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«Grottino 1313» Luzern: Wohlfühlessen für neugierige Geniesser
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Nicht ganz einfach zu finden: Das Grottino von aussen. (Bild: hch)

Restaurant-Test «Grottino 1313» Luzern: Wohlfühlessen für neugierige Geniesser

5 min Lesezeit 17.01.2020, 10:50 Uhr

Oft sind wir beim «Grottino 1313» nur schon daran gescheitert, einen Tisch zu reservieren. An diesem winterlichen Montag hat es nun doch noch geklappt. Warum sich die Wartezeit für uns gelohnt hat – und wo der laut Eigenwerbung «bekannteste Geheimtipp Luzerns» noch etwas Luft nach oben hat.

Begrüsst werden wir von Andrea, die uns an diesem Abend betreut, mit einem Du. Die persönliche Betreuung gehört ebenso zum Konzept des Lokals wie das aufwendig auf alt gemachte Restaurant. Ebenfalls nicht alltäglich ist das Angebot von einem täglich wechselnden Menü mit vier Gängen – mit oder ohne Fleisch, und alle mit regionalen Zutaten. Die Qual der Wahl ist eine schmerzlose, denn nach der Frage, ob man denn etwas überhaupt nicht möge, geht es auch schon los.

Das Faustbrot als Amuse Bouche

Der Abend beginnt rustikal mit Weissbrot und dünnen Scheiben vom Kochschinken – der Gruss aus der Küche erinnert etwas an ein Handwerker-Znüni und ginge auch mit etwas mehr Fantasie.

Positiv überrascht wurden wir hingegen vom ersten Gang. Die eher lauwarme Süsskartoffelsuppe überzeugte durch ihr intensives, ausgesprochen harmonisches Aroma. Und auch der Salat hat trotz der Italianità des Grottinos wenig gemein mit dem im Süden so gerne servierten Grünzeugs. Auf Gewächshaustomaten und -gurken wurde glücklicherweise ganz verzichtet, die cremige Balsamicosauce ist so süss, wie sie sein soll und die Wintersalate sind mit unterschiedlichen Brotcroutons angerührt.

Suppe und Salat teilen sich den Teller

Salat und Suppe kommen gleichzeitig auf den Tisch, beide in Schüsseln zum Teilen. Was sympathisch ist und so weit gut funktioniert – vorausgesetzt, man nutzt das servierte Brot als improvisierten Putzlappen. Für beide Speisen steht je Person nur ein Teller zur Verfügung, auch das Besteck wird jeweils nur auf Wunsch ausgewechselt.

Die Zeit zwischen den Gängen – unsere Gastgeberin legt nun auf dem Feuer im Garten und im Kamin ein paar Scheite nach – nutzen wir, um uns dem Interieur zu widmen. Neugierige Gäste sind willkommen und werden mit kurzen Führungen belohnt, uns reicht es, die vielen Holzbalken, Kerzen und die fein gearbeiteten Details vom Tisch zu bestaunen. Was die Betreiberin Sinnvoll Gastro im 100-jährigen Gebäude geschaffen hat, begeistert die Gäste seit Jahren – und dies zu Recht.

Das Interieur des «Grottino 1313» mit der offenen Küche im Hintergrund. (Bild: hch)

Pasta wie bei der Mama

Was folgt, ist die Vorspeise, Penne mit einem ausgezeichneten Sugo. Zu dumm, war dies tags zuvor bereits mein Abendessen. Der Sieger des kleinen Wettstreits sei hier nicht verraten, nur so viel: Die Italiener am Nebentisch waren voll des Lobes. Dies gilt auch für meine Begleitung, die sich an der fleischlosen Variante, einem Pesto, gütlich tat.

Zu diesem Gang passte dann auch der empfohlene Amarone. Schön auch die Geschichte, die Andrea zu jedem Wein erzählt und die einiges an Wissen verrät. Die Weinempfehlungen können vor der Bestellung probiert werden – was sich in unserem Fall bewährt hat, wir wurden nicht ganz von Beginn weg fündig.

