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Hinrichtung in Zug nach langer krimineller Karriere

Felix Waser, der Ausbrecherkönig des 19. Jahrhunderts

Mehrere Male flüchtet der junge Felix Waser aus dem Gewahrsam der Justiz. (Bild: Adobe Stock)

Mit neun Jahren verlässt Felix Waser gemeinsam mit seinen Brüdern das Elternhaus. Daraufhin beginnt eine kriminelle Karriere, welche ihn durch die Innerschweizer Kantone treibt. Mehrmals wird er verhaftet, schafft es jedoch, sechsmal zu fliehen. Seine Odyssee findet in Zug ihr Ende durch den Scharfrichter.

Felix Waser wird im Revolutionsjahr 1789 in schwierige Familienverhältnisse hineingeboren. Sieben seiner zwölf Geschwister sterben den frühen Kindstod. Die Eltern sind arm, haben keine feste Bleibe und fristen ein nomadisches Leben in den verschiedenen Kantonen der Innerschweiz. Ihren Lebensunterhalt fristen sie durch Bettelei und Gelegenheitsarbeiten.

Angesichts der Verhältnisse wundert es kaum, dass die fünf Jungen keine nennenswerte Schulbildung erfahren. Nach dem Tod des Vaters kommt es jedoch noch schlimmer. Ihre Mutter heiratet erneut, doch das Verhältnis zwischen den Söhnen und dem Stiefvater ist schlecht. Ständig streiten sie sich, bis es zum Eklat kommt. 

Beginn einer kriminellen Laufbahn 

Die Brüder entscheiden sich, ihre Mutter und den verhassten Stiefvater zu verlassen. Von nun an ziehen sie alleine durch die Innerschweiz. Im Alter von neun Jahren beginnt Felix Waser das Leben eines Vagabunden. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er durch betteln und den Verkauf von selbsthergestellten Tragkörben und Besen. Nach einer Zeit der Einsamkeit trifft er im Chiemenwald in Küssnacht auf seinen Bruder Jost. Sie entwickeln eine innige Beziehung und betteln sich gemeinsam durch die Innerschweizer Kantone.

Doch schon bald wird sich ihr Leben grundsätzlich verändern. Auf ihren Streifzügen kommen sie in Kontakt mit anderen Bettlern, welche ihnen eine andere, lukrativere Erwerbsform näherbringen.

In Arth verüben Felix und Jost ihren ersten Einbruch. Wie es scheint, durchaus erfolgreich, denn schon bald verschreiben sie sich ganz der Kriminalität. Felix Wasers Biograf Jakob Bossard schreibt: «Allenthalben setzten sie beide ihren einmal angefangenen Räuberberuf fort, und zwar in so furchtbaren Masse, dass von allen Seiten her Jagd auf sie gemacht wurde.»

Familienbande im Visier der Justiz

Vor allem Jost Waser gerät immer mehr ins Visier der Justiz. Seine kriminelle Energie entlädt sich in einer Vielzahl von Diebstählen, an welchen sich neben seinem Bruder Felix auch zwei andere Brüder, Jakob und Franz, beteiligen. Mit dreizehn sitzt Felix seine erste Haftstrafe ab. Nach einem Einbruch in Alpnach, Obwalden, wird er festgenommen. Doch aufgrund seines Alters wird er schon bald wieder freigelassen.

Sein Bruder Jakob hat nicht so viel Glück. 1803 wird er vom Luzerner Gericht zu 14 Jahren Kettenstrafe verurteilt. Diese bestand darin, dass er an die Wand des Gefängnisses angekettet wurde. Auch um Jost zog sich die Schlinge immer enger. Er wird in Küssnacht erkannt und festgenommen. Zwar schafft er es, dem Gefängnis zu entfliehen, wird aber nur einige Monate darauf erneut gefasst.

