Die Quartierbeiz, die am Wochenende geschlossen ist
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Das Umfeld hat sich grundlegend verändert, der Bären ist geblieben. (Bild: hch)

Restaurant Bären, Zug Die Quartierbeiz, die am Wochenende geschlossen ist

3 min Lesezeit 09.05.2014, 17:38 Uhr

Das Guthirt-Quartier hat sich gewandelt, doch das Restaurant Bären ist geblieben. Bei unserem Besuch in einer der letzten Zuger Quartierbeizen zeigt sich: Der Zigarrenrauch von früher hat sich verzogen, gekommen sind jüngere Gäste, die traditionelles Essen zu schätzen wissen.

Eine echte Quartierbeiz in Zug? Ja, die gibt es noch, zumindest wenn man Bewertungsplattformen wie Tripadvisor Glauben schenken mag. Die begeisterten englischsprachigen Einträge stimmen vor dem Besuch zwar etwas skeptisch. Doch alle Befürchtungen nach Touristennepp sind verflogen, tritt man in die Gaststube. Zwar machte der Zigarrengeruch aus der Jugendzeit nun einem intensiven Fleisch- und Pommes-Frites-Geruch Platz. Doch sonst zeigt sich der Bären noch ganz wie zu früheren Zeiten, als die Arbeiter aus der alten «Verzinki», der «Metalli», von der benachbarten Brennerei Etter oder der Landis & Gyr an den langen Tischen ihren Jass klopften und der Satus im Stübli seine GV abhielt.

Gute, bodenständige Karte

Jassende Gäste trafen wir auch bei unserem Besuch an einem Freitagabend an. Die Mehrzahl der Gäste erschienen jedoch zum Essen. Die Karte ist umfangreich, es dominieren Schweizer Klassiker. Oder zumindest das, was gemeinhin als Schweizer Klassiker verstanden wird. Nur wenige hundert Meter entfernt gab es bei mir zuhause jedenfalls höchstens an Festtagen Fondue, Züri-Geschnetzeltes, Kalbsleber, Schweinsfilet, Entrecôte oder Cordon Bleu. Bei Letzteren darf zwischen sechs Füllungen gewählt werden, im Grundsatz bleibt man im Bären aber rustikal. Nicht ein Edles vom Kalb soll es sein, der Arbeiter bevorzugt dasjenige aus Schweinefleisch.

Wir entschieden uns indessen für eine andere Bären-Spezialität, das Tisch-Cheminée. Der dazu gehörende gemischte Blattsalat war nett ergänzt mit Rettich, Gurken und Rüebli, beim Hausdressing überrascht die Passionsfruchtnote positiv. Und auch das dazu gereichte Brot gemahnt an die Tradition.

Das Tisch-Cheminée selbst besteht aus einer Feuerschale, auf der durch den Gast Fleisch-, Poulet- oder Crevettenspiesse gebraten werden. Unsere Sonderwünsche wurden von der aufmerksamen und freundlichen Bedienung mit einem Lächeln entgegengenommen und fanden auch auf der Rechnung keinen Niederschlag – ein solches Verhalten begeistert selbst anspruchsvolle Gäste.

Preismodell für Vielesser

Etwas Stirnrunzeln verursacht jedoch das Preismodell bei den Spiessen. Die ersten drei zu je 70 Gramm sind neben dem Salat und einer Ofenkartoffel im angemessenen Preis von 42 Franken inbegriffen. Für jeden weiteren Spiess gelangt ein degressives Preismodell zur Anwendung, das bei 11 Franken startet und bei 5 Franken endet. Unter dem Motto «iss bis es gratis ist» kostet das Fleisch ab dem 8. Spiess oder 490 Gramm also nichts mehr. Dieselbe Logik wird beim vegetarischen Part, den Gemüsespiessen angewandt.

Wir begnügten uns mit dem Grundangebot und sind dabei sehr gut gefahren. Dazu gab es einen gut passenden Douro im Offenausschank. Überhaupt fallen die Preise bei den offenen Weinen von vier bis fünf Franken ungewöhnlich positiv auf, während sich die Flaschenweine eher auf bekanntem Zuger Niveau bewegen.

Wer es noch etwas rustikaler mag, findet sich zu einer Spezialitätenwoche oder der Stubete ein, die an einem Freitag im Monat durchgeführt wird. Und ganz schön anstrengend sein muss. An den Wochenenden nämlich ruht sich das Bären-Team aus. Eine echte Quartierbeiz halt.

Preis
Gutes Preis-Leistungsverhältnis.
**** von *****

Qualität
Gut. Die Saucen schmecken, saisonaler Salat.
****
von *****

Service
Freundlich, aufmerksam, geht auf Sonderwünsche ein.
***** von *****

Ambiente
Rot-weisse Tischtücher und etwas mehr Dekoration als früher, sonst schummrig wie in der Kindheit. Bravo!
**** von *****

Online-Faktor
Nach längerer Überarbeitung verfügt der Bären nun auch eine stimmungsvolle Webseite. Ansprechende Bilder, aktuelle Speise- und Getränkekarte, Einbindung von Events und Social Media und dann auch noch mobilgerecht.
***** von *****

Restaurant Bären
Baarerstrasse 30
6300 Zug
Tel: 041 711 09 43

Öffnungszeiten:
09.00-14.00, 16.30-23.30 Uhr.
geschlossen am Samstag, Sonntag

Während der Spezialitätenwochen – wie Weiss-Blaue Wochen oder Rot-Weisse Wochen ist der Samstag ab 16.30 Uhr geöffnet.

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