Wurzelgemüse macht Freude

Meine Begleitung wünschte sich ein fleischloses Menü. Allerdings kommt nicht der bestellte Zander aus dem Entlebuch, sondern das Vegie-Menü mit einem Feta-Spinat-Muffin. Da auch dieser so gar nichts mit dem andernorts allzu oft lieblos zubereiteten Vegetarier-Essen gemein hat, sind wir dennoch klaglos zufrieden.

Ich bleibe beim niedergegarten Kalbsschulterbraten. Das Fleisch ist butterzart und aromatisch, die Beilagen dieselben wie beim Muffin: Wurzelgemüse mit einem Weissweinrisotto. Der Mut, neben Karotten grosszügig auch auf die zu Unrecht verschmähten Randen zurückzugreifen, hat sich ausbezahlt. Die aromatische Gemüsevariation ist zweifellos eines der Highlights des Abends.

Gemecker auf dem Teller

Und der Abschluss? Ich entscheide mich für ein kleines Pannacotta, das mit Mandel- und Schokoladen-Crumble serviert wird. Und schiele etwas neidisch zur schön angerichteten Käseplatte meiner Begleitung: Sechs mundgerechte Stücke mit Früchtebrot und verschiedenem Senf. Die zahlreich vertretenen Schaf- und Ziegenkäse versöhnen mich dann aber doch wieder mit meiner süsseren Auswahl.

Fazit: Die Gerichte sind stellenweise absolut überzeugend (Hauptgang, Pasta), das Konzept gefällt, die Einrichtung im Lokal sowieso. Und der Service ist persönlich und kompetent. Für neugierige Geniesser ideal, um einen schönen Abend in aussergewöhnlicher Umgebung zu erleben.

Preis/Leistung
****von*****
68/73 Franken für vier Gänge (respektive 80 Franken mit einem zweiten Dessert) sind absolut angemessen. Umstritten sind die hohen Preise fürs Leitungswasser, für die Karaffe wurden uns 9.50 Franken verrechnet (zentralplus berichtete). Wir ersparen uns weitere Ausführungen und ziehen dafür einen Punkt ab.

Service
****von*****
Die Herzlichkeit ist echt, das Wissen um die Produkte unerschöpflich, die Speisenabfolge erfolgt in angenehmer Zeit und Andrea betreute uns nicht nur sehr herzlich, sondern achtete auch die Details. Ein schönes Detail waren auch die frisch drapierten Servietten, nachdem wir den Tisch kurz verlassen hatten. Ohne den falschen Hauptgang gäbe es klar das Maximum!

Ambiente
*****von*****
Aussen pfui, innen hui. Wer sich hier nicht wohlfühlt, wird es andernorts erst recht sehr schwer haben. Eher wenig Licht, unzählige Kerzen, authentisch auf alt gemacht und ein gelungener Mix zwischen Bauernhausatmosphäre mit ganz viel Holz und etwas Industrie-Chic mit einem warmen Cheminé. Kaum vorstellbar, dass das Haus nur rund 100 Jahre alt sein soll und sich hier zuvor eine Autowerkstatt befunden hat.

Online-Faktor
***von*****
Die Seite ist visuell sehr stimmig und enthält zahlreiche Bilder, um sich einen ersten Eindruck verschaffen zu können. Die Menükarte fehlt aufgrund des Konzeptes mit einem Überraschungsmenü ebenso wie das Team, einsehbar ist hingegen die Weinkarte. Hilfreich wäre es, nicht nur per Onlineformular eine Reservationsanfrage erstellen zu können, sondern auch eine Übersicht zu freien Zeiten zu sehen.

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 11.30 bis 14.00 Uhr und 18.00 bis 23.30 Uhr
Freitag 11.30 bis 14.00 Uhr 18.00 bis 00.30 Uhr
Samstag 18.00 bis 00.30 Uhr
Sonntag 10.00 bis 14.00 Uhr

Adresse:
Restaurant Grottino 1313
Industriestrasse 7
6005 Luzern
Tel. 041 610 13 13
Mail: [email protected]

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