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Die drei Tellen im Bauernkrieg
Im Freiheitskampf ist den Entlebuchern jedes Mittel recht

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«Erwachen der Drei Tellen» auf einer Geschenkkarte zugunsten der Luzerner Winkelried-Stiftung von E. Goetz
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«Erwachen der Drei Tellen» auf einer Geschenkkarte zugunsten der Luzerner Winkelried-Stiftung von E. Goetz (Bild: Zentrum digitale Medien der Armee (DMA))

1563 wütet in der Eidgenossenschaft der Bauernkrieg. Die Gallionsfiguren der Rebellion sind drei Männer aus dem Entlebuch, die sich als die drei zeitgenössischen Tellen verstehen. Im Kampf um ihre Freiheit ist ihnen jedes Mittel recht. Auch vor dem Tyrannenmord schrecken sie nicht zurück.

Eine jede Volksbewegung benötigt Identifikationsfiguren. Auch der Bauernkrieg von 1653 kommt ohne nicht aus.

Inspiriert von den «drei Eigenossen», welche die drei Innerschweizer Orte beim mythischen Rütlischwur repräsentieren, schliessen sich Kaspar Unternährer, Ueli Dahinden und Hans Zemp im Frühjahr 1653 zusammen.

Sie werden in den nächsten Monaten die drei Tellen sein, der Rebellion ein Gesicht geben – und deren Niedergang besiegeln. Von ihren idealistischen Zielen überzeugt, wollen sie ihrer rebellischen Bewegung Symbolfiguren spenden, inspiriert von den Tugenden der ländlichen Auflehnung.

Die Rebellion fängt Feuer

Der sich zusammenbrauende Konflikt hat seinen Ursprung in der luzernischen Gemeinde Entlebuch. Im Dezember 1652 werden die Berner, Freiburger und Solothurner Handelsmünzen abgewertet. Eine radikale Massnahme, die durch das Ende des Dreissigjährigen Kriegs bedingt ist. Eine Depression setzt ein die auf die Preiskonjunktur der Kriegsjahre folgt. Denn die eidgenössischen Orte profitieren von der in Europa beherrschenden Gewalt. Exporte werden stark begünstigt, wovon auch die ländliche Bevölkerung stark profitiert.

Mit dem Kriegsende braut sich ein Sturm zusammen, der durch die Abwertung der Handelsmünzen auf die Luzerner Gemeinde Entlebuch überschwappt.

Entsetzt über die Entwertung ihrer Währung und verärgert über die ausbleibenden Kompensationszahlungen, schliessen sich die Bewohner des Entlebuchs und der umliegenden Dörfer zu einer Rebellion zusammen. Ihre mutige, selbstbestimmte Tat findet schon bald Nachahmer. Alle weiteren Luzerner Landvogteien schliessen sich der Rebellion an, die am 26. Februar in Wolhusen einen Bund mit allen Luzerner Untertanen schliesst. Der regionale Vorfall weitet sich schon bald zu einer überregionalen Bewegung aus. Die ländliche Bevölkerung in Bern, Basel und Solothurn tritt den Aufständischen ebenfalls bei.

Befreiungstradition

Die drei Tellen werden infolge der sich ausbreitenden Rebellion zu wichtigen Identifikationsfiguren. So treten sie auf verschiedenen Bauerntreffen auf. Gekleidet in historischen Kostümen, verkörpern sie Werte wie Mut, Aufopferungsbereitschaft und Freiheitsstreben.

Sie sind Symbol einer Bewegung, die für die Anerkennung ihrer Dienste eintritt und sich als ebenbürtige Gegenspieler der Obrigkeit darstellt. Sie stellen den Willen zur Befreiung dar, der ideologisch durch die Entstehungsmythen der Eidgenossenschaft geprägt wurde. Dabei fordern sie die Legalisierung von politischen Landsgemeinden, die Aufhebung des Versammlungsverbots sowie Partizipation an der herrschaftlichen Gesetzgebung.

Das überregionale Bauernbündnis

Die versammelten Untertanen der Eidgenossenschaft stellen in einem neu gefassten Bündnis den 3. Bauernbund. Luzern, Basel, Bern und Solothurn schliessen sich nun in einer überregionalen Vereinigung zusammen und bedrohen das altbewährte eidgenössische System. Und sie können ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Immerhin verfügen sie aufgrund ihres Zusammenschlusses nun über bedeutende militärische Mittel.

Um die Forderungen nach mehr politischem Mitspracherecht durchzusetzen, beginnt der 3. Bauernbund seine militärische Aktion. Die Städte Bern und Luzern werden von dessen Truppen belagert, die Lebensmittelversorgung wird unterbrochen.

Diese Mobilisierung bleibt nicht unbeantwortet; schon bald stellt die Tagsatzung den Rebellen ihre eigenen Heere entgegen. Die nachfolgende Pattsituation wird mit Friedensverträgen aufgehoben. Als Kompromisslösung werden den Untertanen wirtschaftliche Konzessionen zugestanden, ihre politischen Forderungen müssen sie hingegen aufgeben.

