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Knallen, Geisseln und Geläut vertreibt die Wintergeister
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Wer die Erdmannli um Hilfe bittet, sollte wissen, auf was er sich einlässt. (Bild: Brigitt Andermatt)

Die Fünfte Jahreszeit steht vor der Tür Knallen, Geisseln und Geläut vertreibt die Wintergeister

4 min Lesezeit 1 Kommentar 24.01.2020, 11:00 Uhr

Vor der Fastenzeit darf man nochmals tüchtig auf den Putz hauen. Viele freuen sich auf die Fasnacht und darauf, ein paar unbeschwerte Tage mit essen, trinken und langen Tanznächten zu verbringen. Das wollte einst auch ein Menzinger Bauer erleben, mit fatalen Folgen.

Die Tage werden kürzer und kälter. In der Natur schliesst sich der Kreislauf mit dem Rückzug, oder Absterben, der Pflanzen und Tiere ins Erdreich, bis im Frühling wieder alles zu neuem Leben erwacht.

Der Kreislauf der Natur

Der Jahreskreis ist von zahlreichen Traditionen geprägt. Insbesondere zur Winterszeit haben sich im gesamten Alpenraum und darüber hinaus viele traditionelle Bräuche und Riten bis in die heutige Zeit gehalten. Während den Rauhnächten oder Zwölften, zwischen Weihnachten und Dreikönigstag, werden die Wintergeister und Dämonen vertrieben. Kaum sind die Rauhnächte vorbei, beginnt in vielen katholischen Regionen die Fasnachtszeit.

Auch die Fasnacht hat unter anderem den Zweck, dem Winter den Garaus zu machen. Mit Figuren, die ihren Ursprung in der alemannischen oder germanischen Mythologie finden. Die oftmals sehr archaisch dargestellten Gestalten, mit grotesken und furchterregenden Masken, Fellkostümen und Hörnern, dienen dazu, die Winterdämonen mit viel Lärm, Geläut und Knallen zu vertreiben.

Ausgelassenes Feiern und Festen

Die katholische Kirche konnte nicht alle Bräuche gänzlich verdrängen oder verbieten. Dazu gehört auch die Fasnacht. Besonders im Mittelalter bis zur Reformation war es in ganz Mitteleuropa üblich, Tanz- und Trinkgelage bis hin zu Narrenspielen zu veranstalten. Die 40-tägige Fastenperiode vor Ostern war von der Kirche streng geregelt.

So galt es vor und während der Fasnacht, die Nahrungsmittel aufzubrauchen, die in der anschliessenden Fastenzeit verboten waren. Vorräte an Fleisch, Milch- und Eierspeisen, die sonst verderben würden, wurden gegessen.     

Erdmannli helfen nicht immer richtig. (Bild: Brigitt Andermatt)

Das Vergnügen und die Pflicht

Während den närrischen Tagen wird auch bei uns gefeiert, gegessen und getanzt.

In der Sage S Erdmannli und de Buur aus Menzingen geht es um die Fasnacht. Aber auch um Pflichten, die man trotz der Festerei nicht vergessen sollte.

In Menzingen gab es zu früheren Zeiten viele Erdmannli. Diese kleinen Zwerge halfen den Menschen; insbesondere den Bauern gingen sie bei der Feld- und Stallarbeit gerne zur Hand. Es lebte einst ein Erdmannli im Gebiet Gschwend in einer Höhle. Dort in der Nähe befand sich ein Bauernhof. Der Bauer war weitum dafür bekannt, dass er seine Arbeiten auf dem Hof nicht immer sehr pflichtbewusst ausführte. So hatte das Erdmannli einen grossen Arbeitsplatz auf diesem Hof.

Es war um die Fasnachtszeit, wo es den Bauern in den Beinen juckte. So gerne würde er auch wieder das Tanzbein schwingen. Er ging zum Erdmannli in die Höhle und fragte, ob es ihm zum Rechten schauen würde, während er an die Fasnacht ging. Das Erdmannli sagte voller Freude zu, bemerkte aber, dass das Wetter nicht wechseln dürfe, sonst müsse es seinen Dienst kündigen. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt recht schön. Aber der Bauer hörte die letzten Worte des Erdmannlis schon nicht mehr.

Zwei Tage lang hatte es der Bauer fidel und munter, bis er sich, müde von den vielen Tänzen, am Aschermittwoch langsam auf den Heimweg machte. Schon von weitem bemerkte er, dass etwas auf seinem Hof nicht stimmte. Er ging in den Stall und sah, dass sein Vieh am Verenden war. Schäumend vor Wut ging er zum Erdmannli in die Höhle und wollte dieses zur Rechenschaft ziehen und ihm die Schuld geben, dass alles am Sterben sei.

Das Erdmannli entschuldigte sich dafür. Gleichzeitig wies es den Bauern aber darauf hin, ausdrücklich gesagt zu haben, es könne die Arbeit nur so lange verrichten, bis das Wetter umschlägt.

So sei aber der Föhn durch das Land gefegt und es hätte in seine Höhle zurückmüssen, da ihm der Föhn sonst Mark und Bein ausgetrocknet hätte. Für den Bauer war das eine gehörige Lehre und er hat das Erdmannli seither nie mehr um einen Gefallen gebeten. Mit dieser Geschichte wünsche ich Ihnen genussvolle, schöne und unbeschwerte Fasnachtstage- und nächte.

Trotz Fasnacht sollte man nicht den Hof vernachlässigen. (Bild: Brigitt Andermatt)

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1 Kommentare
  1. CScherrer, 24.01.2020, 13:04 Uhr

    Nur, dass die Lozärner Fasnacht nichts mit dem „Winter vertreiben“ zu tun hat. Deshalb hat man Fasnacht in Luzern bis in die 1970er Jahre auch „Fastnacht“ geschrieben.

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