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Restaurant-Test

Gubel Menzingen: Eine Cordon Bleu-Variante, die begeistert

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Schweizerisch
  • Ambiente Rustikal
Unter neuer Führung serviert das Gasthaus Gubel nun auch abends aufwändige Gerichte. (Bild: hch)

Hoch über Menzingen ging das Restaurant Gubel letztes Jahr in neue Hände über. Seither wird an diesem Ausflugsort auch abends aufwändig gekocht. Bei unserem Test erfreuten wir uns an einem Schweinskotelett-Cordon Bleu, bei dem man sich fragt: Warum macht das eigentlich keiner nach?

So viel vorweg: Wir hatten nicht nur die besten Erinnerungen an den Gubel. Beim letzten Besuch gab es abends eine stark eingeschränkte Auswahl – und selbst diese musste noch mit einer Horde Fliegen geteilt werden. Doch Tempi passati; neues Jahr, neue Wirte und neues Glück. Seit letztem Mai steht das Lokal oberhalb Menzingens unter der Führung von Angela Garofalo und Andras Kishegyi.

Tafeln über Gräbern

Mit einem auch abends umfangreichen Angebot wollen sie den ganzen Tag Gäste auf den Hügel bringen. Nicht ganz einfach, denn um die Anhöhe 100 Meter oberhalb Menzingens zu erreichen, sind Wanderschuhe oder ein fahrbarer Untersatz, Orientierungssinn und Ausdauer gefragt. Dafür kommen hier auch Geschichtsinteressierte auf ihre Kosten. Die nebenan liegende Schlachtkapelle soll im Jahr 1531 über den Massengräbern von gegen 900 hier gefallenen Soldaten errichtet worden sein, als die Reformierten im zweiten Kappelerkrieg ihre letzte Niederlage hinnehmen mussten.

Die blutige Vergangenheit ist nach Betreten des vom Kloster verpachteten Restaurants glücklicherweise schnell vergessen. Holz, wohin das Auge schweift, unterteilt in drei bewirtete Räume mit tiefen Decken: 1779, als das Gasthaus errichtet wurde, war man halt noch deutlich kleiner.

Erfrischender Einstieg mit Pfupf

Wir starten mit einem Gruss aus der Küche, einer Frischkäse-Roulade mit getrockneten Tomaten. Der Einstieg in den Abend gefällt gut, das schön servierte Müsterchen erfrischt und verfügt über eine angenehme Schärfe. Da die Hauptgänge eher deftig ausfallen, bestellen wir uns anstelle des aufgeführten Wintersalats mit Granatapfelkernen, Orangen und Ziegenkäse nur einen Blattsalat. Dafür einen umso schmackhafteren, mit einem spannenden französischen Dressing, Tomaten und Sprossen.

Beim Hauptgang würden wir gerne beide das ungarische Gulasch versucht, das mit Spätzli serviert wird. Stattdessen folge ich jedoch der Empfehlung von «Matze», wie es auf der Karte heisst: einem Schweinskotelett-Cordon Bleu für 34 Franken. Gerne würde ich mich beim anonymen Tippgeber bedanken, denn die Wahl ist genau richtig: Das Fleisch kommt mit einer optimal kross gebackenen Panade, gefüllt mit etwas würzigem Appenzeller-Käse und wenig Rohschinken.

Ein Cordon Bleu mit einer Geschichte

Anders als bei klassischen Cordon Bleu wird das dick geschnittene Kotelett nicht geklopft, sondern lediglich aufgeschnitten. Der Fleischanteil fällt so deutlich grösser aus. Da das Gericht erst im Ofen und danach kurz in der Fritteuse zubereitet wird, ist es mit einer Wartezeit von 20 Minuten nichts für eilige Gäste.

Obwohl sich viele Lokale mit immer neuen Cordon Bleu-Varianten zu überbieten versuchen, scheint die Zubereitungsart mit Koteletts bisher kaum entdeckt worden sein. Auch das Gubel-Rezept entstand eher zufällig. Sie hätten bei ihrem Vorgänger Christoph Gehrig für ein Cordon Bleu angefragt, da das beliebte Gericht nicht auf der Karte vorkam, erzählt Angela Garofalo. Weil an diesem Tag kein Schnitzel vorrätig war, entstand so die Kotelett-Variante, die sie dann auf ihre Karte übernommen hätten.

Besser als zuhause

Serviert wird das gute Stück mit einer ausgezeichneten Gemüsevariation aus Sellerie, Peperoni und Kefen sowie violettem Blumenkohl. Gemessen an so viel Kreativität fält die Stärkebeilage mit Pommes Frites fast schon zu klassisch aus.

Auch beim Gulasch meiner Begleitung ist das kurze Fazit positiv: «Die Spätzli waren lange in der Pfanne und das Fleisch hat etwas viel Sauce. Doch das Gulasch ist besser als zuhause»: Gibt es ein schöneres Kompliment?

Bewertung

Preis-/Leistung
Für das Zuger Berggebiet durchschnittliches Preisniveau. Die Winterkarte ist ausreichend, vegetarische und klassische Fleischgerichte halten sich annähernd die Waage. Neben Käse- und Fleischfondue werden auch Tagesfisch und ein Steak des Tages angeboten, in unserem Fall ein Entrecôte. Burger-Fans können sich die Fleisch-Variante und den Vegi-Burger selbst aufpimpen. Verschiedene hausgemachte Desserts und währschafte, nicht ganz günstige Mittagsmenüs. Die Weinkarte hat einen Schwerpunkt auf der Schweiz und den Nachbarländern.
**** von *****

Ambiente
Ein Eldorado für Schreiner. Holz so weit das Auge blickt: Holzboden, getäferte Wände, Kassettendecken, Holztische und -Stühle, was kaum den Lärm dämpfen kann. Die Einrichtung ist schlicht und die Dekoration zurückhaltend, aber passend und sorgfältig ausgesucht. Schöne kleine Lampen auf den Tischen spenden ein angenehm dezentes Licht. Die Tische stehen teilweise etwas eng und bieten so dem Service wenig Platz. Im Aussenbereich findet sich im Sommer eine sehr schöne Terrasse mit Aussicht auf das Zuger Seebecken.
**** von *****

Service
Persönlicher geht nicht: Aufmerksame und sehr gastfreundliche Bedienung durch die Chefin, auch Mitinhaber Andras Kishegyi schaut immer wieder vorbei. Der Koch bringt den Salat an den Tisch. Gäste werden auf Wunsch an der Bushaltestelle in Edlibach abgeholt. Einzig die telefonische Reservation klappte in unserem Fall aufgrund von Sprachproblemen nicht ganz reibungslos.
***** von *****

Online-Faktor:
Schön gemachte Webseite mit einer Livecam als nützlichem Feature. Die Gastgeber präsentieren sich, das Team sowie das Lokal Instagram-konform mit vielen Bildern. Menü- und Weinkarte sind vorhanden, ebenso die Tagesmenüs sowie das Dessertangebot. Reservationen sind in Echtzeit über einen eingebundenen Dienstleister möglich, einzig den Lageplan haben wir nicht gefunden.
**** von *****

Rechnung Restaurant Gubel
Die Rechnung gefällig? So präsentiert sie sich im Restaurant Gubel (Bild: )
Verwendete Quellen
  • Geschichte des Klosters Gubel
  • Berichterstattung zentralplus
  • Webseite Restaurant Gubel

Gubel Menzingen

Adresse:
Gubel 1
6313 Menzingen

Telefon:
041 755 11 42

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 11 bis 22 Uhr, Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr.
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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