Keltische Fabelwesen und römische Schosshündchen
Pferd diente der Elite als «Tesla auf vier Beinen»

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Im Museum für Urgeschichte(n) Zug geht es derzeit tierisch zu und her. (Bild: Museum für Urge-schichte(n) Zug, Res Eichenberger.)

Mensch und Tier leben seit Jahrtausenden in einer zwiespältigen Beziehung. Diese veränderte sich durch den Wandel der menschlichen Lebensweise stetig. In der Zentralschweiz belegen dies spannende archäologische Funde mit tierischen Darstellungen.

Während der letzten Eiszeit sichert das Fleisch der erbeuteten Rentiere und Wildpferde den Menschen das Überleben. Im Verlauf der Jungsteinzeit beginnen sie damit, Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine als Nutztiere zu halten. Die Römer machen dafür erstmals Bekanntschaft mit exotischen Tieren. Diese Entwicklungen lassen sich anhand archäologischer Funde mit Tierdarstellungen aus der Zentralschweiz belegen.

Vom Nutztier zum Statussymbol

In der Jungsteinzeit betreiben die Menschen erstmals Ackerbau und Viehzucht. Dadurch verändert sich die Beziehung zum Tier. Rinder werden nun nicht nur ihres Fleisches wegen gehalten, sondern auch als Zug- und Nutztiere eingesetzt. Wer will schon einen Pflug oder den schweren Wagen selber ziehen?

In der Bronzezeit wird der Mensch mobiler und das Pferd avanciert zum Statussymbol. Dieses wird sowohl als Zugtier wie auch als Reittier eingesetzt. Der Elite dient es als «Tesla auf vier Beinen».

Die Tierwelten der Kelten

Während der darauffolgenden Eisenzeit schaffen die Kelten einen eigenen Kunststil. Dabei entstehen fantastische Mensch-Tier-Mischwesen und kunstvolle Fabelwesen, wie die Hals- und Armringe aus dem Goldschatz von Erstfeld zeigen.

Kelten sind auch als Söldner in Griechenland oder Rom stationiert, wo ihnen der Sold in Münzen ausbezahlt wird. Alsbald übernehmen sie dieses Zahlungssystem in ihrer Heimat und gestalten dafür eigene Münzen. Etliche keltische Münzen mit Darstellungen von Pferden, Ebern oder gehörnten Tieren stammen aus Baar, Cham oder Steinhausen.

Römische Schosshunde …

Der Alltag in römischer Zeit ist akustisch von Tieren geprägt. Dies beginnt mit dem frühmorgendlichen Krähen des Hahns und endet mit dem nächtlichen Bellen der Hunde. Diese sind jedoch nicht bloss Wach- oder Jagdhunde, denn betuchte Römerinnen halten bereits Malteser als Schosshunde. Aber auch die für die Zentralschweiz neuen Tierarten wie Katzen, Esel und Maultiere tragen zum akustischen Repertoire bei.

… und ein stillender Affe

Die Römer begegnen nebst heimischen auch exotischen Tieren, welche aus fernen Gegenden in die Städte des römischen Reichs gebracht werden. Das Interesse dafür zeigt sich auf Alltagsgegenständen und Münzen. So stammen aus Cham-Hagendorn und Cham-Heiligkreuz römische Schlüssel, deren Griffe mit Löwen- und Pantherköpfen verziert sind.

Speisen werden in qualitativ hochwertigen Tongefässen serviert, die mit Tierreliefs verziert sind. Schüsseln und Schalen aus Cham-Hagendorn zeigen Wildschweine, Hunde, Löwen, Rehe und Adler. Aus der gleichen Fundstelle sind Schalen zum Zerreiben von Kräutern bekannt, deren Ausguss in Löwenkopfform gestaltet ist.

Auf römischen Münzen aus Baar-Schönbüelwald, Baar-Baarburg und Zug-Eielenwald finden sich Antilopen, Krokodile und symbolträchtige Elefanten. Aus dem römischen Gräberfeld Vierherrenplatz in Sursee stammt ein Balsamarium in Form eines stillenden Affen. In diesem Tongefäss bewahrte man kosmetische Salben auf. Im gleichen Gräberfeld kam ausserdem eine Urne mit einem Pferdepaar aus Terrakotta zum Vorschein.

Tierisch spannend

Möchtest du mehr zur Beziehung zwischen Mensch und Tier in vergangenen Epochen erfahren, so besuche die Sonderausstellung «verehrt und gejagt – Inszenierung der seit der Steinzeit» im Museum für Urgeschichte(n) Zug. Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni 2022 in Zug zu sehen. Besonders für Kinder: Es gibt einen Rätseltrail und eine offene Werkstatt zum Gestalten und Werken.

Ein inszeniertes Durcheinander

Frühmittelalterliche Metallhandwerker schaffen ab dem 6. Jahrhundert einen neuen Stil, indem sie Tiermotive aus Skandinavien und Ornamente aus dem Mittelmeerraum miteinander verschmelzen. Die dargestellten Tiere auf den Armringen, Gürteln und Waffen verschlingen und verbeissen sich regelrecht ineinander – ein bewusst inszeniertes Durcheinander!

Aus den frühmittelalterlichen Gräberfeldern Baar-Früebergstrasse und Aesch am Hallwilersee sind Gürtelbestandteile, Armringe und Schwerter mit Darstellungen von abstrahierten Tieren bekannt. Bei den Tiermotiven sind Schlangen, Raubvögel und Eber beliebt. Zoologisch sind viele Tiermotive jedoch nicht zweifelsfrei einer bestimmten Tierart zuzuordnen.

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