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Restaurant-Test

«Cara Mia» Luzern: Kann dieser Italiener das «Nix» ersetzen?

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Italienisch
  • Ambiente Rustikal
Viel hat sich trotz des Wechsels zum «Cara Mia» von aussen nicht verändert, selbst der i-Punkt hängt noch vom «Nix». (Bild: hch)

Zäsur im «Nix» am Luzerner Reusssteg: wo Nikki Schwethelm während 18 Jahren seine Gäste begeisterte, wird seit kurzem Pizza und Co. serviert. Wir haben das Ristorante Cara Mia, das mit gehobener italienischer Küche aufwarten möchte, getestet. Und standen viel schneller als erwartet wieder auf der Strasse.

Bei der Übernahme des stadtbekannten Restaurants Nix war für den neuen Besitzer Gökhan Temizmermer klar: «Die Seele von Nikki Schwethelm bleibt im Lokal erhalten.» Klar war auch, dass er hier ebenso wie in seinem anderen Lokal «Made in Sud» auf Italianità setzen wird.

Die neue Ausrichtung zeigte sich denn auch beim Besuch. Statt regionalen Nose-to-tail-Gerichten auf der Schiefertafel sind auf der gedruckten Karte nun italienische Klassiker gelistet. Anstelle von Flammkuchen, an denen Temizmermer letzten Herbst noch festhalten wollte, finden Freunde des belegten Teigs nun Pizzen. Gleich geblieben ist hingegen die Einrichtung.

Französische Salatsauce im Ristorante? Non si fa!

Auch wenn viele inklusive uns dem «Nix» nachtrauern mögen (zentralplus berichtete): Glücklicherweise passt auch die italienische Küche fast immer. Zur Auswahl stehen an diesem Mittag: Spaghetti Carbonara, Spareribs mit Peperonata oder eine Pizza nach Wahl. Zum voraus gibt's einen grünen Salat oder eine Minestrone.

Eine scheu hochgezogene Augenbraue erntet die Bedienung bei der Frage nach der Salatsauce, italienisch oder ... französisch. Französisch beim Italiener? Übertroffen wird das noch, als meine Begleitung das Angebot annimmt. Cara Mia! Non si fa!, das macht man nicht, Schätzchen, wie man in Italien zu hören bekäme.

Wobei die Saucenwahl keinen grossen Einfluss aufs Erlebnis hatte. Meine Kopfsalatblätter wurden im Rotweinessig geschwenkt, jene meiner Begleitung in einer etwas klassischen weissen Sauce. Beide garniert mit einigen Tomatenstücken, die so schmeckten, wie Tomaten im Winter halt schmecken: nach nichts. Das servierte Pizzabrot war noch leicht warm, wir freuten uns dennoch auf den Hauptgang.

Der Anblick der flugs servierten Pizza Vegetaria tröstete über den Salat hinweg. Frühling im Teller, so muss eine Pizza aussehen. Farbenfroh, mit Auberginen, Peperoni, Basilikum, Champignons, Zucchetti und etwas Knoblauch, das Ganze auf einem luftigen, dünnen, perfekt gebackenen Teig. Pizzaiolo Alessandro versteht sein Geschäft. Vegetarische Pizzen kann man mit oder ohne Mozzarella zubereiten – im «Cara Mia» hat man sich für die zweite Variante entschieden. Da ich dazu neige, den in diesem Fall übergrossen Pizzarand stehen zu lassen, bleibt es bei einem sehr leichten Mittagessen.

Den Pizzarand für die Wasserpfeife

Doch was wird in Zeiten der Foodwaste-Vermeidung aus dem übriggebliebenen Rand? Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards hätte da eine Idee: In seiner Autobiografie soll er beschrieben haben, wie er den Teig zusammen mit Muammar al-Gaddafi in der Wasserpfeife geraucht habe. Das soll sich 1979 in Gaddafis Beduinenzelt hinter einer Autobahnraststätte beim italienischen Udine zugetragen haben. Richards dazu: «Danach glühst du wie ein Holzofen!»

Zurück in die Gegenwart, und da kommt im «Cara Mia» eine ziemlich perfekte Carbonara auf den Tisch. Die Pasta ist perfekt und leicht bissfest, der Bauchspeck schön kross gebraten und das Eigelb gibt dem Ganzen zusammen mit dem schwarzen Pfeffer eine ideale Farbe. Ein Löffel wird korrekterweise nicht gebracht, denn Spaghetti mit Löffel essen rangiert gar noch über der Sünde, in einem italienischen Restaurant eine französische Salatsauce zu verlangen: Non si fa, Cara Mia!

An dieser Stelle bemängeln wir immer wieder mal, wenn die Wartezeit gar lange gedauert hat. Das war bei unserem Test hier nicht der Fall, im Gegenteil. Nach einem abschliessenden Espresso waren wir in weniger als 45 Minuten bereits wieder an der frischen Luft. Das passiert uns auch nicht alle Tage!

Bewertung

Preis-Leistung:
*** von *****
Im Zentrum von Neapel kostet die Pizza häufig weniger als der Parkplatz – hierzulande verhält es sich in aller Regel umgekehrt. Das ist auch im «Cara Mia» nicht anders. Unsere Mittagsmenüs kosteten inklusive Salat oder Suppe je 20 Franken. Teurer wird es abends, da kosten Pizzen in der neuen Dependance gegen 20 Prozent mehr als im eher preiswerten «Made in Sud». Die Preise reichen hier von 18 bis 34.50 Franken. Vorspeisen und Primi Piatti sind eher etwas hochpreisig, Fleischgerichte wie Saltimbocca oder Rindsfilet entsprechen gutem Luzerner Durchschnitt.

Service:
**** von *****
Auf der Webseite wird etwas gar dick aufgetischt: «Jeder Gast ist ein Familienmitglied und damit ein Teil unseres Herzens». Der überhohe eigene Anspruch konnte naturgemäss nicht erfüllt werden. Chiliöl und Pfeffermühle fanden ohne Nachfrage den Weg an den Tisch. Die Bedienung war speditiv, aufmerksam und nett, hatte an diesem Mittag allerdings auch nur wenige Gäste zum Bedienen.

Ambiente:
*** von *****
Im Innern sind noch Mauerreste aus dem frühen 15. Jahrhundert zu sehen, draussen sitzt man an der Reuss: Das sind optimale Voraussetzungen für eine Wohlfühl-Umgebung. Hingen hier früher grosse Menütafeln und Bilder, sind die Wände nun kahl, auf den Tischen liegen Papiergedecke statt weisse Tischtücher. Um als echtes Schätzchen durchzugehen, fehlt dem «Cara Mia» drei Monate nach der Eröffnung noch ein wenig die Dekoration.

Online-Auftritt
*** von *****
Speise- und Getränkekarten, Lageplan, Online-Reservation und einige Impressionen, die für sich sprechen: Auf der Webseite ist alles Wichtige vorhanden, wenn auch einzelne Inhalte etwas gesucht werden müssen.

Zum Schluss die Rechnung, auch im «Cara Mia».
Zum Schluss die Rechnung, auch im «Cara Mia». (Bild: hch)
Verwendete Quellen
  • Testbesuch
  • Frühere Berichte bei zentralplus
  • Pro & Contra zum Pizzarand in «Der Standard»

Cara Mia

Adresse:
Reusssteg 9
6003 Luzern

Telefon:
041 554 02 70

E-Mailadresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag 11.30 – 14.00 Uhr und 17.00 – 23.00 Uhr
Freitag 11.30 – 14.00 Uhr und 17.00 – 00.00 Uhr Samstag 11.30 – 00.00 Uhr
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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