Wie der Rotsee zum Göttersee wurde
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Der Rotsee. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzerner Ruder-Mekka Wie der Rotsee zum Göttersee wurde

4 min Lesezeit 1 Kommentar 10.09.2020, 12:31 Uhr

Der Rotsee ist erst seit wenigen Jahren das Mekka des Rudersports. Nach einem Hin und Her zwischen der Vogtei Ebikon und dem Kloster Rathausen ging der See im 20. Jahrhundert an die Stadt Luzern über, welche ihn zuerst als Jauchegrube verwenden wollte. Doch wegen seiner günstigen Lage etablierte sich der Rotsee als beliebter Rudersee und als geschätztes Naherholungsgebiet.

In rund zwei Wochen finden wieder die Schweizer Rudermeisterschaften, der Höhepunkt der nationalen Wettkampfsaison, auf dem Luzerner Rotsee statt. Der Göttersee, so genannt wegen seiner für den Rudersport perfekt zugeschnittenen Länge und Breite sowie dem Fehlen von jeglichen störendem Wind, wird schon seit 1933 aktiv für Rudermeisterschaften genutzt.

Der Rotsee wird heutzutage als Sport- und Badesee verwendet und dient als Naherholungsgebiet für die umliegenden Gemeinden. Die Ruderregatten locken jedes Jahr rund 6000 Gäste nach Luzern. Kurzum, der Rotsee ist heute von grosser Bedeutung für die Stadt Luzern. Doch dem war nicht immer so.

Das Hin und Her

Vor rund 8000 Jahren war der See noch nicht einmal ein See. Gemäss Untersuchungen der Universität Stockholm soll erst danach der Rotsee den Status eines Sees (eine durchschnittliche Wassertiefe von mindestens etwa fünf bis sieben Metern) erreicht haben. Er wuchs auch in den folgenden Jahrhunderten noch weiter bis zu seiner heutigen maximalen Tiefe von 16 Metern.

In der Forschung wird angenommen, dass der Rotsee vermutlich zwischeneiszeitlich ein Flusstal der Reuss war. Der See taucht erstmals in den Quellen aus dem Jahr 1290 unter seinem heutigen Namen «Rotse» oder «Rottse» auf und lag im Herrschaftsbereich der Vogtei und Genossenschaft Ebikon. 

Die Gemeinde hatte 1245 die Rechte am See – damals noch nicht als Rotsee bekannt – verkauft, als Gründungsgut für die Zisterne (Kloster) Rathausen. Rund 150 Jahren später, im Jahr 1406, übergab die Gemeinde dann auch noch die Fischrechte. Doch kaum gegeben, wurde das Recht 60 Jahre später wieder zurückgezogen und den Nonnen im Kloster wurde nur noch ein Drittel der Fischrechte zugesprochen.

1574 waren die erträglichen Fischrechte dann auch wieder vollständig zurück bei der Gemeinde. Lediglich die 1544 eingerichtete Fähre durfte weiterhin vom Kloster betrieben werden.

Nessie und der Rotsee

Im 16. Jahrhundert soll es auch vermehrt Sichtungen von «seltzamen, monstruosischen vischen» gegeben haben, wie der Luzerner Apotheker und Stadtschreiber Renward Cysat (1545-1614) in seiner «Collectanea Chronica» festhielt und sogar mit Skizzen illustrierte.

Cysat schrieb, dass ein Augenzeuge ein Untier gesehen haben soll, das zusammengerollt wie eine Riesenschlange auf einem Stein lag und beim Näherkommen im Wasser verschwunden sei. Diese Aussage wurde sogar von einem anderen Zeugen aufgegriffen und um etliche Details ausgeschmückt (zentralplus berichtete).

Diese Geschichte, wohl ein Konstrukt der blumigen Fantasie der Luzerner oder Ebikoner Zeitgenossen, wurde allerdings in den folgenden Jahrhunderten nicht weiter aufgegriffen und wird wohl kaum einen grossen Wahrheitsgehalt aufgewiesen haben. Der grösste Fisch, den man heutzutage im Rotsee antreffen kann, ist der Hecht, welcher da bis zu 1,2 Meter lang und 11 Kilogramm schwer werden kann.

Explosionen und Abwässer

Die Zeit zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert war für den Rotsee eher ruhig. Doch mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nahm das Geschehen um den Rotsee wieder Fahrt auf. 1903 wurden auf dem Rotsee erstmals vom Regattaverein Ruderwettkämpfe ausgetragen.

1916 kam es zu einer kleineren Katastrophe, als ein mit Handgranaten vollgestopftes Magazin explodierte und etwa 10’000 Granaten im See landeten. Bis heute werden immer wieder Versuche lanciert, um zumindest einen Grossteil der – wegen dem durchnässten Zündsystem ungefährlichen – Handgranaten zu bergen. (zentralplus berichtete).

1926 wurde der See offiziell von der Stadt Luzern erworben (respektive dem Seebesitzer Julius Hurter «behufs Einleitung von Abwasser» enteignet), welche ihn ihrerseits dem Verein des Maihof-Quartiers übergab. Gleich mit der Seeübernahme versuchte die Luzerner Stadtregierung, den See als Jauchegrube zu verwenden.

Diesem Vorhaben wurde vom Regierungsrat ein Riegel geschoben, indem der Rotsee mittels eines Stollens an die Reuss angeschlossen wurde. Somit erhielt der als Jauchegrube verwendete Rotsee zumindest einen stetig Zufluss an Frischwasser. Doch erst nach der Abwassersanierung von 1970 konnte der kränkelnde See wieder gesunden.

Der Rotsee als Rudermekka

Der Rotsee wurde 1933 erstmals als Destination für die Ruder-Schweizermeisterschaft auserkoren. Im Folgejahr wird hier auch gleich noch die Europameisterschaft ausgetragen. Und dann, 1962, der Höhepunkt: Zum ersten – aber nicht zum letzten – Mal wird 1962 die Ruder-Weltmeisterschaft am Rotsee ausgetragen. Der Grossevent zieht am Finaltag 45’000 Zuschauer aus aller Welt an. 1974, 1982 und 2001 wiederholt sich das Spektakel. Der Rotsee avancierte zum weltweiten Mekka des Rudersports.

Luzerner Regatta 2017. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Enge räumliche Verhältnisse und eine nicht mehr zeitgemässe Infrastruktur brachten den Regattaplatz am Rotsee über die Jahre immer mehr in Bedrängnis. Dies resultierte 2011 in einer Nichtberücksichtigung der Bewerbung für die Ruder-Weltmeisterschaften. Von 2012 bis 2016 wurde die gesamte Regattainfrastruktur unter Berücksichtigung der Auflagen des Naturschutzes erneuert und auf einen modernen Stand gebracht.

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1 Kommentare
  1. Bruno Meyer, 10.09.2020, 22:47 Uhr

    Wenn ich micht recht erinnere, hat ein seinerzeit, d.h. vor vielen Jahren, ein japanischer Verbandsfunktionär anlässlich der Besichtigung vor einer internationalen Regatta, anscheinend überwaltigt von der für das Rudern ideala Lage, den Rotsee erstmals als „Göttersee“ bezeichnet.

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