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Der zweite Freischarenzug  bezeugt die engen Bande zwischen Luzern und Obwalden
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Artillerie-Gefecht im Laufe des zweiten Freischarenzugs gegen Luzern. «Treffen im Walde auf dem Gütsch bei Luzern den ersten April 1845 von Morgen halb fünf Uhr bis halb neun Uhr zwischen den Freischaaren und den Luzernertruppen und ihren Verbündeten von Ob- und Nidwalden» (Historisches Museum Obwalden Signatur G760b).

Obwaldner Kontingente 1845 auf Seiten der Luzerner Der zweite Freischarenzug bezeugt die engen Bande zwischen Luzern und Obwalden

5 min Lesezeit 1 Kommentar 24.08.2019, 10:55 Uhr

Es bricht eine Zeit des Umbruchs für das Historische Museum Obwalden an. Per Ende Jahr bezieht es sein neues Lager in Kägiswil. «Was soll uns das Luzerner interessieren?», wird sich der eine oder andere Leser fragen. Nun, die Obwaldner haben einige Objekte im Besitz, welche die historisch überaus engen Beziehungen zwischen den beiden Kantonen Obwalden und Luzern aufzeigen.

Als stolzer Luzerner ist mir besonders ein Ereignis ins Auge gefallen: Der zweite Freischarenzug von 1845.

Aufschlussreiche Lithografien

Die abgebildeten Lithografien der Gebrüder Eglin aus Luzern zeigen drei Gefechte, die zwischen den Aufständischen Freischärlern und den Luzerner Regierungstruppen auf Luzerner Boden ausgetragen wurden und «mit der gänzlichen Niederlage der Freyschaaren durch eine Abtheilung Luzernertruppen am ersten April 1845» endete.

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Mit dabei auf Seiten der Luzerner war auch eine Kompanie Ob- und Nidwaldner. Was ist passiert?

Die beiden Freischarenzüge von 1844 und 1845


Die beiden Freischarenzüge von 1844 und 1845 waren antiklerikale Aufstände radikaler Liberaler, die die katholisch-konservative Regierung Luzerns zu stürzen versuchten.

Ausgelöst wurden sie durch die Berufung von Jesuiten an die höheren Schulen in Luzern, welche von liberaler und radikaler Seite vehement bekämpft wurde. Die Vorgeschichte dieses Schachzuges der Luzerner Regierung war der Aargauer Klosterstreit (siehe hier das historische Lexikon der Schweiz).

Rückblickend spielten die Freischarenzüge eine bedeutende Rolle auf dem Weg zur Eskalation in den Sonderbundkrieg, da sich die katholischen Innerschweizer Kantone nach der Niederschlagung des zweiten Freischarenzugs zum Sonderbund zusammenschlossen.

Obwaldner Mobilisierung 1844

Welche Rolle spielte Obwalden in der gesamten Episode? Umgehend nachdem bekannt wurde, dass im Dezember 1844 Aufständler aus der Luzerner Landschaft und den Kantonen Aargau, Solothurn und Baselland nach Luzern zogen, um die dortige Regierung zu stürzen, wurde in Obwalden auf Bitten der Luzerner Regierung ein Kontingent von knapp 400 Mann mobilisiert. Bereit nach Luzern zu ziehen, um den katholischen Verbündeten zur Seite zu stehen, erhielten die Obwaldner die Nachricht vom Debakel des Aufstandes. Die Luzerner Truppen konnten die militärische Bedrohung alleine abwenden und das Obwaldner Kontingent wurde vorerst demobilisiert.

Der zweite Freischarenzug und die erneute Mobilmachung

Im Ende März 1845 ging dann alles Schlag auf Schlag. Erneut schlossen sich Freischärler aus den liberalen Kantonen und vor den Repressionen geflohene Luzerner zusammen und zogen unter der Führung des späteren Bundesrates Ulrich Ochsenbein nach Luzern.

Diesmal wurde der militärische Einsatz für die drei Obwaldner Kompanien real. In grösster Eile wurden die Truppen erneut mobilisiert und 670 Mann marschierten am Morgen des 31. März von Sarnen nach Alpnach ab.

Während die Obwaldner von Alpnach nach Luzern überschifften, rückten die rund 3500 Freischärler bis an die Tore Luzerns vor. Diese sahen aus Rücksicht gegenüber der Bevölkerung aber vom Beschuss der Stadt ab.

Als die Obwaldner gegen Mittag in Luzern ankamen, wurden sie «mit Freuden empfangen und in der Stadt einquartiert». Es war zugleich das erste Kontingent der katholischen Nachbarkantone, das in Luzern eintraf. Dies ist mitunter ein Beweis für die engen Beziehungen zwischen den beiden Kantonen Luzern und Obwalden.

