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Restaurant-Test

Bellini Luzern: Deftige Tessiner Küche in dritter Generation

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • Preiskategorie●●●●●●
  • Küche Schweizerisch
  • Ambiente Modern
Seit 1974 wird im Bellini Luzern, das früher nur Locanda Ticinese hiess, die Tessiner Küche zelebriert. (Bild: hch)

Wen im Winter die Sehnsucht nach dem Tessin befällt, findet mit dem «Bellini» in Luzern eine kulinarische Ersatzlösung. Besonders gut gefallen haben uns beim Test die authentischen Produkte und die kreative Küche. Wobei man es damit auch etwas zu gut meinen kann.

Ganz neu ist das Tessiner Restaurant nicht für uns. Besonders, wenn man an den Aussentischen beim Vögeligärtli den Sommer geniessen kann, geniesst man hier gerne etwas  Feines aus der Apéro-Karte – und wird so vielleicht auch dem Namen Bellini gerecht.

Der namensgebende Cocktail stand an diesem regnerischen Tag im «Dicembar», wie es in der Karte so schön im Tessiner-Dialekt steht, nicht auf unserer Liste. Stattdessen waren es drei Mittagsmenüs, eine Pizza sowie eine Liste von fünf A-la-Carte-Angeboten. Die Wildsaison war leider schon vorbei, Chef Alexander Pedrazzetti, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt, sorgt im Herbst als Jäger immer wieder für Nachschub aus dem Pilatus-Gebiet.

Satt durch den Winter

Ich bleibe an diesem Mittag bei der vegetarischen Version der Malfatti, der Bellini-Hausspezialität. Dabei handelt es sich um Spinat-Ricotta-Gnocchi mit gerösteten Pinienkernen, die mit Salbeibutter serviert werden. Das Gericht macht aus jedem Gast einen Popeye, die Pasta kommt mit dem Spinat nicht nur in einem intensiven grün, sondern schmeckt auch überraschend kompakt.

Zusammen mit einer beträchtlichen Menge der hochwertigen Pinienkerne und viel Butter bringt dieses Menü auch hungrige Gäste durch den Winter. Die Malfatti wären auch noch mit Luganighetta zu haben, einer Tessiner Schweinswurst. Ich war jedoch ganz glücklich mit der fleischlosen Ausführung, mehr Zutaten wären übertrieben.

Überhaupt wird in der Locanda Ticinese, wie das Lokal bis zum Umbau vor rund 20 Jahren hiess, nicht gespart. Bekanntlich ist das Tessin abseits der Touristenströme ein landwirtschaftlich geprägter Kanton, der seinen Bewohnern einiges abverlangt. Da hat man es auf dem Teller gerne etwas grosszügiger. Was manchmal auch etwas zuviel des Guten sein kann.

Zu viel des Guten

So erhielt meine Begleitung zum gebratenen Lachs ein Erbsenrisotto mit Schalotten und Chorizo. Die scharfe Wurst übertönte jedoch das Aroma des hervorragenden Fisches, so dass man sich hier eher eine Paella gewünscht hätte. Rundum zufrieden waren wir dafür mit der Gemüselasagne mit Auberginen und Zuchetti, nach der man jeden noch so schroffen Tessiner Berghang besteigen würde.

Auf dem Rückweg vom Berg könnte man gleich einige Zutaten mitbringen. Das «Bellini» kocht nämlich gerne und viel mit ausgesuchten Spezialitäten aus den Tessiner Tälern. So ist auf der wunderbaren Speisekarte immer auch die Herkunft der Produkte beschrieben, etwa Käse aus dem Val Bavona, aus dem Piora-Tal mit dem Ritóm-Stausee oder aus dem Valle di Muggi. Als geröstetes Maismehl wiederum wird «Farina bona» aus dem Onsernone-Tal verwendet.