Doch der Friede ist nur von kurzer Dauer. Schon bald nach der Auflösung der Rebellenheere beginnen die obrigkeitlichen Truppen mit der Verfolgung der Rädelsführer. Unbarmherzig werden sie verfolgt, hingerichtet oder zu Galeerenstrafen verurteilt.

Suche nach den drei Tellen

Auch die drei Galionsfiguren der Rebellion, die drei Tellen, werden nicht verschont. Aufgrund ihrer Wirkung auf die Untertanen werden Haftbefehle gegen sie ausgestellt. Sie flüchten vor den Truppen des Luzerner Generals Sebastian Peregrin Zwyers von Evibach. Unternährer und Dahinden verschlägt es in die Entlebucher Alpen. Anders Zemp: Er misst der Verfolgung mehr Bedeutung zu als seine Mitstreiter und setzt sich ins Elsass ins Exil ab.

Um die Rückkehr in die Normalität zu verdeutlichen, inszeniert die Obrigkeit in Zemp und Unternährers Heimatdorf Schüpfheim einen Schwörtag. Dabei schwören die Bewohner ihre Treue zur Herrschaft. Dieser Schwörtag zeigt den drei Rebellen, dass keinerlei Nachsicht mit ihren revolutionären Taten gezeigt wird – eine Rückkehr in ihre Heimat wird so unmöglich. Frustriert und enttäuscht beginnen sie ihre Rache zu planen.

Tyrannenmord

Sie beschliessen, ganz in der Befreiungstradition Wilhelm Tells, den Tyrannenmord. Ihr Komplott zielt auf die Tötung der Luzerner Ratsdelegation ab, die nach dem Schwörtag von Schüpfheim in die Stadt zurückkehrt. Auch der Luzerner Schultheiss Ulrich Dulliker ist Teil der Delegation.

Hans Stadelmann ersetzt den geflohenen Zemp als dritter Tell. Gekleidet in ihren Kostümen, lauern Stadelmann, Unternährer und Dahinden dem Luzerner Dulliker auf. Auf der Zinggenbrücke zwischen Hasle und Schüpfheim soll der Überfall stattfinden. Doch den Attentätern misslingt es, den vollkommenen Tyrannenmord zu begehen.

Anders als vorgesehen, verletzen die Attentäter Dulliker nur, töten aber seinen Begleiter, den Zeugherrn Luzerns Caspar Studer. Weil Studer allerdings auch eine hohe Position in der Hierarchie des patrizischen Luzerns geniesst, kommt ihre Botschaft des vollzogenen Tyrannenmords in breiten Kreisen der Bevölkerung an.

So flammt die Rebellion kurzzeitig wieder auf, wird von einem Söldnerkontingent aber schnell niedergeschlagen. Denunziert von den eigenen Entlebucher Genossen, werden die Aufenthaltsorte von Unternährer und Dahinden verraten.

Kurz danach wird auch Stadelmanns Aufenthaltsort preisgegeben. Sein Kopf wird ans Basler Tor genagelt, als Abschreckung für potenzielle Nachahmer. Starrend in Richtung Entlebuch wird den Untertanen ihre Position ins Gedächtnis gerufen. Der Preis für die Identifikation mit der Befreiung.

Unternährer und sein Mitstreiter Hintervoli wehren sich von einem Hüttendach aus heftig gegen die sie bedrängenden Krieger.
Unternährer und sein Mitstreiter Hintervoli wehren sich von einem Hüttendach aus heftig gegen die sie bedrängenden Krieger.

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4 Kommentare
  1. Franz Pfoster, 29.12.2021, 12:30 Uhr

    An Yann-Alexander Hage als Verfasser des Artikels:
    Es heisst Wolhusen und nicht Wohlhusen. Ein kurzer Blick in ein Telefonverzeichnis oder in eine Landkarte hätte gereicht um den Fehler zu vermeiden!

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    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 29.12.2021, 12:38 Uhr

      Danke für den Hinweis, der Tippfehler ging wohl unserem Korrektorat durch die Lappen. Wir haben das gerne korrigiert.

      1 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
    2. Dunning-Kruger, 29.12.2021, 13:09 Uhr

      Wohlhusen gefällt mir ohnehin viel besser. Oder vielleicht Wollhusen? Wie wärs mit Wollhausen?

      Ja, Mut und Selbstbestimmung werden in diesen Zeiten gerne gelobt, wenn sie denn 500 Jahre zurückliegen…

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    3. Yann-Alexander Hage, 07.01.2022, 15:56 Uhr

      Vielen Dank für den Hinweis Herr Pfoster!
      Da hat sich wohl eine Unachtsamkeit beim Verfassen des Artikels eingeschlichen.
      Hoffe die Lektüre hat Ihnen dennoch Freude bereitet.
      Freundliche Grüsse
      Yann-Alexander Hage

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