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Wie die Eisenbahn ins Luzerner Museum kam
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Verkehrshaus-Baustelle im Frühsommer 1958. (Bild: zvg)

Luzern unterbreitete Verkehrshaus unschlagbares Angebot Wie die Eisenbahn ins Luzerner Museum kam

4 min Lesezeit 1 Kommentar 19.04.2020, 11:02 Uhr

Das Verkehrshaus in Luzern ist gerade mal 61 Jahre alt, doch schon seit langer Zeit das meistbesuchte Museum der Schweiz. Die Idee eines den gesamten Verkehr umfassenden Museums kam schon Ende des 19. Jahrhunderts auf, doch dauerte es bis 1959, bis die Idee umgesetzt wurde.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind die Pforten des Verkehrshauses in Luzern geschlossen. Der Corona-Virus hält die ganze Welt in Atem, und den Umständen muss sich auch das meistbesuchte Museum der Schweiz beugen.

Da nun der Besuch des Verkehrshauses den Bürgern verwehrt bleibt, bietet es sich doch umso mehr an, in die Geschichte dieses Luzerner Wahrzeichens einzutauchen.

Formell eröffnet wurde das Museum an einem schönen Mittwoch, am 1. Juli 1959. Doch die Idee, ein sich mit den Verkehrsmitteln befassendes Museum zu bauen, ist schon ein gutes Stück älter. Schon mehr als 50 Jahre früher, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Schweizer Eisenbahnen 1897, kam die Idee eines Eisenbahn-Museums auf.

Eine erste Umsetzung erfolgte jedoch erst 1914 an der Landesausstellung in Bern, wo erstmals verschiedene Originalobjekte der Eisenbahngeschichte gezeigt wurden.

Zuerst die Eisenbahn

Nach Kriegsende wurde die Idee eines Eisenbahnmuseums von den SBB aufgegriffen und in Zürich umgesetzt. Wegen der bald darauffolgenden wirtschaftlichen und politischen Krisen wurde ein Erweiterungsprojekt vorerst aufs Eis gelegt.

Erst bei der Landesausstellung von 1939 wurde die Idee eines den gesamten Verkehr umfassenden Museums wieder diskutiert, und diesmal mit Erfolg.

1942 kam es zu einem schicksalsträchtigen Ereignis: Der Verein Verkehrshaus der Schweiz wurde in Zürich gegründet. 76 Persönlichkeiten aus der Verkehrs- und Wirtschaftswelt trafen sich im Bahnhofbuffet der zweiten Klasse in Zürich und unterschrieben das Gründungsdokument.

Unter dem Vorsitz des Direktors des Eidgenössischen Amtes für Verkehr wurden die Statuten verabschiedet sowie der erste Vorstand gewählt.

Den richtigen Ort finden

Obwohl sich schnell eine grosse Zahl interessierter Unterstützer fand, dauerte es dann aber gleich nochmals 17 Jahre bis zur Museumseröffnung. Das Problem lag darin, ein geeignetes Gelände zu finden. In Zürich wollte sich selbst kein Platz finden, der den Vorstellungen der Vereinsgründer entsprach und so wurde auch anderorts gesucht – und gefunden.

Die Stadt Luzern bot dem Verein ein rund 40’000 Quadratmeter grosses Gelände (Lidogelände) an, mit bester Lage direkt am Vierwaldstättersee. Zudem boten der Kanton und die Stadt ein entsprechendes finanzielles Engagement an.

Diesem Angebot konnte der Verein nicht widerstehen. Nachdem die nötigen Pläne bereitlagen, begann man 1957 mit dem Bau des Verkehrshauses.

Eröffnung nach nur zweijähriger Bauzeit

Nach zweijähriger Bauzeit konnte das Museum am 1. Juli 1959 endlich eröffnet werden und wurde schnell zum meistbesuchten Museum der Schweiz, das schon 2009, 50 Jahre nach seiner Gründung, über 27 Millionen Besucher verzeichnen konnte.

