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Im Winter ist die Zeit der Dämonen und Geister

In Zug sind Sträggele und Pfaffenkellnerin unterwegs

Das Wilde Heer ist als Gruppe dreibeiniger Hunde unterwegs – der Leithund hat ein einziges glühend-funkelndes Auge auf dem Kopf. (Bild: Brigitt Andermatt)

Der Schwarze Türst, ein Dämon, ist mit seinem Wilden Heer besonders in der Winterzeit unterwegs. Es gibt Berichte von Menzingen bis zum Ennetsee, Spuren wurden aber auch schon auf der Luzerner Allmend gesehen. Er wird oft von seiner Geliebten, der Sträggele, oder der Pfaffenkellnerin begleitet.

Um die winterlichen Geister und Dämonen abzuwehren, gab es früher zahlreiche magisch-religiöse Rituale, die ihren Ursprung in vorchristlicher Zeit hatten. Sie wurden in den christlichen Glauben aufgenommen und lebten in der katholischen Volksfrömmigkeit – zum Teil bis heute – weiter. Den verstorbenen Menschen ebnet man den Weg ins Jenseits mit Gebeten, Weihwasser und gesegneten Kerzen.

Wenn Menschen einst vor ihrer Zeit unfreiwillig – durch ein Unglück oder als Opfer eines Verbrechens – ums Leben kamen, wurde vielerorts mit Schutzzeichen wie Amuletten, Kreuzen und mehr deren Seelenheil gedacht. Dies, damit sie einerseits von ihren Sünden befreit und andererseits ihre Seelen erlöst wurden und nicht auf der Erde als unruhige Geister wandeln mussten.

Freier Durchgang für das Wilde Heer

In vielen Sagen, die eine belehrende Wirkung haben, wird eindrücklich davor gewarnt, sich diesen Elementen und Dämonen entgegenzustellen. Im Winter ist der Schwarze Türst mit seinem Wilden Heer unterwegs. Das Wilde Heer sind die Totenzüge, die unerlösten Seelen von Verstorbenen, die ihrem dämonischen Anführer folgen. Die Vorstellung, dass sich die Toten zu bestimmten Jahreszeiten als wild jagende, stürmende und lärmende Geister hör- und sichtbar machen, ist in der heutigen Zeit kaum mehr nachvollziehbar.

In ländlichen Gegenden wurden aber in der Winterzeit die Tenntore (Scheunentore) offen gelassen, damit diese Geisterzüge freien Durchgang hatten. In Menzingen, so wurde berichtet, durfte in den Bauernhäusern, wo sich Tür und Fenster gegenüberstanden, nichts in den Weg gestellt werden, damit das Wilde Heer freien Durchgang hatte.

Geisterzüge in den Rauhnächten

Diese Geisterzüge sind besonders in den Rauhnächten zwischen Thomastag und Dreikönig spürbar unterwegs. Sie brausen und stürmen übers offene Feld, durch Häuser und Scheunen. Zerdrücken und zerschlagen alles, was im Weg steht. Wer sich ihnen entgegenstellt, wird zerfetzt und muss sich als unerlöster Toter dem wilden Geisterzug anschliessen. 

Das Wilde Heer wird oft als eine Gruppe von wild bellenden Hunden beschrieben. Diese toben und bellen nächtelang. Auf der Luzerner Allmend fand man nach einer solchen Nacht Tausende Abdrücke dieser Hunde. Die Hunde sind leicht zu erkennen. Sie haben alle bloss drei Beine und der Leithund hat nur ein einziges glühend-funkelndes Auge auf dem Kopf. Im Zugerland, vor allem im Ennetsee, streift der Anführer des Wilden Heeres mit seiner Geliebten, der Sträggele, umher. Von ihr weiss man, dass sie die faulen Kinder mitnimmt und tötet. Eine weitere Weggefährtin ist die Pfaffenkellnerin.

Die Pfaffenkellnerin taucht in der Gestalt einer Muttersau auf.
Die Pfaffenkellnerin taucht in der Gestalt einer Muttersau auf. (Bild: Brigitt Andermatt)

Die Pfaffenkellnerin

Auch mit ihr ist nicht zu spassen. Die Pfaffenkellnerin soll die Geliebte eines Pfarrers gewesen sein. Sie wird bei uns vor allem als wilder Geist wahrgenommen. In Walchwil stürmt sie durch das Tobel, ist beim Dorf- und Seckibach und manchmal auch beim Chämistalerwald in der Gestalt einer wild gewordenen Muttersau zu sehen. Bei einer Begegnung fuhr manchem nächtlichen Wanderer die Angst derart in die Knochen, dass er danach krank wurde.

Die Pfaffenkellnerin ist auch im Gebiet des Schwarzenbachs unterwegs, genau dort, wo dieser ins Tobel und dann in die Lorze fliesst. Da kann sie in stürmischen Winternächten umhertoben wie eine Furie. Sie wird von Katzengejammer, Hundegebell oder ihren wild quietschenden Schweinen begleitet.

Zwei Männer aus dem Grüth haben diese schreckliche Frauengestalt einmal als wandelnde schwarze Heuburde gesehen, wie sie vor ihren Augen lärmend in das Schwarzenbach-Tobel hinuntergestürzt ist. Die beiden haben sich nach dieser Begegnung lange nicht von ihrem Schreck erholen können. Der eine sei mehrere Wochen lang krank gewesen, der andere getraute sich danach nicht mehr in dieses Waldstück.

Die Pfaffenkellnerin findet man in verschiedenen Sagen im Kanton Zug und meistens im Zusammenhang mit kleinen Kindern. Einmal sei sie vor ihrer Zeit gestorben, weil sie die Taufe ihres Patenkindes verpasst habe. Ein anderes Mal, weil sie ihr uneheliches Kind umgebracht habe. Nach diesem Verbrechen wurde sie zum Tod verurteilt. Aber auch nach ihrem Tod fand ihre Seele keine Ruhe und musste für ihre grausige Tat als unerlöster Geist in Walchwil oder Allenwinden wandeln.

Mehr zu den Sagen rund um die Rauhnächte und passend zur Jahreszeit gibt es an zwei Abenden am Baarer Lichterweg zu hören; erzählt von Maria Greco.

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