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Restaurant-Test

«Caravelle» Luzern: Der Italo-Oldtimer fliegt noch immer

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Italienisch, Schweizerisch
  • Ambiente Traditionell
Das «Caravelle» liegt hinter dem Bourbaki, sozusagen in der zweiten Touristenreihe. (Bild: hch)

Seit 1968 besteht das «Caravelle» in Luzern – so sind es neben Touristen vor allem Stammgäste, die sich auf eine zeitlose italienische Küche einlassen. Wir haben uns für einen Test dazugesetzt. Fazit: Der Italo-Oldtimer ist weder Tiefflieger noch Senkrechtstarter, sondern liegt stabil und ruhig in der Luft.

Mit der «Caravelle» verbinden ältere Semester zwei Ereignisse: die Anschaffung des ersten Düsenjets der Swissair und den Absturz der voll besetzten Maschine 1963 bei Dürrenäsch. Dass es ein gleichnamiges Restaurant gibt, ist selbst vielen Luzernern nicht bekannt. Dabei besteht das Lokal seit 1968. Und auch die heutigen Betreiber, die Brüder Adil und Qani Limani, sitzen hier seit 20 Jahren zusammen im Cockpit.

Optisch unauffällig finden wir das «Caravelle» hinter dem Bourbaki in einem gesichtslosen Wohnblock an der Luzerner Touristenmeile. Das Lokal ist an diesem regnerischen Montag nicht allzu gut besucht – als hätte es noch eines Beweises bedurft, dass dieser Wochentag für Restaurants nicht der beste ist. Einige Touristen, namentlich bekannte Stammgäste und natürlich wir selbst, sind aber dankbar, erholt sich nicht die ganze Branche am selben Tag. Gut zu wissen auch, dass es im «Caravelle» durchgehend warme Küche gibt, falls einen nachmittags mal der Hunger überkommt.

Speisekarte ist umfangreicher Lesestoff

Auf der Tageskarte sind vier Menüs aufgeführt. Ausserdem steht das À-la-carte-Angebot zur Verfügung. Und das hat es in sich. Während sich minimalistische Lokale tagsüber auf zwei Mittagsmenüs beschränken, stehen hier alleine auf der normalen Karte nicht weniger als 23 Primi Piatti. Zusammen mit Fleischgerichten, italienischen Saisonspezialitäten und Pizzen ist dies eine ganz schöne Auswahl.

Und da man offenbar auch als Italiener an touristischer Lage Chügelipastetli, Zürcher Geschnetzeltes, Cordon bleu, Bratwurst und Co. anbieten muss, erinnert die umfangreiche Speisekarte fast schon an einen Vertrag mit der FIFA. Die Gäste scheinen das Konzept zu bestätigen und ordern an unseren Nebentischen munter die Schweizer Standard-Gerichte.

Vom Angebot etwas erschlagen, bleiben wir bei den übersichtlicheren Saison- und Tagesangeboten. Mittags wird zu sämtlichen Gerichten ein kleiner Tagessalat serviert, der an diesem Tag aus etwas Rüebli- und Blattsalat besteht, es kann zwischen den beiden bekannten Saucen gewählt werden. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, der Hauptgang folgt auch schon ohne viel Federlesen.

Spannend: Pizza mit Schweinebraten

Die Pizza Ariccia – ich habe es wohl korrekt ausgesprochen, der Kellner versteht die Bestellung auf Anhieb – benennt auch gleich die wichtigste Zutat: Schweinebraten. Schon die alten Römer sollen Rollbraten aus diesem Ort genossen haben. Neben dem aromatischen Fleisch finden sich unter anderem intensive ligurische Oliven und Walnusskäse auf dem dünnen Teig. Eine nicht alltägliche Kombination, die zeigt, was ein fantasievoller Pizzaiolo zustande bringen kann.

Die Pizza ist nicht überdimensioniert und der Käse gut dosiert, für ein Mittagessen aber immer noch mehr als ausreichend. Schön auch, dass Pfeffermühle und Chiliöl ohne Nachfrage auf den Tisch kommen und so zusammen mit der Hügli-Streuwürze ein Gewürz-Trio wie in längst vergangenen Zeiten bilden.

Maximalnote mit kleinem Abzug

Von der Tageskarte kommt das zweite Gericht, Schnitzel an Zitronensauce mit Pappardelle. Die Original-Scaloppine al limone werden in der Lombarbei zwar vom Kalb serviert, beim Preis eines Tagesmenüs weicht man hier auf Schwein aus. Das Fleisch ist schön scharf angebraten, die Sauce sehr sämig. Das Gericht kommt exakt wie erwartet und würde in der Kochschule wohl mit der Maximalnote 6.0 bewertet werden – wir machen dennoch einen klitzekleinen Abzug für fehlende Individualität und Fantasie der Küche.

Keine Kreativität verträgt es hingegen beim Kaffee danach, und hier ist es glücklicherweise auch ganz der Klassiker aus Italien, der an unseren Tisch kommt.

Fazit: Das «Caravelle» zeigt sich bei unserem Besuch schwer in Ordnung. Das Servierte ist unaufgeregt und solide, bei der gross geratenen Auswahl findet jeder etwas und auch der Service gefällt. Wer mag denn schon Experimente, wenn er im Flieger sitzt. Mehr Kreativität gibt es bei den Namen der Gerichte, so findet man etwa den Salatteller «Madame mit Ei» oder einen «Luzerner Fuhrmanns Salat» (Garnierter Cervelat-Käse-Salat).

Bewertung

Preis/Leistung
****von*****
Die Mittagsmenüs kosten zwischen 21.50 und 24.50 Franken (das Zitronenschnitzel), für die Pizza Ariccia wurden 25.50 Franken verrechnet. Primi Piatti sind zwischen 19.50 und 26.50, selbst die teuersten Fleischgerichte sind noch unter 40 Franken zu haben – für Luzern günstig. Auf der Weinkarte finden sich mehr als zehn offene Weine mit Preisen zwischen 7.20 und 7.80 Franken.

Service
****von*****
Der Service ist unaufdringlich, aufmerksam und freundlich, die Wartezeiten recht kurz. Stammgäste, und davon gibt es trotz der touristischen Lage viele, sind den Kellnern mit Namen bekannt. Gewürze stehen auf dem Tisch bereit und werden ohne Nachfrage gebracht, ebenso wie das Brot zum Salat.

Ambiente
**von*****
Die Einrichtung erinnert an die Gerichte: Sehr korrekt, man vermisst einzig die kreative Note. Seit dem Wirtewechsel vor 20 Jahren hat sich vermutlich wenig verändert. Weisse Tischtücher auch mittags und zahlreiche Caravelle-Bilder an den Wänden, grosse Fensterfronten und grosszügige Einbauspots sorgen für viel Licht. Eine Online-Bewertung fasst es so zusammen: «Ich finde das Interieur dieses Restaurants immer noch hässlich … aber sehe gerne darüber weg, weil man hier einfach wunderbar isst und sehr gut bedient wird!»

Online-Faktor
***von*****
Man wird mit einem Bild einer Swissair-Caravelle empfangen – wie könnte es auch anders sein. Sonst bleibt es schlicht und übersichtlich, Reservationsanfragen werden per Online-Formular entgegengenommen. Speise- und Getränkekarten sind zum Download vorhanden, nicht aber die Tagesmenüs.

Zum Schluss gibts wie üblich die Rechnung.

Caravelle

Adresse:
Denkmalstrasse 2
6006 Luzern

Telefon:
041 410 74 64

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 11 bis 22 Uhr (durchgehend warme Küche)
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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