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Die Seejungfrau, der Jüngling und die Katastrophe in der Zuger Altstadt
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Seeufer an der Unteralstadt. (Bild: Maria Greco)

Ein schweres Unglück überschattete im Jahr 1435 die Stadt Zug Die Seejungfrau, der Jüngling und die Katastrophe in der Zuger Altstadt

5 min Lesezeit 09.08.2019, 10:58 Uhr

Mit der Katastrophe in der Zuger Altstadt ist auch die Sage der «Zuger Seejumpfere» verbunden. Es geht um eine verbotene Liebe zu einem Landmenschen, die ein schweres Unglück nach sich zieht. Die Geschichte sollte über den tragischen Ausgang dieser real zugetragenen Katastrophe hinweg trösten.

Am 4. März im Jahr 1435 hets i de Zuger Stadt donneret, grumoret und d’Erde het zitteret, fascht wie bimene Ärdbebe. D Untergass vo de hüttige Zuger Altstadt isch i See abegsunke. Glii drufabe nach däm grosse Unglück isch bi de Lüüt d Sag vo de Zuger Seejumpfere umegange.

Im Zugersee het emal es gheimnisvolls Seevolch ghuuset. Das Volch isch vomene alte Wasserkönig mit stränger Hand regiert worde. De Seekönig het e lieblich-hübschi Tochter gha. S Seeprinzässli het aber under de Seelüüt a keim einzige junge Maa Gfalle gfunde. Amene Tag isch sie am Ufer vom Zugersee gsii und het en junge Burscht gchänneglehrt und mit däm aagfange aabändle. De Burscht isch de Sohn vom Zuger Stadtschriiber gsii.

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S isch fascht kei Tag vergange, ohni dass die zwöi sich nid troffe händ. Em Königsvater het die Liebelei aber überhaupt nid passed, und er het de Tochter churzerhand verbote, sich wiiterhin mit däm Jüngling z träffe. Tag für Tag isch das Jümpferli immer truuriger und truuriger worde und het e keis Stärbeswörtli meh welle rede. Das het denn em Wasserkönig wider grosse Chummer gmacht, wenn er sis Töchterli mit eme griesgrämige Gsicht gseh het.

Unteraltstadt Uferpfad. (Bild: Maria Greco)
D Zuger Seejumpfere

Sagen und Legenden wurden früher mündlich überliefert. Diese Geschichten wurden lange Zeit kaum mehr erzählt. Vor über 15 Jahren habe ich angefangen, diese Geschichten neu zu entdecken und sie wieder zu erzählen. Fast hundert Geschichten sind im Buch «Zuger Sage, Legände und Gschichte» veröffentlicht.

Diese sind auf Mundart verfasst, die Zusammenfassung auf Hochdeutsch erfolgt exklusiv auf zentralplus. Über die hier vorgestellte Sage berichtete zentralplus bereits in anderem Zusammenhang.

So het er ihre amene Tag en Vorschlag gmacht: «Wenn du de jungi Maa würkli so fescht gärn hesch, so darfsch du mit em Hochzyt ha. Ich chas nämli nid liide, dich so unglücklich z gseh. Wenn de Zuger Burscht mit dier will zäme sii, so dörf er das. Er muess aber bi üsem Volch läbe», het er denn no wiiter uusgfüehrt. Chuum het de Vater das gseit, isch das Jümpferli mit schnällem Flosseschlag wie de Blitz as Ufer gschwumme und het am Ufer de Stadtschriiberburscht mit ihrem schöne Gsang aaglockt. Au er het sehnsüchtig uf sis liebschti Seejümpferli gwartet gha. Schnell het sie em denn vom Plan vom alte Seekönig verzellt und dass de Vater jetzt sis Iiverständnis gä het. Das het däm Burscht alles guet passet. So het s Seenixli em vomene Zaubertrank z trinke gä, wo em erlaubt, under Wasser chönne z läbe. Muetig het er de trunke und isch mit ihre is Zauberriich abtaucht.