Dem Verein gehörten nebst einer Vielzahl an Privatpersonen auch die SBB, die PTT (heute: die Post) sowie Privatbahnen und Verkehrsorganisationen an. Zudem wurde der Verein auch von etlichen grossen Unternehmen aus Handel, Industrie und Tourismus unterstützt.

Dies spiegelte sich auch im Angebot des Museums wieder: Nach der ersten Bauphase gab es Ausstellungen über den Strassen- und Schienenverkehr, über das Postwesen (und Fernmeldewesen, z.B. Telegrafen und Ähnliches), den Tourismus sowie über die sich rasant entwickelnde Luft- und Schifffahrt.

Das Dampfschiff «Rigi» als Hauptattraktion

Hauptattraktion des Museums war für lange Zeit das im Innenhof des Verkehrshauses ausgestellte Dampfschiff «Rigi» aus dem Jahr 1848. Dampfschiffe wurden vor 1959 in aller Regel nach Ende ihrer Dienstzeit abgewrackt.

Doch mit der Übernahme der «Rigi», welche seit 1952, nach Ende ihrer 102-jährigen Dienstzeit, auf die Abwrackung wartete, wurde ein neuer Wendepunkt markiert:

Es zeigte sich erstmals eine Möglichkeit zur Nutzung solch grosser Objekte, und davon wurde mit der Übernahme weiterer Schiffe, aber auch von Flugzeugen und verschiedenen Lokomotiven rege gebraucht gemacht.

Die «Rigi» wartet seit 1952 auf die Abwrackung … und kommt ins Museum. (Bild: zvg)

1969 wurde das «Urverkehrshaus» mit einem Restaurant, Bürogebäude und dem schweizweit ersten und einzigen Grossplanetarium erweitert. In den Folgejahren kamen weitere Ausstellungshallen dazu:

1972 die Halle Luft- und Raumfahrt, 1979 das Hans-Erni-Museum und bis 1985 die zweite Halle für den Schienenverkehr sowie die Halle Schifffahrt, Seilbahnen und Tourismus.

Der Sprung in die Moderne

Da das Verkehrshaus auch den Anschluss zur neueren Entwicklung nicht verpassen wollte, wurde in den 90er-Jahren auch den digitale Entwicklungen Rechnung getragen.

1996 wurde das ausgebaute Imax-Filmtheater eingeweiht. Im Frühling 1997 konnte anlässlich von 150 Jahren Schweizer Eisenbahngeschichte die umgestaltete Ausstellung «Schienenverkehr» mit der Gotthardtunnelschau dem Publikum übergeben werden.

Im Schweizer Eisenbahn-Jubiläumsjahr erlebte das Verkehrshaus dann auch sein bisher erfolgreichstes Jahr mit zusammen weit über 1 Million Besuchern in Verkehrshaus und Imax-Filmtheater.

Auch im neuen Jahrtausend versucht das Verkehrsmuseum immer weiter, aktuell zu bleiben. Nachhaltigkeit und Transportwege sowie Virtual Reality und Digitalisierung werden in verschiedenen Ausstellungen thematisiert.

Was in den kommenden Jahren noch dazukommen wird, ist unklar. Doch zuerst einmal müssen die Tore geschlossen bleiben.

Das Verkehrshaus der Schweiz. (Bild: zvg)

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1 Kommentare
  1. Christian, 19.04.2020, 16:33 Uhr

    Beim „Sprung in die Moderne“ ereignete sich allerdings auch ein tiefer Fall. In dem kleinen historischen Abriss hätte man der Ausgewogenheit halber ruhig auch auf die Hiflyer-Geschichte hinweisen dürfen.

    [s. a. https://www.swissinfo.ch/ger/toedlicher-unfall-mit-fesselballon-im-verkehrshaus/4011050 ]

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