Ein altes Emaille-Reklameschild mit Chamer Bezug
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Emailleschild der Firma Nestlé aus den 1930/1940er-Jahren, 97 cm × 47,5 cm, Blech, Emaille (Bild: Oliver Dimitrijevic)

Der erste Versuch der Schokoladenherstellung Ein altes Emaille-Reklameschild mit Chamer Bezug

2 min Lesezeit 21.07.2016, 17:00 Uhr

1905 fusionierten die beiden führenden Produzenten von Kondensmilch und nannten sich fortan Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Co. Spannend dabei ist, was die Fusion mit der ersten Schokoladenherstellung zu tun hat – und der Zuger Gemeinde Cham.

Kaufen oder nicht kaufen – das war nicht die Frage, die sich die Nachfolger der beiden Unternehmer Henry Nestlé (1814–1890) und George Page (1836–1899) untereinander stellen mussten. Fusionieren oder nicht war das Thema. Die beiden führenden Produzenten von Kondensmilch heirateten 1905 freiwillig und nannten sich fortan Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Co.

Die Mitgift der beiden Konzerne bestand aus gut dreitausend Mitarbeitern, zwanzig Fabriken sowie Agenturen auf allen Kontinenten. Standort und wichtigste Produktionsstätte der Nestlé war (und ist) bekanntermassen Vevey. Weniger im historischen Gedächtnis ist die ehemalige Fabrik im Cham, wo die Anglo Swiss vor 150 Jahren gegründet worden war. In dieser Zuger Gemeinde befindet sich auch heute noch der zweite Firmensitz.

Milchschokolade mit Honig ersteigert

Kaufen oder nicht kaufen – das war die Frage, die sich das Historische Museum Burg Zug kürzlich fragen durfte. Das Auktionshaus Zofingen bot in seiner Sommerauktion ein Emaille-Reklameschild von Nestlé an. Aufgrund eines relativ kleinen Ankaufsbudgets muss man sich gut überlegen, ob und inwiefern ein Objekt in die Sammlung passt und wie viele Sammlungskriterien das Exponat erfüllt.

Geworben wird – nein, nicht für Kondensmilch! – sondern für Milchschokolade mit Honig. Schokolade wurde in der «Südi» in Cham nie produziert, die erste Schokolade von Nestlé wurde im Jahr der Fusion – in Vevey – lanciert. Weitere Fragen drängten sich auf. Wer war der Hersteller des Werbeträgers? Könnte es die Metallwarenfabrik Zug gewesen sein? Haben wir bereits Objekte aus der Anglo-Swiss oder der Nestlé in unserem Depot? Wie ist der Zustand des Objektes?

Nestlé lauert überall

Viele Fragen, kurzer Sinn: Wir haben das visuell ansprechende Objekt angeschafft – und hoffen, dass wir es bald einmal unserem Publikum präsentieren können – Nestlé lauert überall!

In diesem heissen Sommer kommt wohl kaum jemand am heute grössten Nahrungsmittelkonzern der Welt vorbei: Ob man ein cremiges Eis schleckt (Mövenpick), ein perlendes Mineralwasser trinkt (Perrier, San Pellegrino, Vittel) oder ein Eierbrötchen vertilgt (Thomy) – der Riese aus Vevey verdient mit.

Siegeszug der Schokolade

Für die ersten Versuche mit Milchschokolade wurden übrigens Frisch- wie Kondensmilch aus der «Südi» in Cham bezogen. Die Anglo-Swiss war die erste Kondensmilchfabrik in Europa. Für die Herstellung von Schokolade eignete sich Kondensmilch jedoch nicht, sodass zunächst um 1900 Milchpulver hergestellt werden musste.

Ab diesem Zeitpunkt trat Schokolade, die lange nur am Standort Schweiz produziert wurde, rasch ihren weltweiten Siegeszug an. Die Tafelschokolade Chocmel auf dem Emailleschild wurde 1926 lanciert und findet sich heute noch im Sortiment. Wahrlich ein Longseller!

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