Erstaunlich globalisierte Welt seit der Steinzeit
Zuger Rohstoffhandel hat eine jahrtausendealte Tradition

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Schon für die Menschen der Urgeschichte waren Rohstoffe unverzichtbar, wie diese Zeichnung von Kupfergiessern bei der Arbeit zeigt. (Bild: Bunterhund Illustration)

Dass Zug einer der weltweit grössten Handelsplätze für Rohstoffe ist, erstaunt. Denn ausser Kies bestehen in der Zentralschweiz keine nennenswerten Vorkommen. Dennoch ist der Rohstoffhandel in der Zentralschweiz seit der Steinzeit ein Thema.

Der Kanton Zug profitiert als Standort zahlreicher internationaler Rohstofffirmen seit den 1960er-Jahren enorm vom Handel. Das Thema ist jedoch nicht neu, denn mit Rohstoffen wird seit der Steinzeit gehandelt.

Die Entdeckung neuer Rohstoffe und die Mobilität waren Triebfeder für den Handel und den technischen Fortschritt. Fundstücke aus urgeschichtlichen Fundstellen der Zentralschweiz belegen, dass in Europa seit Jahrtausenden weitreichende kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen bestehen.

Wo werden in der Stadt Zug welche Rohstoffe gehandelt?

Macht- und Konfliktpotenzial

Die meisten archäologischen Funde bestehen aus Materialien, die bis heute wichtige Rohstoffe darstellen. Holz, Knochen und Geweih waren wohl die wichtigsten Werkstoffe der altsteinzeitlichen Jäger und Sammlerinnen. Allerdings haben sie sich nur selten erhalten, Werkzeuge aus Feuerstein und Felsgestein hingegen schon. Die archäologischen Funde spiegeln die Entwicklung der verwendeten Rohstoffe wider. Dabei sind manche davon gar namengebend für prähistorische Epochen: Steinzeit, Kupferzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.

Hinsichtlich der gesellschaftlichen Entwicklung veränderten der strapaziöse und technisch aufwendige Bergbau sowie die arbeitsintensive Verarbeitung der Rohstoffe zu Werkzeugen und Waffen die Gesellschaftshierarchien entscheidend. Rohstoffgewinnung und technisches Know-how verhalfen einzelnen Regionen zu Macht und Reichtum und beeinflussten das soziale Gefüge, riefen aber auch Konflikte hervor.

Stahl der Steinzeit

Für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen brauchte es Feuersteingerölle von guter Qualität. Diese sind besonders hart und brechen wie Glas. Feuersteingerölle kommen in Kalkgesteinen vor, beispielsweise im Jura. Von der Zentralschweiz aus liegen die nächsten Vorkommen an der Lägern bei Otelfingen und bei Olten. Sie sind somit 35 bis 45 Kilometer von Zug entfernt und in ein bis zwei Tagesmärschen erreichbar.

Um grosse und äusserst geeignete Klingen herzustellen, wurde Feuerstein aus Norditalien, Zentral- und Westfrankreich oder der Region München importiert. So konnten im Wauwilermoos und anderen Zentralschweizer Seeufersiedlungen Feuersteindolche nachgewiesen werden, deren Rohstoff aus Hunderten von Kilometern Entfernung stammt.

Ein europäisches Handelsnetz entsteht

Die erste von Menschen hergestellte Metalllegierung war Bronze, eine Mischung aus Kupfer und Zinn. In der Schweiz kam diese gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. auf. Ihre Verarbeitung setzte grosses Spezialwissen über Metalle, Gusstiegel, Gussformen und den Umgang mit grosser Hitze voraus.

Im Zuge der Bronzetechnologie entstand ein überregionales Handelsnetz: Kupfer wurde in den Ostalpen abgebaut und Zinn musste von der Bretagne, Südengland, Iberien oder dem Erzgebirge importiert werden. Vom Sempachersee (Sursee-Gammainseli) stammt ein ganz besonderer Fund: der einzige bronzezeitliche Zinnbarren aus Kontinentaleuropa!

Über das Handelsnetz der Bronzezeit handelte man aber auch rege mit Luxusgütern. So wurden beispielsweise Bernsteinperlen von der Ostsee, blau-weisse Glasperlen aus einer norditalienischen Werkstatt in Frattesina, Armringe aus Sapropelit (verfestigter Faulschlamm) von der Schwäbischen Alb oder dem Elsass und Bergkristalle aus den Alpen importiert.

Eisen, härter als Bronze

Eisen tauchte in Mitteleuropa erstmals um 800 v. Chr. auf. Der neue Werkstoff war zwar aufwendig zu gewinnen und schwer zu verarbeiten, aber fast überall verfügbar. Zudem war er viel härter als Bronze und somit besser für Werkzeuge und Waffen geeignet. Verblüffend schnell – innerhalb von etwa 100 Jahren – verdrängte das Eisen deshalb die Bronze.

Eine wichtige Neuerung der Eisenzeit betraf die Geldwirtschaft: Münzen wurden als Tausch- und Zahlungsmittel ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. anerkannt. Dadurch wurden die Edelmetalle Silber und Gold sehr kostbar und Regionen mit Edelmetallvorkommen reich. Aber auch Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum gewannen an Bedeutung. Vor allem Wein und Olivenöl wurden nördlich der Alpen zu beliebten Konsumgütern.

Globalisierte Welt à la Steinzeit

Rohstoffhandel ist also nicht neu, er hat in der Zentralschweiz nachweislich eine jahrtausendealte Tradition. Die Menschen der Urgeschichte lebten somit nicht hinter dem Mond, sondern in einer erstaunlich globalisierten Welt. Etliche Rohstoffe für ihre Geräte und Waffen waren damals unverzichtbar und man musste sie von weit her importieren. Es gab aber auch Luxusgüter aus speziellen Materialien, die eingetauscht oder – um die Freundschaft zu erhalten – als Geschenk überreicht wurden. Diese dürften in erster Linie den Status der Besitzerin erhöht haben. So, wie es auch heute noch der Fall ist.

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