Ausdruck der Trauer mit ungewöhnlichem Holzgerät Rätschen und klappern bis die Osterglocken läuten

02.04.2021, 10:55 Uhr 3 min Lesezeit
Diverse Klepper. (Bild: Museum Burg Zug)
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Diverse Klepper. (Bild: Museum Burg Zug)

Von Karfreitag bis Ostersonntag ruht in den Kirchen das Glocken- und Altarschellengeläut. Stattdessen kommen spezielle Rätschen respektive Klepper zum Einsatz. Diese fanden in früheren Zeiten auch anderweitig Verwendung, etwa als Warngerät der Kranken und Aussätzigen oder anstelle der Essglocke zum Zusammenruf der Arbeiter.

An Karfreitag, dem strengen Fast- und Abstinenztag, wird nicht nur der Speiseplan angepasst – auf Fleisch wird verzichtet, oft besteht der Menüplan aus Fisch, Kartoffeln und Gemüse. An diesem Tag sollen Gläubige maximal eine sättigende Mahlzeit zu sich nehmen (Fasten) und auf Fleisch sollen sie ganz verzichten (Abstinenz). Karfreitag ist auch ein stiller Feiertag, an dem dafür gerätscht und geklappert wird.

Die Karfreitagsrätsche respektive Klepper wird anstelle des Glocken- und Altarschellengeläuts verwendet. Und zwar von Gründonnerstag nach dem Gloria der Messe vom letzten Abendmahl, über Karfreitag und Karsamstag bis zum Gloria in der Osternacht. Dies als Zeichen der Trauer um den Tod von Jesus Christus.

Klepper. (Bild: Museum Burg Zug)

Der sogenannte Klepper oder Klapper besteht aus einem viereckigen Brett. Dieses Brett wird durch einen Handgriff (Unterseite des Bretts) mit einem beweglichen abgeflachten und leicht gebogenen Hammer respektive Klöppel (Oberseite des Bretts) durchbohrt. Der Hammer, Klöppel wird durch Bewegung des Handgelenks auf und ab geschwungen und schlägt so jeweils links und rechts auf die Oberseite des Bretts, was ein Knallen erzeugt. Es gibt eine grosse Anzahl an verschiedenen Klepperformen: mit abgerundetem Brett, mit rundem oder viereckigem Hammerkopf, mit zwei Hämmern, Klöppeln usw.

Klepper, Detailansicht Hammerkopf. (Bild: Museum Burg Zug)

Unser Exemplar hat ein viereckiges Brett und einen runden Hammerkopf. Es diente als Klepper für einen Altardiener und konnte gut in einer Hand gehalten werden. Jedoch fanden die Klepper auch anderweitig Verwendung.

So zum Beispiel als Warngerät der Kranken und Aussätzigen, als Erkennungszeichen von Almosensammlerinnen, als Ersatz für die Essglocke zum Zusammenruf der Arbeiterschaft oder als Spielzeug für Kinder.

Hammerratsche. (Bild: Museum Burg Zug)

Bedeutung des Karfreitags

Am Karfreitag wird des Todes Jesu Christi am Kreuz gedacht. Der Trauer- und Kummertag ist der zweitletzte Tag der Karwoche, welche die letzte Woche der Fastenzeit ist, das heisst, des «vierzigtägigen» Zeitraums des Fastens und Betens vor Ostern. Der darauf folgende Samstag ist der Karsamstag, Tag der Grabesruhe Jesu Christi. Und am Ostersonntag beginnt das Osterfest, das Fest der Auferstehung Jesu.

Im Gegensatz zum handlichen Klepper ist die Karfreitagsrätsche in Form einer Hammerratsche «klobig» und sperrig. Sie besteht aus einer viereckigen hohlen Kiste auf vier Beinen. Bei der Hammerratsche handelt es sich um eine Kistenratsche, bei welcher der Lärm durch das Aufschlagen der Hammerköpfe (jeweils an einer Holzzunge angebracht) auf die Kiste entsteht. Dies funktioniert wie folgt:

  1. Man dreht die Handkurbel und dadurch wird eine Walze mit Nocken in Drehewegung gesetzt.
  2. Die Nocken heben die Holzzungen mitsamt den Hammerköpfen hoch.
  3. Sobald eine Nocke die Holzzunge nicht mehr halten kann, fällt die Holzzunge mit dem Hammerkopf auf die Kiste (Aufschlagsfläche) und es entsteht ein Knall.
  4. Dreht man weiter an der Handkurbel, so wiederholt sich der Vorgang. Je schneller man die Kurbel dreht, desto mehr ertönt ein lautes Rattern.
Hammerratsche, Detailansicht Handkurbel, Hammerköpfe, Holzzungen, Walze mit Nocken. (Bild: Museum Burg Zug)

Unsere Hammerratsche stammt aus dem ehemaligen Missionsmuseum Kloster Menzingen und war dort ausgestellt mit der Beschriftung «Karfreitags-Ratsche als Ersatz der Kirchenglocken aus Trauer um das Leiden und Sterben Jesu Christi».

Nach dem Gloria der Osternacht läuten die Glocken, ebenso ertönt die Orgel und die Altarkerzen werden angezündet. Das Osterfest beginnt. Ganz nach dem Motto: «Nun ist vorerst ausgerätscht und ausgeklappert und die Osterglocken beginnen zu läuten».

Hammerratsche, Detailansicht Beschriftung. (Bild: Museum Burg Zug)

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