Noch am selben Tag haben sich die mittlerweile ebenfalls eingetroffenen Nidwaldner mit den Obwaldnern zum Unterwaldner Battailon zusammengeschlossen. Dieses wurde zur Verstärkung der Luzerner Truppen nach Littau beordert. Bei den heftigen Gefechten am ersten April beim Gütschwald und am Emmenfelde sollen die beiden Scharfschützenkompanien von Ob- und Nidwalden besonders tapfer gekämpft haben.

Sieg und Abzug der Obwaldner

Nach den Kämpfen in der vorherigen Nacht schrieb der Obwaldner Kriegsrat Nikodem Spichtig am ersten April um neun Uhr vormittags an die Obwaldner Regierung: «Der Sieg ist unser, der Feind gänzlich geschlagen, der Überrest auf der Flucht, er soll viele Tote haben.»

Insgesamt forderte der zweite Freischarenzug 120 Todesopfer, davon mehr als 100 unter den Freischärlern. Verluste hatten die Obwaldner keine zu beklagen, lediglich Josef von Deschwanden und Felix von Rotz, beide aus Kerns, wurden verwundet. Sie konnten das Luzerner Spital am 20. Mai verlassen und wurden im Jahr darauf von der Luzerner Regierung nochmals nach Luzern eingeladen und mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet.

Mit grosser Spannung und Stolz erwarteten Volk und Regierung am 18. April die heimkehrenden Truppen. Jeder Offizier erhielt an einer prächtigen Zeremonie am Ufer des Sarnersees eine vergoldete und jeder Soldat eine silberne Ehrenmedaille zum Andenken an den 31. März und den ersten April. Für Aufsehen sorgte die «merkwürdige, bekränzte Aargauer Haubitze», ein Beutestück, das Luzern den Obwaldnern als Geschenk übergeben hatte.

Luzern und Obwalden, zwei Bruderkantone

In der politisch instabilen Zeit vor dem Sonderbundkrieg stellten sich Ob- und Nidwalden als die verlässlichsten Verbündeten heraus.

Nicht nur war für die Obwaldner Regierung klar, dass die bewaffneten Aufstände gegen Luzern einen Landfriedensbruch darstellten, den man bekämpfen sollte, sie schickte wie bereits erwähnt auch die ersten Truppen, die während dem zweiten Freischarenzug in Luzern eintrafen.

Im Gegensatz dazu trafen die Urner und Schwyzer Kontingente aufgrund der geografischen Distanz erst zu spät ein und die Zuger zögerten anfangs sogar, ihre Truppen nach Luzern zu schicken. Dies aus Rücksicht auf die anderen Nachbarskantone.

Die Treue der Obwaldner wurde dann von Luzern gebührend belohnt. Für die Obwaldner Truppen hatte die Regierung in Luzern nur lobende Worte übrig: 

Die Obwaldner hätten «sich sowohl am Tage des Kampfes durch vorzügliche Tapferkeit und Dienstfähigkeit als auch in den Kantonnements durch musterhafte Disziplin und Aufführung ausgezeichnet.»

Auch nach knapp 700 Jahren ist der «ewige Bund» zwischen Luzern und Obwalden noch genau so aktuell wie 1332. Deshalb sind am 26. Oktober zum Tag der offenen Tür im neuen Lagergebäude des Historischen Museums Obwalden nicht nur Obwaldner, sondern auch alle ausserkantonalen Besucher willkommen.

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1 Kommentare
  1. André Dörflinger, CH-1853 Yvorne VD, 27.08.2019, 11:13 Uhr

    3 Punkte: 1) In der obigen Zeichnung steht als Stundenangabe: 1/2 5 = ”halb fünf” und nicht: ”halb vier” Uhr, bitte im Text berichtigen ! also: 04:30 h 2) So, so, die Freischärler seien 3200 Mann gewesen, die es nicht wagten, die Stadt Luzern zu beschiessen…. Da sieht man wieder mal, wie es raus kommt, wenn man zu wenig bestimmt Krieg führt. Also: Entweder führt man beherzt, mannhaft, brutal, Krieg, ohne Rücksicht auf menschliche Verluste oder man lässts…..(besser) bleiben…..Etwas halbbatzig tun ist schlimmer als nichts tun! // 3) Schliesslich : Begriffe nicht vermengen, d.h. Nid-waldner und Ob-waldner ergeben zusammen = Unterwaldner. Lesen Sie also nochmals Ihren Bericht so durch und berichtigen Sie: ”Unterwaldner und Obwaldner” stimmt so nicht ! muss heissen: Nidwaldner und Obwaldner. 27.8.19