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Zuger kamen einst zu königlichen Geschenken
Wie ein französischer König unerkannt in Zug lebte

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Ganzkörperporträt von Louis-Philippe I., König der Franzosen, um 1835.
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Ganzkörperporträt von Louis-Philippe I., König der Franzosen, um 1835. (Bild: Museum Burg Zug)

Inkognito wohnte der spätere «Bürgerkönig» von Frankreich, Louis-Philippe, im 18. Jahrhundert in Zug. Wie es dazu kam und weshalb einige Zuger später reich beschenkt wurden, erzählt dieser Blogpost.

Louis-Philippe (1773–1850), Herzog von Chartres, später von Orléans, war von 1830 bis 1848 in der sogenannten Julimonarchie französischer König («Bürgerkönig»). In seiner Jugend erhielt er eine Erziehung nach den Grundsätzen Jean-Jacques Rousseaus. Beim Ausbruch der Französischen Revolution 1789 schloss er sich dieser – wie schon sein Vater «Louis Égalité» – begeistert an. Er trat in die neu aufgestellte Nationalgarde ein und wurde 1790 Mitglied des Jakobinerklubs. Louis-Philippe kämpfte aufseiten des revolutionären Frankreichs im ersten Koalitionskrieg und nahm als «General Égalité» 1792/93 an den Schlachten bei Valmy, Jemappes und Neerwinden teil.

Ein «Bürgerkönig» in Zug

1793 geriet Louis-Philippe in die nachrevolutionären Wirren, als General Charles-François Dumouriez die radikalen Revolutionäre (Jakobiner) entmachten und zur konstitutionellen Monarchie mit Louis-Philippe als König zurückkehren wollte. Dumouriez trat zu den Österreichern über und Louis-Philipp tat es ihm gleich, um seiner Verhaftung zu entgehen. Mit dieser Flucht begann eine jahrelange Irrfahrt durch Europa, die ihn, seine Schwester Adélaïde von Orléans (1777–1847) sowie deren Erzieherin, die Gräfin Stéphanie-Félicitas de Genlis (1746–1830), am 4. Mai 1793 auch nach Zug brachte.

In Zug wohnte das Trio inkognito – man hielt sie für eine Familie aus Irland – im damaligen Haus Tschuopis (später Pension Blumenhof). Bei der Wohnungssuche habe der damalige Ochsenwirt, Beat Jakob Sidler, geholfen. Gemäss dem Reisebericht der Gräfin de Genlis habe man in Zug «einen Monat in der vollkommensten Ruhe» verbracht: «Wir genügten uns selbst, geordnete Beschäftigungen füllten unsere Zeit angenehm aus. Wir empfingen keine Besuche und verliessen das Haus nur zu Spaziergängen oder zum Kirchenbesuch.»

Schützenhilfe aus Zug

Offenbar galt dies aber nicht für Louis-Philippe. Dieser scheint sich häufig im Gasthaus Ochsen aufgehalten oder das Essen von dort bezogen zu haben. Auch pflegte Louis-Philippe immer wieder Kontakte zu Zuger Bürgern, etwa zum Zuger Pannerherrn Franz Josef Müller im Roost (1769–1839). So kam es wie es kommen musste: Nachdem Louis-Philippe von Exilfranzosen erkannt worden war und kurz darauf in deutschen Zeitungen sein Aufenthalt in Zug publiziert wurde, musste die Gruppe erneut fliehen und verliess Zug am 27. Juni 1793 in Richtung Bremgarten.

Dort trennte sich die Gruppe. Adélaïde von Orléans und die Gräfin de Genlis fanden Unterkunft im Klarissinnenkloster, während Louis-Philippe weiterzog und schliesslich nach Reichenau gelangte. Dort war er mehrere Monate lang als «Monsieur Chabos» als Hauslehrer tätig. Im Juni 1794 kehrte Louis-Philippe nach Bremgarten zurück – seine Schwester war bereits weitergereist – und diente unter dem Namen Corby als Adjutant des Generals Montesquiou, der ihn deckte.

Ende 1794 musste er weiterfliehen, da seine Identität erneut bekannt geworden war. Dabei half ihm der Zuger Pannerherr und damalige Landschreiber der Freien Ämter Franz Josef Müller im Roost, den der Herzog aus Zuger Zeiten kannte und mit dem er auch in Bremgarten häufigen Kontakt pflegte. Müller stellte Louis-Philippe einen Pass unter seinem eigenen Namen aus, mit dem dieser nach Hamburg reisen konnte.

Geschenke für Zuger Unterstützer

Später als König erinnerte sich Louis-Philippe der freundlichen Aufnahme und Unterstützung aus Zug. Dem Ochsenwirt sandte er zum Dank ein englisches Tafelservice und ein französisches Kaffeeservice aus der königlichen Porzellanmanufaktur in Sévres mit den königlichen Initialen «LP». Ironie der Geschichte: Empfänger des Geschenks war nicht mehr Beat Jakob Sidler, sondern der neue Ochsenwirt, Alois Damian Bossard (1788–1845), der das königliche Geschenk aber gerne entgegennahm. Dem Pannerherr Müller vermachte er das Ehrenlegionskreuz und eine mit Diamanten verzierte goldene Tabatière (Tabakdose) mit seinem Bildnis darauf.

Diese königlichen Geschenke und weitere Objekte zum «Bürgerkönig» Louis-Philippe I. werden heute in der Sammlung des Museums Burg Zug aufbewahrt. Verschiedene Objekte sind als Leihgaben im Hotel Ochsen/Restaurant Au Premier in Zug ausgestellt. Eine weitere Tabakdose mit dem Bildnis des «Bürgerkönigs» kann in der Dauerausstellung im «Roten Zimmer» besichtigt werden.

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2 Kommentare
  1. K. Orrektor, 09.01.2022, 12:37 Uhr

    Pardon, die Stadt heißt Sèvres (nicht Sévres).

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    1. Museum Burg Zug, 18.01.2022, 11:16 Uhr

      Lieber K.Orrektor

      Ja natürlich heisst die Stadt Sèvres. Da hat sich ein Tippfehler eingeschlichen. Danke für den Hinweis.

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter

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