D Freud het aber nid so lang anegha. Scho glii einisch het de Stadtschriiberbueb es gruusigs Heiweh übercho und hätti so gärn d Familie und sini Fründe us de Untergass welle gseh. Er isch immer truuriger worde. So abgmageret und trüebselig isch es e keis Zueluege meh gsii. Woner i sim Nixli ändlich verzellt het, warums em so schlächt gaht, isch sie inere stockdunkle Märzenacht mit ihrem Zaubertrank i jedi Chuchi vo de Unterstadt. Nur es paar Tröpfli vo däm Trank het sie i jede Trinkchrueg taa. Am nächschte Tag isch die ganz Hüüserreihe samt und sonders abgsunke. Debii het niemert müesse vertrinke, seit mer, will de Zaubertrank het i allne erlaubt under Wasser i de Zauberwält wiiter z läbe.

So isch de heiwehchranki Stadtschriiberbueb mit sine Eltere, Bekannte und Fründe us de gliiche Gass wieder zämecho.

D Seejumpfere. (Illustration: Brigitt Andermatt)

Sunntigschind chönd bi klarem Wasser hüt no die versunkni Untergass gseh und die fäschtlichi Musig usem Riich vom Nixekönig ghöre.

Zusammenfassung auf Hochdeutsch

Im Zugersee lebte einst ein Seevolk, dieses wurde von einem Wasserkönig regiert. Der Wasserkönig hatte eine hübsche Tochter. Die Seejungfrau fand aber an keinem Mann unter Wasser gefallen. So verliebte sie sich eines Tages in einen Jüngling vom Land. Dieser war der Sohn des Zuger Stadtschreibers. Der Wasserkönig missbilligte die Verbindung und verbot darauf seiner Tochter, den Burschen weiterhin zu sehen. Die Seejungfrau befiel eine tiefe Traurigkeit. Darauf änderte der Wasserkönig seine Entscheidung und erlaubte fortan, dass das junge Paar zusammen sein dürfe.

Dies war aber an die Bedingung geknüpft, dass der Jüngling unter Wasser zu leben hatte. Die Freude war gross und so tauchten beide ins Zauberreich ab. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer. Bald schon wurde der Bursche von starkem Heimweh geplagt und er wollte wieder zurück in die Untere Gasse zu seiner Familie.

Darauf hatte die Seejungfrau einen Plan. Sie ging in jede Küche der Unteren Gasse und gab in jeden Trinkkrug ein paar Tropfen eines Zaubertrankes hinein, der es den Menschen ermöglichte, unter Wasser zu leben. Am nächsten Tag verschwand die ganze Gasse mit Häusern und Menschen im See. Dank des Zaubertranks musste niemand sterben und so war die Wiedersehensfreude des Jünglings mit seiner Familie und seinen Bekannten gross. 

Unteraltstadt Ufer mit Badhaus. (Bild: Maria Greco)

Wie die meisten Sagen ist auch diese Geschichte erst lange Zeit nach dem Unglück entstanden. Wie weit sie zur Aufarbeitung des Unglücks tatsächlich beigetragen hat, ist nicht bekannt.

Die Katastrophe hat stattgefunden

Am 4. März 1435 stürzte die unterste der drei Gassen mit 26 Häusern in den See. Rund sechzig Menschen kamen bei diesem Unglück ums Leben, zahlreiche verloren ihr gesamtes Hab und Gut im Wasser. Aus vielen Orten der Eidgenossenschaft wurden danach Hilfsgüter, allen voran Nahrungsmittel, nach Zug entsandt, ist aus verschiedenen Archivquellen zu entnehmen.

Wenn Sie einen Spaziergang durch die Zuger Altstadt machen und beim Gerbiplatz den Durchgang gegen Süden unterhalb des Restaurants nehmen, laufen Sie auf einem schmalen Uferpfad Richtung Fischerei-Museum. Halten Sie kurz an und schauen Sie ins Wasser. An ganz bestimmten Tagen könne man heute noch Teile der versunkenen Häuser sehen und insbesondere Sonntagskinder (Kinder, die an einem Sonntag geboren wurden) können noch heute die schöne Musik aus dem Reich des Nixenkönigs hören. Heute weist eine Tafel beim Museum für Fischerei in der Unter Altstadt auf das Unglück hin.

Am 4. September 2019 wird die Autorin die Geschichte im Rahmen der Stadtführung «Zuger Sagentour» erzählen. Weitere Infos

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