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Wundersame Heilung

Das Fussbad in der heilenden Baarer Quelle

Dem Wasser aus dem Sodbrunnen wurden heilende Kräfte zugeschrieben. (Bild: mgr)

Um die Baarburg ranken sich einige Geschichten. Eine solche ist die einer wundersamen Heilung. Der Zuger Sigmund Schwarzmurer vernahm fern der Heimat, dass auf dem Baarer Hausberg heilende Quellen waren.

Bereits in zwei früheren Blogs habe ich von der Baarburg berichtet, dass der Baarer Hausberg ein mystischer und zauberhafter Ort ist. Diesmal geht es um eine wundersame Heilung, die auf der Baarburg stattgefunden haben soll.

Wir finden in der Natur viele Mittel, die einem bei Krankheiten und Leiden helfen. Aber ob man dann auch immer rechtzeitig und mit den richtigen Mitteln geheilt werden konnte, war nicht immer gewährleistet. «Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen.» Dieses Zitat stammt von Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert lebte und eine Nonne und Universalgelehrte war.

Tatsächlich gibt es in der Natur unzählige Kräuter, Pflanzen, Mineralien und mehr, die dem Menschen bei allerlei Krankheiten und Gebrechen nützlich und hilfreich sind. Und manchmal konnte man auch einfach nur hoffen, auf dass vielleicht ein Wunder eintrifft. Was, wenn aber alle Künste der Ärzte versagen und kein Mittel hilft, um ein Leiden zu bekämpfen? Genau dies geschah offenbar einem Zuger in folgender Geschichte.

 «S Wunder vo de Baarburg»

Es war um das Jahr 1517, als eine Gruppe Zuger und Baarer beschlossen hatte, eine Pilgerreise nach Jerusalem in das Heilige Land zu unternehmen. In einer alten Chronik ist überliefert, dass dies folgende Personen waren: die Ritter Hans und Thomas Stocker, Hans Brandenberg, der Priester und Chronist Werner Steiner und Sigmund Schwarzmurer.

Sigmund Schwarzmurer hatte ein schlimmes Fussleiden. Weil hier alle Künste der Ärzte versagt hatten, erhoffte er sich von der Reise ins Heilige Land, dass er dort von diesem Leiden erlöst würde.

Der Sodbrunnen, seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Korporation, wurde 2016 renoviert.
Der Sodbrunnen, seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Korporation, wurde 2016 renoviert. (Bild: mgr)

Reise von Zug nach Jerusalem

So hat sich die kleine Gruppe auf den Weg gemacht. Die Reise war lang, beschwerlich und gar abenteuerlich, bis sie in Jerusalem angekommen sind.

Sigmund Schwarzmurer spazierte durch Jerusalems Gassen und kam mit einem alten Juden ins Gespräch. Der alte Mann wollte viel von Sigmund Schwarzmurer wissen. Woher er komme und was der Zweck der Reise sei. Schwarzmurer gab zu allem Auskunft und kam ins Schwärmen, als er von seiner Heimat, dem schönen Zugerland, erzählte, der lieblichen Landschaft, den Bergen und dem schönen See …

Da plötzlich fragte ihn der alte Jude: «Gibt es da in der Nähe von Zug auch einen Berg namens Baarburg?» «Ja, klar!», bestätigte ihm Sigmund Schwarzmurer freudig. Da verschwand der Alte in seiner Hütte. Nach einer Weile kam er wieder heraus, in den Händen trug er eine grosse Papierrolle, die war bestimmt über 50 Ellen lang und eine halbe Elle breit. Sie war über und über mit geheimnisvollen hebräischen Schriftzeichen vollgekritzelt.

Daraufhin begann der alte Mann, daraus vorzulesen. Seine Ahnen haben vor langer Zeit auf der Baarburg gewohnt. Dort auf der Baarburg gäbe es heilende Quellen. Die warme Quelle fliesst gegen Westen, die kalte Quelle gegen Osten. Diese Quellen hatten seine Vorfahren als Heilbäder benutzt. Und unter diesen Quellen sei das Gold gewesen, nach dem seine Ahnen gegraben hätten.

Ein Fussbad wirkt Wunder

Sigmund Schwarzmurer kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nach und nach seien aber die Erdmanndli auf die Baarburg gekommen. Die haben sich fürchterlich vermehrt und seine Vorfahren buchstäblich vertrieben. Schwarzmurer fragte den alten Juden nach der Beschaffenheit der Quellen, da meinte der alte Jude: «Wenn du wieder zu Hause bist, gehe auf die Baarburg und laufe Richtung Sonnenuntergang. Da wirst du zu einem Brunnen kommen. Mit diesem Wasser wäschst du dich, und dann bade deinen Fuss darin. Du wirst sehen, dein Fussleiden wird heilen.» Schwarzmurer bedankte sich für die Auskunft, und sie verabschiedeten sich.

Der Sodbrunnen, seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Korporation, wurde 2016 renoviert.
Eine Tafel weist im Wald bei Sihlbrugg auf den Sodbrunnen hin. (Bild: mgr)

Bald schon machte sich die Gruppe auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen, befolgte Sigmund Schwarzmurer die Anweisungen des alten Juden. Er begab sich auf die Baarburg, kam an den Brunnen, wusch sich und badete seinen Fuss darin. Daraufhin sei sein Leiden verschwunden und nicht mehr wiedergekommen.

Der Brunnen auf der Baarburg und das Bad in Walterswil

Auf der Baarburg finden sich Siedlungsspuren aus nachweislich sieben verschiedenen Epochen: Von der Mittelbronzezeit, um 1’500 v. Chr., bis ins frühe Mittelalter zeugen archäologische Fundstücke. So geht man mit grösster Wahrscheinlichkeit davon aus, dass auf dem Plateau um 450 v. Chr. ein keltischer Fürstensitz war. Dass die Baarburg von Juden bewohnt wurde, ist indes nirgends überliefert.

Zuoberst auf der Plattform befindet sich tatsächlich ein «heilbringender» Brunnen. Dieser war früher ein Sodbrunnen. Der Brunnen ist längst ausgetrocknet und mit einem schmiedeeisernen Gitter gut verschlossen. Eine der beiden erwähnten Quellen führt heute noch Wasser nach Walterswil.

Das Innere des Sodbrunnens.
Das Innere des Sodbrunnens. (Bild: mgr)

Vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit gab es bei der Baarburg, beim Kappelerhof in Walterswil, eine Badeanstalt, die dann zum Kurort Bad Walterswil wurde. Der Hof war der Familiensitz des einstigen Wettinger Zisterziensers Abt Peter II. Schmid (1559–1633). Die Badeanstalt diente als Erholungs- und Badeort für die Mönche des Wettinger Klosters.

Das Wettingerhaus kann heute für verschiedene Anlässe gemietet werden, und in der dazugehörenden Kirche finden regelmässig Gottesdienste statt.

Verwendete Quellen
  • Geschichte, Stiftung Don Bosco
  • Baar-Baarburg
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Ob Hintergründe zu alten Gebäuden, Geschichten zu Plätzen, stadtbekannte Personen, bedeutende Ereignisse oder der Wandel von Stadtteilen – im «Damals»-Blog werden historische Veränderungen und Gegebenheiten thematisiert.
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