«Ragù da manz Dexter dall’Entlebuch»

Wer gerne mal zu Fuss in der Schweiz unterwegs ist, vor dem läuft beim Studium der Karte im trüben Luzerner Winter gleich ein Kopfkino ab – und für alle anderen lohnt es sich aufgrund der Bilder und der schönen Sprache. Wer Bezeichnungen wie «Züppa da zücca e mascarpon» oder «Ragù da manz Dexter dall’Entlebuch» nicht gleich versteht oder bei «Composta da fic cun gelat da lacc» Feigenkompott mit gefrorenem Seewasser vermutet, findet immer gleich die deutsche Übersetzung.

Auch wenn wir am Mittag verzichten mussten, darf ein Wort zum Wein nicht fehlen. Der schöne Weinkeller kann auch zum Essen gebucht werden, zu finden sind hier ausschliesslich Gewächse aus dem Tessin und Italien. Neben einem sehr grossen Angebot aus dem Sopra und dem Sotto Cenerì findet man natürlich verschiedene Tropfen aus dem Malcantone, ausserdem zahlreiche, auch exklusive Italiener. Schöne, ausführliche Beschreibungen bringen die Produzenten und ihre Produkte näher. Im Offenausschank stehen vier Rote und Weisse, ebenfalls fast alle aus dem Tessin.

Bewertung

Preis-Leistung
Für Luzern etwas hoch, jedoch auch mit ausgesuchten Zutaten. Aufgrund von Preiserhöhungen der Kleinproduzenten hat das Lokal kürzlich seine Preise erhöht. Die Malfatti standen für 28 Franken auf der Karte, der bestellte Menüsalat kostete weitere 4 Franken. Die Menügerichte wurden für 21 (vegetarische Lasagne) und 30 Franken (Lachs) mit Suppe oder Salat serviert. Für das Mittagessen waren die Portionen grosszügig.
**** von *****

Service
Die Produkte sind frisch – das spürt man teilweise bei den Wartezeiten. Obwohl das «Bellini» bei unserem Besuch nicht sonderlich gut frequentiert war, dauerte es für ein Mittagsmenü, bei dem es rasch gehen sollte, doch recht lange. Der Service war freundlich und präsent, auch schon wurden wir eher unfreundlich darauf hingewiesen, dass das Laden eines Handys nicht erlaubt sei (zentralplus berichtete).
**** von *****

Ambiente
Wir sind dankbar, dass die Locanda auf jeglichen Tessiner Kitsch und Grotto-Flair verzichtet. Draussen findet man sich im Vögeligärtli unter Bäumen, drinnen ist im Winter Gemütlichkeit mit viel Holz und gepflegtem Ambiente angesagt. Die Gewölbe- und Holzdecken sorgen zusammen mit der Aufteilung in mehrere unterschiedlich eingerichtete Räume für Privatsphäre im mit 150 Sitzplätzen recht grossen Lokal. Gruppen finden ausserdem im Weinkeller Platz.
***** von *****

Online-Faktor
Das Bellini muss sich den Internetauftritt zusammen mit dem Hotel Continental teilen. Hat man den Restaurantbereich erst entdeckt, findet sich ein breites Angebot mit einer sehr stimmigen Vorstellung der verschiedenen Räume, Speise- und Getränkekarten sowie ein Shop mit ausgesuchten Tessiner Produkten. Online-Reservationen in Echtzeit.
**** von *****

Die Rechnung kommt auch im Bellini am Ende.
Die Rechnung kommt auch im Bellini am Ende. (Bild: hch)

Bellini Locanda Ticinese

Adresse:
Murbacherstrasse 4
6003 Luzern

Telefon:
041 228 90 50

E-Mail-Adresse:
[email protected]

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 09 bis 23 Uhr
Karte
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So isst zentralplus – Vom Gourmet bis zum Fast-Food – der eat’n drink-Blog befasst sich mit alltäglichen und besonderen gastronomischen Erlebnissen aus den Kantonen Zug und Luzern.
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