Zuger Goldschmiedekunst in Nahaufnahme
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Der geflügelte Löwe – eines der vier Symbole der Evangelisten – ziert den Fuss des ältesten Zuger Reliquiars von 1590. Goldschmied: Nikolaus I Wickart. (Bild Museum Burg Zug)

Zuger Goldschmiedekunst in Nahaufnahme

2 min Lesezeit 21.01.2015, 16:59 Uhr

Ein geflügelter Löwe, ein Teufel auf dem Rücken, ein Riesenfisch, flatternde Silberengel mit güldenen Locken – schon die Zuger Goldschmiede von früher hatten eine blühende Phantasie und einzigartige Feinfertigkeit.

Ein geflügelter Löwe, ein Teufel auf dem Rücken, besiegt vom Erzengel Michael, ein Riesenfisch, flatternde Silberengel mit güldenen Locken – schon die Zuger Goldschmiede aus längst vergangenen Tagen hatten nicht nur eine blühende Phantasie, sie wussten deren Auswüchse auch meisterhaft umzusetzen. Sie versahen Pokale, Monstranzen oder Prozessionsfiguren mit einem eigentlichen Bilderreigen.

Bereits die erste noch erhaltene Monstranz, welche mit Sicherheit aus einer Zuger Werkstätte stammt, schmückte Jakob Wulfflin 1564 mit einer grossen Zahl an gegossenen Figürchen. Frühere Werke aus Zug und deren Aussehen sind leider nicht bekannt, obwohl der erste namentlich bekannte Goldschmied bereits um 1484 nach Zug kam.

Mit dem Stadtwachstum im 15. Jahrhundert und der Reformation und Gegenreformation im 16. Jahrhundert betätigten sich immer mehr Goldschmiede in Zug. Obwohl im Städtchen weit weniger als 1’000 Menschen lebten, fanden drei, später bis zehn Goldschmiede gleichzeitig ein Auskommen. Mit ihrem Können gewannen sie meist kirchliche Auftraggeber in der ganzen Zentralschweiz. Zug überflügelte das viel grössere Luzern an Aufträgen und Werken und gehörte neben Fribourg zum wichtigsten Zentrum der Goldschmiedekunst in den katholischen Gebieten der Eidgenossenschaft.

Ein urzeitliches Tier aus der Serie «Poseidon» des Zuger Goldschmieds André Schweiger, 2011. (Bild Museum Burg Zug)

Ein urzeitliches Tier aus der Serie «Poseidon» des Zuger Goldschmieds André Schweiger, 2011. (Bild Museum Burg Zug)

 

Ihr handwerkliches Geschick und Gespür für die Moden und Stile, die gerade en vogue waren, verdankten die Zuger Goldschmiede ihren Beziehungen nach Augsburg, dem europäischen Zentrum der Goldschmiedekunst, wo nicht wenige ihre Gesellenzeit verbrachten. Erhalten ist das Meisterstück von Johann Ignaz Ohnsorg, der 1682 einen Deckelpokal im Augsburger Stil, aber mit einer Bebilderung mit Motiven seiner Heimat, der Eidgenossenschaft, schuf. Als Meister war er später wieder in Zug tätig.

Die Figuren hatten oft einen biblischen Bezug, zuweilen nahmen sie aber auch profane Themen auf. So bezieht sich der Fisch auf dem Pokal der Unterallmeind-Korporation Arth von 1618 wohl auf einen angeblichen Riesenfisch, der 1509 im Zugersee erblickt wurde und grosses Aufsehen erregt hatte.

Bis um 1800 zierten Wesen und Unwesen zahlreiche Silberschmiedearbeiten, dann zogen sie sich mit dem Ende der Goldschmiedekunst in Zug in die Schränke, Archive und auf Altäre zurück. In der Ausstellung Zug ist Schmuck im Museum der Burg Zug zeigen sich die Fabelwesen für ein halbes Jahr der Öffentlichkeit. Begleitet werden sie auch von ein paar neuzeitlichen Schöpfungen der Phantasie.

Informationen zur Ausstellung: Zug ist Schmuck. 400 Jahre Gold und Silber aus Zuger Werkstätten.

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