«Gartenhaus 1313»: Auf Weltreise an der Luzerner Lindenstrasse
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Das «Gartenhaus 1313» in Luzern. (Bild: chu)

Restaurant-Test «Gartenhaus 1313»: Auf Weltreise an der Luzerner Lindenstrasse

5 min Lesezeit 14.11.2020, 11:03 Uhr

Mit einem neuen Konzept ging das «Gartenhaus 1313» diesen Herbst an den Start. Statt Hackbraten und Kartoffelstock steht nun eine «lokal inspirierte Küche mit internationalem Flair» auf der Karte. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, dies sind dafür bis zu neun kreative Kombinationen. Wir haben die angebotene Weltreise absolviert.

Viele kennen es aus Frankreich, das Touristenmenü. Vorteil: Einfache Auswahl und es lassen sich mehrere Gänge probieren. Warum also dem Gast nicht die Qual der Wahl abnehmen, zumal Menüs für die Küche besser kalkulierbar sind und so einen Beitrag gegen Foodwaste leisten.

Dies hat man sich auch im «Gartenhaus1313» gesagt, das bisher sehr erfolgreich für Grossmutters Küche stand. Seit der Wiedereröffnung diesen Herbst bekocht man die Gäste an der Luzerner Lindenstrasse nun international. Verunmöglicht Corona Weltreisen, sollen die Ausflüge in die Fremde wenigstens auf dem Teller stattfinden können. Eingeschränkt wird dabei zwar die Auswahl, keineswegs aber die Kreativität.

Mit oder ohne Fleisch am Mittag

Am Mittag stehen zwei Menüs à 22 Franken zur Auswahl, eines fleischlos. Bei unserem ersten Besuch im Gartenhaus wurde ein gelbes Poulet-Curry serviert, dazu Suppe und Salat. Der Salat kam ganz 1313-konform in der grossen Schüssel zum Teilen, das Fleischmenü wurde darüberhinaus mit einigen Versucherlis des Vegi-Menüs aufgepeppt.

Aufwändiger geht es am Abend zu und her. Wir werden beim anonymen Testessen im oberen Stockwerk platziert, wo das Ambiente etwas eleganter ausgefallen ist als im charmant-rustikal eingerichteten Erdgeschoss. Auffallend: Wir gehören für einmal zum älteren Drittel der Besucher, werden aber ebenso wie die übrigen Gäste munter geduzt – ganz Rucksackreisende halt, die hier aber Corona-konform ganz brav am eigenen Tisch bleiben. Serviert werden drei Gänge mit wahlweise sechs Speisen (Kurztrip) oder neun Produkten (die sogenannte Weltreise). Ausserdem kann eine zu jedem Gang passende Weinbegleitung geordert werden.

Abends via Orient nach Asien

Der Gruss aus der Küche lässt noch einmal geschmackliche Erinnerungen ans Bräteln im Wald im schon wieder vergangenen Sommer aufkommen: ein flambiertes Marshmallow mit Curry und Sesammantel. Ebenso kreativ fällt der erste Gang aus: Blumenkohlhummus mit Federkohl, ausserdem «Gartenhaus»-Salat mit Quinoa und Popcorn sowie eine Kokoscurry-Suppe mit Kürbiseinlage. Dazu wird Pitabrot serviert. Wir überfliegen also schon einmal den Orient und machen in Asien die erste Zwischenlandung. Besonders das Hummus und der intensiv schmeckende Kürbis haben es uns hier angetan. Doch auch das Popcorn im Salat sind durchaus spannend und eine gute Inspiration für Gäste zuhause.

Für den Hauptgang folgt dann die kurze Rückreise in die Alpen, serviert wird ein perfekt gebratenes Hirschschnitzel aus Österreich mit Preiselbeersauce, Spätzli und intensiv gewürztem Rotkraut – zusammen mit der sämigen Sauce für mich als Wildliebhaber ganz klar einer der Höhepunkte des Abends. Eigentlich wäre man danach schon zufrieden, doch da stehen noch Schälchen mit einem Saibling auf Petersilienwurzgemüse sowie, um die Weltreise mit dem dritten Produkt voll zu machen, eine geschmorte Aubergine auf dem Tisch.

Munteres Durcheinander

Serviert werden alle Speisen eines Ganges gemeinsam, was die Kombination und Abfolge bei so unterschiedlichen Geschmäckern nicht ganz einfach macht. Bedient man sich erst beim intensiven Wild oder doch eher beim delikaten Fisch? Wir folgten ganz einfach der Lust und schlemmen uns durch die Töpfe, das kann ja so falsch nicht sein.

Eigentlich wären wir nun schon schön satt, doch unsere Reise führt nun zum Zuckerbäcker. Da wäre einmal das Pannacotta mit Quittenkompott. Wer die völlig zu Unrecht oft verschmähte Quitte serviert, hat bei mir sowieso gewonnen. Der herbe Charakter der harten Steinfrucht passt perfekt, und auch das servierte Kokosglace mit Kurkuma bietet viel Exotik. Den gestürzten Apfelkuchen mit gesalzenem Caramelmousse haben wir uns dann zum Kaffee aufgespart.

Preis/Leistung
Das Mittagsmenü ist mit 22 Franken wohl eher an der oberen Grenze für den täglichen Besuch. Für Suppe, Salat und Hauptgang und die hohe Qualität ist dieser Preis aber durchaus angemessen. Die Weltreise abends schlägt mit 78 Franken zu Buche, der Kurztrip mit 3 Mal 2 Speisen mit 54 Franken. So viel kulinarisches Erlebnis für diesen Preis ist schon fast ein Schnäppchen, zumal das einfachere Menü mehr als satt macht. Die Weinkarte fällt mit Weinen aus der Schweiz, Italien und Spanien übersichtlich aus.
**** von *****

Service
Eine klare Note 6. Die Bedienung hat sich an unseren vorhergehenden Besuch erinnert und glänzt mit einer persönlichen Note. Der handschriftliche Gruss auf der Rechnung und die Verabschiedung an der Türe waren dabei nur Tüpfelchen auf dem i. Bei der Bestellung wird nach Allergien und Unverträglichkeiten oder Abneigungen gefragt.
*****von*****

Ambiente
Das Lokal wird für seine trashig-schick-antike Kreativeinrichtung zu Recht gelobt. Man kann sich kaum stattsehen. Zahlreiche schöne Details, sorgsam zusammengetragenes Mobiliar, aufwändige Kerzenhalter oder Wasserkaraffen mit Zitrone und Pfefferminze und abwechslungsreiches Geschirr sorgen für das visuelle Erlebnis.
***** von *****

Corona-Umsetzung
Der Besuch fast just zum Zeitpunkt neuer verschärfter Massnahmen statt. Die Massnahmen werden soweit ersichtlich eingehalten und Gäste werden dezent auf die Maskentragpflicht hingewiesen. Trennscheiben und andere bauliche Massnahmen waren keine sichtbar.
****von*****

Online-Auftritt
Kurz und knapp: Einfach gehaltener Online-Auftritt mit zahlreichen visuellen Eindrücken auf einer Seite. Das Konzept kann als einfache Zeichnung als .pdf geladen werden, Möglichkeit der Online-Reservation.
*** von *****

Öffnungszeiten:
Montag–Donnerstag: 11.30 bis 14.00 und 18.00 bis 23.00 Uhr
Freitag: 11.30 bis 14.00 und 18.00 bis 00.30 Uhr
Samstag: 18.00 bis 00.30 Uhr

Adresse:
Gartenhaus 1313
Lindenstrasse 21
6015 Luzern
Tel. 041 240 25 65

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