Die Brüder Waser sind den Innerschweizer Behörden zu diesem Zeitpunkt bereits ein Dorn im Auge. Sie sind berüchtigt für ihre Diebstähle und ihre Gefängnisausbrüche. Da die drakonischen Haftstrafen keine Wirkung zeigen, beginnt die Justiz schon bald, zu drastischen Mitteln zu greifen. 

Exekution der Brüder

Jost und Jakob werden als unbelehrbare Kriminelle abgetan. Am 26. Januar 1804 spricht das Schwyzer Malefizgericht gegen den 18-jährigen Jost Waser das Todesurteil aus. Noch am gleichen Tag wird er enthauptet. 

Sein Bruder Jakob wird einen Tag zuvor zu einer 40-jährigen Haftstrafe verurteilt. Natürlich flieht er alsbald. Er treibt sein Unwesen noch einige Jahre weiter, bis auch er 1807 erneut gefasst wird, dieses mal in Luzern. Das Gericht lässt keine Gnade walten und richtet ihn am 12. Dezember 1807 hin. Sein Leben findet als «unverbesserlicher Dieb, und ein beharrlicher Erzbösewicht» ein Ende.

Auf der Suche nach dem grossem Coup

Trotz der Hinrichtungen seiner Brüder führt Felix Waser seinen Lebensstil fort. Die «Lehrjahre» unter seinen Brüdern scheinen sich für ihn auszuzahlen. Er perfektioniert sein Handwerk und steigt zum Anführer einer Diebesbande auf. Seine Diebeszüge führen ihn in den Aargau, wo er seine Partnerin, Anna Maria Laubi, kennenlernt. In den Folgejahren entwickelt sich eine intensive Verbundenheit zwischen ihnen. Sie leben eine «on-off»-Beziehung, trennen sich wiederholt, finden aber immer wieder zusammen.

Zeuge ihrer Verbindung sind die sieben gemeinsamen Kinder. Seine neu gefundene Rolle als Familienvater scheint Felix Wasers kriminelle Energie nur noch mehr zu bestärken. Wie er seinem Biografen offenbart, sucht er stetig nach dem grossen Coup. Mit dem erbeuteten Geld will er ein Handelsgeschäft aufbauen und sich endlich dem ehrlichen Leben verschreiben. Doch schon bald gerät er erneut in Konflikt mit dem Gesetz. 

Auf dem Weg der Läuterung

1809 hält sich Felix Waser gemeinsam mit seiner Partnerin Anna Maria Laubi, genannt «Plempelmen», in Langholz bei Hünenberg im Kanton Zug auf. Bald werden sie von Landjägern entdeckt, welche Plempelmen aus dem Kanton vertreiben und Felix vorerst festnehmen. Er schafft es jedoch, aus dem Gefängnis zu fliehen. Einige Monate später wird er in Rapperswil verhaftet und nach St. Gallen abgeführt. Dort erwartet ihn der Prozess. Wohlwissend, welche Strafe seine beiden Brüder ereilte, flüchtet er auch aus dieser Verwahrung.

Doch er kommt nicht weit. Einige Tage nach seiner Flucht wird er verhaftet und vor das St. Galler Gericht gebracht. Die Richter verurteilen ihn zu 14 Jahren Kettenstrafe. Der Todesstrafe ist er vorerst entkommen. Während des Prozesses plädiert sein Anwalt auf Nachsicht, betont Felix’ schwierige Kindheit und argumentiert, dass der Weg in eine kriminelle Laufbahn einer gänzlichen Perspektivlosigkeit geschuldet sei. 

Resozialisierung

Interniert im «grünen Turm», einem St. Galler Zuchthaus für Straffällige, zeigt sich eine Wende in der Mentalität des einst für «unverbesserlich» gehaltenen Häftlings. 1812 wird er vorzeitig entlassen. Der Grosse Rat St. Gallen befindet ihn als resozialisiert. Die Haftstrafe habe ihn auf «bessere Gedanken» gebracht.

