe.

Unvergessliche Ente vom Alpstein

Die Wahl des Hauptgangs fiel schwer. Da Ente in hiesigen Gaststuben üblicherweise nur gerade in Thai-Currys Einzug findet und kaum je einheimisches Gefieder erhältlich ist, entschied ich mich von der Marktkarte für den Schenkel von der Alpsteinente mit Spitzkohl und Kastanien.

Alleine für dieses Herbstgericht hätte sich die Fahrt nach Malters gelohnt, aussen war der konfierte Schlegel wunderbar kross, innen butterzart. Butter war auch dem dazu servierten Kartoffelstock aus Albula-Bergkartoffeln nicht fremd. Wie in der höheren Gastronomie nur zu üblich, ist man sich nie ganz sicher, welcher Bestandteil im Stock mehr vertreten ist. Nicht fehlen durfte bei diesem tollen Gericht auch – man ahnt es schon – der Ingwer.

Vermicelles in Hochkultur

Während sich unsere Nachbarn auf ein Dessertbrüggli stürzen, eine umfassende Kombination verschiedener Süssspeisen, bleibe ich dem Herbst treu und bestelle ein Vermicelles-Törtchen. Was banal klingt, überrascht mehr als positiv: Wie alles andere stammt auch das Dessert voll und ganz aus der eigenen Küche. Da der Boden erst bei der Bestellung belegt wird, bleibt er wunderbar knusprig. Auf ein kleines Meringue kommt das Marronipüree.

Wer die Masse schon einmal selbst gemacht hat, versteht nur zu gut, weshalb es so viele Wirte als Fertigprodukt beziehen – und ihren Gästen so viel Genuss vorenthalten. Dank einer gehörigen Portion Kirsch war das Püree hier nicht nur aromatisch, sondern auch wunderbar feucht – ein krönender Abschluss in der Krone.

Preis/Leistung
Das Gebotene ist jeden Franken wert, wir haben schon deutlich teurer auf sehr viel tieferem Niveau gegessen. Die beiden saisonalen Karten sind trotz Corona-Reduktion mehr als ausreichend und machen mit ihren sechs Hauptgängen die Auswahl schwer. Nur gerade ein Vegi-Menü ist jedoch etwas wenig. Der Dreigänger abends kostet 65 Franken. Die Portionen sind eher grosszügig bemessen.
Die Weinkarte ist umfangreich, die Spitzenweine werden annähernd zu Ladenpreisen abgegeben.
***** von *****

Service
Kompetent, aufmerksam und sehr freundlich. Wäre die Wartezeit beim Abräumen kürzer gewesen, gäbe es den fünften Stern.
****von*****

Ambiente
Ein gepflegter Landgasthof mit viel Holz und zurückhaltender Dekoration. Mehr Sein als Schein ist auch hier die Devise.
**** von *****

Corona-Umsetzung
Die Gourmet-Stube ist aufgrund der Pandemie geschlossen. In der Gaststube und den drei Säli finden die Gäste ausreichend Platz. Dass der Weg zu den Toiletten an der offenen Küche vorbeiführt, ist nicht ganz optimal, jedoch der Architektur geschuldet. Desinfektionsmittel ist ausreichend vorhanden.
****von*****

Online-Auftritt
Ausreichend, sehr schön gestaltet. Der Hunger wird beim Gast schon im Voraus geweckt. Die Karten sind nur teilweise verfügbar, online kann bei entsprechender Verfügbarkeit auch gleichentags noch reserviert werden.
**** von *****

Öffnungszeiten:
Dienstag–Samstag: 11.30 bis 14.30 und 18.00 Uhr bis spät

Adresse:
Krone Blatten
6102 Blatten bei Malters
Tel. 041 498 07 07

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