Sagen um Baarer Burg – von garstigen Tyrannen und raffgierigen Herrschern
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Wildenburg mit Rundturm. (Bild: mag.)

Der Geist des letzten Wildenburgers wirkt noch heute Sagen um Baarer Burg – von garstigen Tyrannen und raffgierigen Herrschern

5 min Lesezeit 30.04.2021, 10:56 Uhr

Die heutige Ruine Wildenburg liegt hoch über dem Lorzentobel. Das gesamte Gebiet war zu dieser Zeit unter Habsburger Herrschaft. Die Burg wurde von Hünenberger Rittern bewohnt. Die Sagen um die schrecklichen Bewohner wirken bis heute nach.

Vor der Lorzentobelbrücke führt auf der rechten Seite, in südlicher Richtung, ein schmaler Pfad Richtung Wildenburg. Der Verkehr von unten, der über die Brücke führt, wird mit jedem Meter, den man zurücklegt, immer leiser. Durch ein kleines Waldstück wird es enger und danach geht es steil den Hang runter. Kurz darauf passiert man eine Brücke, vorbei an einem idyllischen Schwarzenbach-Wasserfall und man wähnt sich in einer Märchenlandschaft. An diesem vorbei, geht es über hohe Stufen steil bis zur Wildenburg, die auf einem Felssporn steht.  

Der Weg ist wildromantisch und man kann es fast nicht glauben, dass hier oben tatsächlich einst Menschen wohnten. In den Sagen über die Wildenburg und deren Bewohner ist nichts von dieser Romantik zu finden. Alle Erzählungen berichten von tyrannischen Herrschern, brutalen Übergriffen auf Menschen und von Raubgut, das auf der Burg gehortet wurde. An langen Winterabenden erzeugt man mit diesen Erzählungen bei den Zuhörern garantiert Gänsehaut.   

Schwarzenbach-Wasserfall, mit Brücke.

«D Geischterschlacht»

Die Geschichte «D Geischterschlacht» erzählt von einem Krieg, der zwischen den Wildenburger Rittern und dem Wädenswiler Freiherrn geführt wurde. Die Wildenburger zogen mit ihren Männern Richtung Winzwilerholz und wollten sich dem Feind stellen. Dieser liess jedoch den Lagerplatz auskundschaften und umging so die Wildenburger Streitschar. Die Wädenswiler waren auf dem Weg zur Wildenburg, die zu jenem Zeitpunkt ungeschützt war, um sie einzunehmen.

Als die Herren der Wildenburg diese Finte bemerkten, wollten sie zurück auf ihre Burg. Sie hatten bereits ein Stück des Weges hinter sich, als sie an einem Bach vorbeikamen. Dort wurden sie von den Wädenswiler Knechten mit einem Angriff aus dem Hinterhalt überrascht. Es kam zu einem blutigen Kampf und die Wildenburger wurden in den Egelsee getrieben, wo sie zahlreich ums Leben kamen. Seit diesem traurigen Kampf hört man heute noch rund um den Egelsee wildes Geschrei und manchmal erscheinen die toten Ritter auf ihren wilden Pferden, wie sie durch die Luft reiten, weil sie bis heute keine Ruhe finden.

«De Wildeburger und de tapferi Metzger»

Noch eine Spur blutiger und brutaler geht es in der Geschichte «De Wildeburger und de tapferi Metzger» zu.

Die Wildenburger Herren schickten immer wieder ihre Knechte in die Stadt Zug, um Speis und Trank zu holen. Selten zahlten die Wildenburger Herren für die Ware. Einmal gelüstete es dem Wildenburger Herrn nach Fleisch und er schickte seinen Knecht mit dem Auftrag, ihm beim Metzger in Zug ein saftiges Stück zu holen. Beim Metzger angekommen, verlangte er für seinen Herrn ein schönes Stück Fleisch. Der Metzger ahnte wohl, dass es sich hier wieder um ein Geschäft ohne Gegenleistung handelt.

Er forderte den Knecht auf, ihm zu zeigen, von welchem Stück es seinem Herrn wohl genehm sei. Der Knecht zeigte auf ein schönes Fleischstück, das im Laden an einem Haken hing. «Vo däm da, tätis mim Herr bsunders gfalle», erwiderte der Knecht. Im selben Moment, indem der Knecht das sagte, schwang der Metzger sein Beil und hackte dem Knecht die Hand ab. Daraufhin rannte der Knecht schreiend vor Schmerzen aus der Stadt auf die Wildenburg zurück. Dort klagte er dem Herrn von der schlechten Behandlung und vom Metzger, der ihm die Hand abgetrennt hatte. Von da an traute sich kein Knecht mehr für den Wildenburger Herrn in der Stadt etwas zu holen. Der Metzger, mit Namen Wickart, wurde für seine mutige Tat geehrt und fortan durfte er in seinem Wappen ein Fleischermesser führen.

«De letscht Wildeburger»

Auch in der Geschichte «De letscht Wildeburger» wird der letzte Wildenburger als gieriger und brutaler Herrscher beschrieben. Wanderer, Händler oder Pilger, die auf dem Weg, der unten an der Burg vorbeiführte, unterwegs waren, wurden immer wieder überfallen. So wurde auch die Tochter eines Bauern auf die Wildenburg verschleppt und gefangen gehalten. Mit einer List gelang ihr die Flucht. Der Vater und die Tochter rächten sich am Wildenburger, indem sie ihn in einen Hinterhalt lockten. Der Vater spaltete mit einer Axt den Schädel des Wildenburgers, hackte ihm die Beine ab und trug sie aufgespiesst in die Stadt Zug hinunter. Daraufhin stürmten die Zuger die Burg, verjagten die Bewohner und legten die Burg in Schutt und Asche.

Dabei sind aber alle Schätze, Gold und Silber verloren gegangen. Wer es wagt, nach diesen Schätzen zu suchen, wird vom Geist des letzten Wildenburgers empfangen. Dieser packt die Schatzsucher und wirft sie mit grausigem Geschrei ins Lorzentobel runter.

Heute ist die Wildenburg eine Ruine. Die Wildenburg war in Habsburger Besitz, wurde aber von den Herren von Hünenberg bewohnt und ab dem 14. Jahrhundert nicht mehr bewohnt. Später wurden die Steine abgetragen und fanden anderweitig als Baumaterial Verwendung. Es gab mehrere archäologische Untersuchungen und in den 80ern wurde die Ruine vor dem endgültigen Zerfall durch einen Verein gerettet. Heute steht sie unter eidgenössischem Denkmalschutz und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Familien.

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