Er wird in seinen Heimatort Engelberg gebracht, wo für ihn ein geläutertes Leben beginnen soll. Doch die dortigen Behörden lehnen seine Aufnahme ab. Noch bevor er sesshaft, und ein Leben fernab der Kriminalität beginnen kann, verflüchtigt sich der Traum von der Abkehr vom kriminellen Leben. Von der sesshaften Bürgerlichkeit abgewiesen, findet er zurück in das ihm bekannte Leben.

Odyssee durch die Schweiz

Nach der Engelberger Ablehnung seines Bürgerrechts steht Felix Waser die Rückkehr ins Zuchthaus nach St. Gallen bevor. Der Gefangenentransport führt über Zug. Dort angekommen, gelingt ihm die Flucht. Daraufhin zieht es ihn in den Kanton Luzern, wo er mit Hilfe eines Komplizen, Alois Schneiter, mehrere Einbrüche verübt. Der Kontinuität seines Lebens folgend, wird er erneut verhaftet und im Luzerner Gefängnis interniert. Natürlich gelingt ihm auch hier bald die Flucht. Sein Komplize wird hingerichtet. Ein weiteres Mal schafft es Felix Waser, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

In den folgenden Jahren begibt sich Felix Waser auf eine wahrhafte Odyssee durch die Schweiz. Auf seinen Diebeszügen zieht er durch das Bündnerland, die Ostschweiz, den Kanton Bern und das Glarnerland. Teilweise verdient er seinen Unterhalt auf redliche Weise, arbeitet auf Bauernhöfen und führt zwischenzeitlich sogar seine eigene Warenhandlung. Auch seine Partnerin Plempelmen trifft er zwischenzeitlich immer wieder. Doch es zieht ihn immer wieder in die Kriminalität.

1818 verübt er mit seinem Bruder Johann Kaspar einige Einbrüche im Wallis. Sie werden verhaftet, der Ausbruch glückt ihnen jedoch abermals. Sein letzter erfolgreicher Gefängnisausbruch gelingt ihm 1819, dieses mal aus einer Strafanstalt im deutschen Laufenburg. Seine Ausbrüche beruhen immer auf derselben Methode. Er durchsägt die vergitterten Fenster und seilt sich mithilfe von Leintüchern ab.

Der letzte Akt

Nach seiner Flucht aus dem deutschen Gefängnis zieht es ihn wieder in die Schweiz, einmal mehr nach Zug. Dort trifft er auf eine Gruppe von Umherziehenden und schliesst sich ihnen an. Am 12. März 1819 werden sie von Landjägern oberhalb von Blickensdorf entdeckt. Daraufhin fliehen sie in die Richtung des Menzingerberg, werden jedoch am Folgetag beim Schöneboden verhaftet und nach Zug abgeführt. Felix Waser steht der Prozess bevor.

Anfangs versucht er noch sich unter falschen Namen auszugeben, doch schon bald gesteht er seine wahre Identität. Die zuständige Zuger Behörde ermittelt intensiv und schafft durch kantonale Zusammenarbeit eine ausführliche Chronologie der Straftaten. Das Gericht stuft Waser als unverbesserlichen Straftäter ein und kommt zum Schluss, es «sey besser, dass er sterbe, als dass er lebe.»

Der spätere Zuger Stadtpfarrer Johann Jakob Bossard soll Felix Waser auf seine Hinrichtung vorbereiten und schreibt auf Bitten Wasers seine Lebensgeschichte nieder. Am Montag, dem 24. Mai 1819, wird Felix Waser unter den Augen der Öffentlichkeit bei der Schutzengelkapelle an der Chamerstrasse durch den Scharfrichter enthauptet. Mit nur dreissig Jahren nimmt sein unstetes Leben ein abruptes Ende.

Verwendete Quellen
  • Morsoli, Renato (1998): Leben und Sterben eines heimatlosen Gauners.
  • Bossard, Johann Jakob: Kurzer Abriss der Lebensgeschichte des berüchtigten Diebes Felix Waser, der 24. Mai 1819 durch das Schwert der Gerechtigkeit in Zug hingerichtet wurde.
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