Zuger Wandersage über Willisauer Söldner
Wie Willisauer Blutstropfen den Weg nach Menzingen fanden

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Die Geschichte sollte die Zuhörer die göttliche Ehrfurcht lehren und zur Abschreckung bei lästerlichem Fluchen und Spielen dienen. (Bild: illustration von Brigitt Andermatt)

Die Zuger «De verbannti Spiller» erzählt von drei Willisauer Söldnern, die in Menzingen dem Glücksspiel verfallen waren. Über viele Generationen wurde diese niedergeschrieben, mündlich überliefert und weiter ausgeschmückt. In ist sie in einem eindrücklichen Bilderzyklus in der Heilig Blut Kapelle zu sehen.

Drei Willisauer Kriegsgesellen fanden in einem Gasthaus in Menzingen zusammen. Dort haben sie getrunken und ihre Solddukaten verspielt. Einer von ihnen, Hans Schröter, verspielte dabei Haus und Hof. Er wollte sich aber noch nicht geschlagen geben und insistierte bei seinen Spielkameraden, bis diese sich einverstanden erklärten, nochmals mit ihm zu spielen. Die Karten wurden ausgegeben, die Würfel fielen auf den Spieltisch.

Verbannung in den «Frau Verenenberg»

Erneut war das Glück Hans Schröter nicht hold, er verlor abermals. Das machte ihn sehr wütend. In seinem Jähzorn fluchte er auch gegen den lieben Gott, zog seinen Dolch und warf ihn zum Himmel hinauf. Im selben Augenblick fielen fünf Blutstropfen auf den Spieltisch. Die drei Gesellen erschraken zu Tode, wurden kreidebleich und starrten auf das Blut. Der Dolch hatte den lieben Gott getroffen, die Blutstropfen waren von ihm.

Da spürten die drei plötzlich einen kalten Hauch und eine teuflische Gestalt brauste heran, packte den Schröter, wirbelte ihn durch die Luft, drehte ihm den Hals um und bannte ihn in den «Frau Verenenberg». Dort muss er bis zum heutigen Tag für seine frevlerische Tat büssen. Die anderen zwei Spieler versuchten die Blutflecken vom Spieltisch wegzuputzen. Dies gelang ihnen aber nicht. Daraufhin gerieten sich die beiden Hitzköpfe in die Haare und der eine erstach den anderen mit seinem Dolch. Daraufhin floh er und nach vielen elenden Jahren starb er qualvoll.  

Das Blutwunder auf acht Bildtafeln in Willisau

Die «Originalgeschichte» hat sich im luzernischen Willisau so oder ähnlich zugetragen. Im Kunstführer zur 600-Jahr-Feier der Heilig Blut Kapelle in Willisau wird die achtteilige Bildergeschichte ausführlich auch auf die historischen Zusammenhänge hin erklärt. So ist diesem Büchlein zu entnehmen, dass die eigentliche von Pfarrer Johann Jakob von Heidegg, gestorben 1564, aufgeschrieben wurde.

Dieses Blutwunder soll sich aber bereits am 7. Juni 1392, zugetragen haben. Die Blutstropfen soll der damalige Pfarrer aus dem Tisch geschnitten und dann in der Monstranz aufbewahrt haben. Die Bildtafeln, insgesamt acht Bilder mit der Legende, entstanden erst um 1684 und wurden ganz im Zeitgeist des Barocks gemalt. Auf der ganzen Wandlänge der Kapelle ist die Geschichte und die Heilig-Blut-Verehrung zu sehen.

Die Mitspieler versuchten vergeblich, die Bluttropfen wegzuwischen.
Die Mitspieler versuchten vergeblich, die Blutstropfen wegzuwischen.

Wie die Geschichte nach Menzingen gefunden hat

Viele Sagen sind Wandersagen. Ihnen liegt als Kern eine Begebenheit zugrunde. Die Sagen wurden im Laufe der Zeit an verschiedene Orte «getragen» – in der Schweiz oder in Europa – und mit dem entsprechenden Lokalkolorit versehen. So ist dies wohl auch mit der Geschichte «De verbannti Spiller» geschehen.

In Willisau hiess der Frevler Ueli Schröter. In der Menzinger Version ändert der Name des Spielers zu Hans Schröter. Auf den Bildern in Willisau spielt sich die Tat nicht in einem Gasthaus, sondern draussen ab.  Der Kern der Geschichte (das verlorene Glücksspiel), die Tat (die göttliche Verletzung) und die Folge, der Tod des Frevlers, bleiben sich indes gleich. Der Täter wird in der Menzinger Version in den «Frau Verenenberg» gebannt, der wird in der Originalversion nicht erwähnt wird. Vielleicht könnte damit aber auch der «Vrenenberg» bei Steinerberg im Kanton Schwyz gemeint sein. Im Kanton findet sich jedenfalls kein Ort dieses Namens.    

Der Chronist Alois Lütolf schrieb in seiner 1865 erschienenen Chronik «Sagen, Legenden und Bräuche aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug» zu dieser lediglich «aus dem mündlichen von einem Menzinger …». 

Eine weitere und sehr plausible Erklärung stammt vom Luzerner Historiker Josef Brülisauer. In besagtem Zeitraum, im 15. Jahrhundert, wurde die Heilig Blut Verehrung von zahlreichen Geistlichen und Predigern gefördert. Es könnte sein, dass die Sage auf einen tatsächlich begangenen Mord in Willisau im Jahr 1425 zurückzuführen ist, der dann als Grundlage der Geschichte diente. Diese soll die Zuhörer die göttliche Ehrfurcht gelehrt und zur Abschreckung bei lästerlichem Fluchen und Spielen gedient haben.

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